Wirtschaft

Zusätzliche Belastung für VW Abgas-Skandal treibt Zinsen in die Höhe

Volkswagen muss neben den noch nicht genau bezifferten Kosten hinsichtlich der Abgas-Affäre mit einer Mehrbelastung rechnen. Einem Analysten zufolge liegen die Risikoaufschläge für Finanzierungen kurz vor dem Ramschniveau.

Volkswagen drohen im Zuge der Abgas-Affäre in den nächsten drei Jahren allein durch höhere Zinsen nach Analysteneinschätzung Mehrkosten von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Da die Belastungen für das Dax-Schwergewicht bislang kaum abschätzbar seien, steigen die Risikoaufschläge am Finanzmarkt immens. "Die aktuellen Risikoaufschläge sind momentan oberhalb dessen, was einem Rating von 'BBB-' entspräche", sagte LBBW-Analyst Gerhard Wolf der "Automobilwoche". "BBB-" ist die letzte Stufe, die noch zur wichtigen Ebene "Investment Grade" zählt. Danach folgt das Ramschniveau.

VW Vorzüge
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Wie die letzten vor Bekanntwerden des Skandals platzierten Anleihen derzeit auf dem Sekundärmarkt gehandelt werden, deutet darauf hin, dass VW heute rund 1,5 Prozent mehr Zinsen zahlen müsste, wenn der Konzern ein entsprechendes Papier platzieren wollte, erklärte Wolf. Direkte Auswirkungen der höheren Risikoaufschläge gibt es zwar erst, wenn VW neues Geld braucht. Doch bei einem Konzern dieser Größe werden in jedem Jahr alte Papiere in Milliardenhöhe fällig und müssen neu finanziert werden. Sie werden für 2016 erwartet.

Zusatzbelastungen durch höhere Aufschläge könnten nach Wolfs Einschätzung schon im ersten Jahr 200 bis 300 Millionen Euro betragen. Bis 2018 könnte sich dieser Wert auf 800 Millionen bis 1,2 Milliarden Euro summieren.

Kunden werden informiert

Falsche Angaben zum CO2-Ausstoß bei Autos der Marke Volkswagen betreffen vor allem Neuwagen aus dem Modelljahr 2016. Es handle sich um 430.000 von insgesamt rund 800.000 Fahrzeugen, teilte VW mit. Der Konzern kündigte an, er werde im Laufe dieser Woche die betroffenen Kunden informieren. Sie könnten ihre Fahrzeug-Identifikationsnummer eingeben und dann sehen, ob das Unternehmen für ihr Auto falsche Angaben zum CO2-Ausstoß gemacht hat.

Inwieweit Modelle der Vorjahre betroffen seien, werde noch untersucht. Volkswagen gehe aber weiterhin von rund 800.000 Fahrzeugen aus. Mögliche Steuermehrbelastungen der Halter sollen direkt Volkswagen in Rechnung gestellt werden und nicht den Kunden, bekräftigte das Unternehmen. Die Sicherheit sei aber in keinem Fall betroffen, daher seien auch keine technischen Maßnahmen erforderlich.

VW hatte im September zugegeben, dass in etwa elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Software eingesetzt wurde, die den Ausstoß von Stickoxiden im Testbetrieb als zu niedrig auswies. Anfang November gestand das Wolfsburger Unternehmen zudem ein, dass bei vermutlich rund 800.000 seiner Autos der tatsächliche Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 höher ist als angegeben.

Quelle: ntv.de, wne/AFP