Wirtschaft

Statoil überrascht BP muss weiter für Öl-Katastrophe bluten

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2010 brannte vor der US-Küste eine BP-Ölplattform. Die Folgekosten lasten weiter auf dem Unternehmen.

(Foto: Reuters)

Das dominierende Thema für die Ölfirmen ist der Preisverfall beim schwarzen Gold. Mit Einsparungen und zusammengestrichenen Investitionen kämpfen die Unternehmen gegen die Entwicklung an. Bei Statoil funktioniert dies. Doch BP hat noch weitere Baustellen.

Die fallenden Ölpreise und der milliardenschwere Schadensersatz für die Deepwater-Horizon-Katastrophe haben dem britischen Energiekonzern BP im zweiten Quartal die Bilanz verhagelt. Das Unternehmen schrieb tiefrote Zahlen. Einen höheren Gewinn als erwartet meldete hingegen überraschenderweise der norwegische Konzern Statoil. Zudem hat er noch ein paar Schmankerl für Anleger parat.

Der britische Konzern BP schrieb einen Verlust zu Wiederbeschaffungskosten von fast 6,3 Milliarden US-Dollar. Die Kennzahl entspricht dem Nettoergebnis bei US-Ölunternehmen. Der bereinigte Gewinn sank im Jahresvergleich von 3,6 Milliarden auf 1,3 Milliarden Dollar. In den Zahlen enthalten ist eine Vorsteuerbelastung von zehn Milliarden Dollar, die BP als Teil seiner Einigung über 18,7 Milliarden Dollar mit der US-Regierung und den von der Katastrophe betroffenen fünf Bundesstaaten verbuchte. Anfang Juli hatte sich der Konzern mit Behörden auf die Zahlung als Entschädigung für Schäden bei der Explosion der Ölplattform geeinigt. Sie soll auf 18 Jahre gestreckt werden.

BP versucht sich in Zuversicht

Die Jahre nach der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon 2010, bei der elf Menschen ums Leben kamen und Millionen Barrel Öl ins Meer flossen, haben an der Bilanz von BP gezehrt. Zwar hat der Energiekonzern nach der nun erzielten Einigung wieder mehr Handlungsspielraum, doch die niedrigen Ölpreise dürften weiter belasten.

BP hatte daher bereits Ausgabensenkungen angekündigt. "Das externe Umfeld bleibt schwierig, doch BP reagierte schnell und wird dies auch weiterhin tun", sagte Konzernchef Bob Dudley. Er sei zuversichtlich, dass es auch für die Zukunft richtig sei, BP für Zeiten niedriger Ölpreise entsprechend zu positionieren.

Verkäufe verschönern Statoil-Zahlen

Dem norwegischen Ölkonzern Statoil half im zweiten Quartal ein Gewinn aus einem Anteilsverkauf. Durch Einsparungen und mit Blick auf die Entwicklung der Wechselkurse kürzt das Staatsunternehmen seine Investitionen in diesem Jahr um drei Prozent auf 17,5 Milliarden US-Dollar. Auch BP fuhr diesen Ausgabeposten zurück.

Unter dem Strich verdienten die Norweger per Ende Juni mit zehn Milliarden Kronen - umgerechnet 1,1 Milliarden Euro - zwar 16 Prozent weniger als vor einem Jahr. Analysten hatten jedoch nur mit gut der Hälfte gerechnet. Der Umsatz ging um 13 Prozent auf 124,4 Milliarden Kronen zurück. Auch übertraf das Unternehmen die Erwartungen. Aus dem Verkauf des Anteils am Shah-Deniz-Projekt in Aserbaidschan floss Statoil ein Gewinn von 12,3 Milliarden Kronen zu.

Dividende macht Statoil attraktiv

Am Aktienmarkt gefallen die Statoil-Zahlen. "Sehr gut ist, dass Statoil das nicht auf Kosten einer zu starken Volumenausweitung erreicht hat", sagte ein Händler. "Auch das Kostensenkungsprogramm scheint stärker zu greifen als erwartet, die Margen sind stark".

Für einen Kursschub könnte zudem die Ankündigung sorgen, ab 2016 in US-Dollar zu bilanzieren. "Das könnte noch mehr internationale Anleger in die Aktie ziehen, die bisher die Währungsrisiken gescheut hatten", so ein anderer Händler. Sparebank1-Analyst Kristoffer Dahlberg glaubt zudem, dass der Bericht Sorgen über die Nachhaltigkeit der Statoil-Dividende beiseite schieben wird. Das Unternehmen will wieder 1,80 Kronen je Aktie ausschütten.

Immerhin kein riesiger Einbruch bei BP

Verhaltener fiel indes das Echo auf die BP-Zahlen aus. Die Erwartungen wurden verfehlt - immerhin aber: "Der ganz große Einbruch ist aber ausgeblieben", sagt ein Händler. "Vor allem der Bereich Exploration und Produktion ist deutlich schwächer, aber das dürfte der Markt mit dem Kursverfall der letzten Wochen vorweggenommen haben."

Die diversen Gewinn-Kennziffern lägen rund ein Fünftel unter den Schätzungen. Der Rutsch in die Verlustzone im zweiten Quartal liege aber an der US-Strafzahlung. Im Fokus des Marktes stehe aber eher, wie die Ölfirmen Produktionskürzungen und Cash-Flow managen. Die Dividende soll unverändert bleiben; für das zweite Quartal sollen 10 Cent je Aktie an die Aktionäre gehen.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/dpa

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