Wirtschaft

Tim Cook muss endlich liefern Apple will mit Inhalten aus der Sackgasse

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Hat sich die Innovationskraft des US-Techkonzerns Apple bald aufgezehrt?

(Foto: imago stock&people)

Apple erlebt zuletzt mit seiner Hardware einen Flop nach dem anderen. Nun hat der iPhone-Hersteller ein Auge auf Mediengigant Time Warner geworfen. Würde eine Zusammenarbeit Apples Probleme lösen?

Eine deutliche Erholung erfährt die Apple-Aktie - bis auf rund 100 US-Dollar. Das ist vor allem eine Reaktion auf den kräftigen Kursrückgang seit Mitte 2015. Immerhin prognostizieren Analysten, dass der Umsatz der Kalifornier im Quartal, das im Juni endet, um 15 Prozent auf 42,1 Milliarden Dollar einbrechen soll. Damit würde sich der Rückgang im Vergleich zum März-Quartal, als das Minus bei 13 Prozent lag, sogar noch etwas ausweiten. Verantwortlich hierfür dürfte die anhaltend schwache Nachfrage nach iPhones sein, vor allem aus China und Hongkong.

Wegen des schwierigen Geschäftsumfelds schaut sich Vorstandschef Tim Cook nach zusätzlichen Einnahmenquellen um, vor allem außerhalb des Hardware-Geschäfts. Im Fokus stehen dabei die bisherigen Nutzer von Apple-Geräten, schließlich sind mehr als eine Milliarde Geräte weltweit im Einsatz. Laut Medienberichten hat Eddy Cue, der für die Onlinedienste wie iTunes, den Musikstreaming-Dienst Apple Music und das iCloud-Geschäft verantwortlich ist, Ende 2015 bei einem Meeting mit Olaf Olafsson, Chef des Strategie-Ressorts von Time Warner, eine mögliche Übernahme von Time Warner ins Spiel gebracht.

Auf den Spuren von Netflix und Amazon

Die Analysten spekulieren daher, ob Apple Interesse an dem gesamten Konzern haben könnte oder nur an einzelnen Vermögenswerten, wie Warner Bros, Hollywoods größtem Produzenten von Filmen und Fernseh-Shows. Von Interesse könnte auch der Fernsehprogramm- und Kabelfernsehanbieter HBO sein, der Serien, wie "Games of Thrones", produziert. Mit einem Deal würde Apple eigene Inhalte produzieren und damit dem Beispiel von Unternehmen, wie Netflix und Amazon folgen, die verstärkt eigene Filme und Shows produzieren, und damit weitere Kunden für Netflix und Amazon Prime gewinnen wollen.

Apple will schon länger einen Abo-Streaming-Dienst dem hauseigenen Medienangebot hinzufügen, konnte sich aber im vergangenen Jahr nicht mit Medienfirmen wie CBS und 21st Century Fox einigen, weil sie Sorge hatten, dass sie ihre eigenen Abo-Dienste kannibalisieren würden und Apple sich einen zu großen Teil vom Gewinnkuchen abschneiden würde.

Damals wollte Apple mit einem abgespeckten Paket für das Internet zu Preisen von rund 40 Dollar pro Monat, das der Hälfte des Preises der Kabelnetzbetreiber entsprach, in den Markt eindringen. "Wenn Apple durch einen möglichen Kauf von Time Warner eigene Inhalte produzieren würde, wäre es noch wesentlich schwieriger, einen Deal mit anderen Mediengiganten hinzubekommen", meint Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Apple würde zu einem ernsthaften Konkurrenten aufsteigen, "das spricht gegen eine Übernahmeofferte für Time Warner", ergänzt Stanzl.

Ungleiche Partnerschaft

Und noch ein zweiter Grund spricht gegen ein Angebot für Time Warner: die Profitabilität. Laut den Schätzungen der Analysten soll Apple im laufenden Fiskaljahr, das im September endet, eine Eigenkapitalrendite von stattlichen 37 Prozent erwirtschaften. Die Eigenkapitalrendite wird errechnet, indem der Gewinn durch das Eigenkapital dividiert wird. Der Vergleichswert für Time Warner für das Jahr 2016 liegt hingegen bei lediglich 18 Prozent. Auch wenn Tim Cook das Content-Problem so schnell wie möglich in den Griff bekommen will, dürfte er es sich zweimal überlegen, ehe er ein Übernahmeangebot vorlegt - und damit eine Verschlechterung bei dieser für Investoren so wichtigen Kennzahl in Kauf nimmt. Die wahren Probleme könnten für ihn dann erst beginnen.

Quelle: ntv.de