Kurznachrichten
Mittwoch, 14. Juni 2017

Abstimmung der Kurden im Irak: Iraks Regierungschef zeigt Verständnis für Referendum

Iraks Regierungschef Haider al-Abadi hat Verständnis für das geplante Unabhängigkeitsreferendum der irakischen Kurden geäußert, eine Abstimmung im September aber abgelehnt. Jeder Teil des Landes habe "Wünsche und einen Traum", sagte al-Abadi in Bagdad. "Das respektieren wir, auch wenn wir anderer Meinung sind", fügte der Ministerpräsident hinzu.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei eine Abstimmung über die Loslösung der kurdischen Gebiete vom Rest des Irak aber "unpassend". Das Präsidialamt der autonomen Kurdenregion im Nordirak hatte in der vergangenen Woche den 25. September als Termin für ein Unabhängigkeitsreferendum festgelegt. Die Abstimmung ist eine alte Forderung der Kurdenführung im Nordirak.

Iraks Zentralregierung hatte sich in der Vergangenheit gegen ein derartiges Referendum gestellt. 2014 hatte die Kurdenführung in Erbil schon einmal eine solche Volksabstimmung angekündigt, dann aber nach Gesprächen mit der Zentralregierung in Bagdad wieder abgesagt. Sollten die Kurden dieses Mal nicht einlenken, dürfte das Referendum innerhalb und außerhalb des Irak für starke Spannungen sorgen.

In den Nachbarländern Türkei, Syrien und Iran gibt es ebenfalls kurdische Minderheiten. Die Regierungen dort lehnen eine Unabhängigkeit der Kurden im Nordirak ab, weil sie ähnliche Bestrebungen ihrer eigenen kurdischen Minderheiten fürchten.

Vor allem die strikte Ablehnung der türkischen Regierung, die das geplante Unabhängigkeitsreferendum am Freitag als "schweren Fehler" kritisiert hatte, könnte das Überleben eines irakischen Kurdenstaates erschweren: Die Region bezieht einen Großteil ihrer Einnahmen aus dem Ölexport.

Der Rohstoff wird über eine Pipeline zum türkischen Hafen Ceyhan transportiert. Auch innerhalb des Irak zeichneten sich starke Spannungen ab. Erbil und Bagdad sind sich bislang nicht einig, wo die Grenze zwischen den Kurdengebieten und dem Rest des Irak verläuft. Beide Seiten beanspruchen etwa die ölreiche Stadt Kirkuk.

Quelle: n-tv.de

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