Wirtschaft

Trotz Abwertung des Yuan China führt keinen Währungskrieg

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(Foto: REUTERS)

Die chinesische Währung war überbewertet und wurde korrigiert, meint Sandra Heep vom Mercator Institute for China Studies (Merics) im Interview mit n-tv.de. Eine Währungsmanipulation sieht die China-Expertin derzeit nicht. Fraglich ist allerdings, ob das so bleibt.

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n-tv.de: Nach dem erneuten Eingriff durch die chinesische Zentralbank geht die Talfahrt des Renminbi weiter. Nun wird China bereits vorgeworfen, einen Währungskrieg zu starten. Was ist an dem Vorwurf dran?

Sandra Heep: Der Vorwurf geht an der Realität vorbei. Tatsächlich war der Renminbi in den vergangenen Monaten überbewertet. Seit Anfang des Jahres hat die Zentralbank interveniert, um die Währung zu stabilisieren und eine Abwertung zu verhindern. Da haben sich jetzt die Prioritäten verschoben.

Wie war denn zuvor die Praxis?

Bislang wurde in China täglich ein Referenzwert für den Wechselkurs festgesetzt. Anschließend waren innerhalb eines Tages Abweichungen in beide Richtungen in Höhe von bis zu zwei Prozent möglich. Der Clou aber war, dass China dann am Folgetag den Wechselkurs unabhängig von der Marktbewegung am Vortag neu bestimmen konnte. Auf diesem Weg konnte China eine Abwertung des Renminbi verhindern, obwohl er eigentlich schon seit Monaten unter Abwertungsdruck stand. Jetzt hat die Zentralbank nicht nur den Kurs niedriger angesetzt. Gleichzeitig verkündete sie, dass das Wechselkursregime insgesamt geändert wird und dass China hierbei Marktkräften eine größere Rolle zugestehen will.

Was bedeutet das konkret?

Yuan oder Renminbi?

Renminbi ist der offizielle Name der chinesischen Währung. Es ist das chinesische Wort für "Volksgeld" und betrifft die Währung als Ganzes. Das Wort "Yuan" ist offiziell nur der Begriff für die Maßeinheit des Geldes - wie Euro oder Cent. In Yuan werden Preise gemessen, das Wort Yuan steht auch auf Geldscheinen. Der Einfachheit halber hat es sich aber in anderen Ländern eingebürgert, immer von "Yuan" zu sprechen.

Konkret bedeutet das vor allem, dass die Marktbewegungen eines Handelstages in die Neubestimmung des Wechselkurses am Folgetag einfließen. Genau das haben wir in den vergangenen beiden Tagen gesehen. Denn nachdem die erste Abwertung vorgenommen wurde, haben Marktteilnehmer Chinas Währung verstärkt verkauft und damit eine weitere Abwertung bewirkt. Diese Ausschläge wurden dann am jeweils nächsten Tag berücksichtigt. Man kann also zurzeit nicht von einer Währungsmanipulation sprechen. Doch stellt sich die Frage, ob China auch dann noch die Entscheidungen des Marktes berücksichtigen wird, wenn sie nicht in die gewünschte Richtung gehen.

Die Reform des Wechselkursregimes ist aber grundsätzlich zu begrüßen?

Das ist richtig. Bei dieser Reform spielt die Internationalisierung des Renminbi eine wichtige Rolle. China hofft, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) noch in diesem Jahr den Renminbi offiziell als Reservewährung anerkennt. Der IWF hat aber das bisherige Wechselkursregime kritisiert. Peking kommt also nun dem IWF entgegen. Es ist mit Sicherheit für die mittel- bis langfristige Entwicklung der chinesischen Wirtschaft besser, wenn der Markt stärker über den Wechselkurs bestimmt. Allerdings war die Art und Weise, wie man diese Veränderung eingeführt hat, ungeschickt. Die Zentralbank hätte besser mit Vorlauf ankündigen sollen, dass der Wechselkurs künftig stärker durch Marktkräfte bestimmt wird. Dann hätten sich alle darauf einstellen können und der große Schock wäre ausgeblieben. Mit fast zwei Prozent Abwertung über Nacht hatte wirklich keiner gerechnet. Auch der Einbruch des Dax hierzulande spiegelt weniger die befürchteten Konsequenzen der Abwertung für die deutsche Wirtschaft wider. Vielmehr hat die unerwartete Abwertung die allgemeine Unsicherheit darüber erhöht, wie es in China weitergeht. Denn es stellt sich die Frage, ob die Regierung bei ihrem Reformkurs bleiben wird oder doch in schwierigen Zeiten immer wieder ihren Kontrollinstinkten nachgeben wird.

Deutet die jetzige Vorgehensweise Pekings auf eine Art Unerfahrenheit mit dieser Art der Geldpolitik hin?

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Dr. Sandra Heep leitet das Programm „Wirtschaftspolitik und Finanzsystem" am Mercator Institute for China Studies (MERICS) in Berlin

(Foto: www.marco-urban.de)

Die Zentralbank ist vermutlich davon ausgegangen, dass es mittelfristig mehr Stabilität bringt, erst eine größere Abwertung vorzunehmen und dann den Marktkräften eine größere Rolle zuzugestehen. Doch nur wenige Wochen, nachdem China an den Börsen so massiv interveniert hat, wirkt dieses Vorgehen wie eine Panikreaktion. Denn nur drei Tage zuvor war bekannt geworden, dass die Exporte im Juli im Vorjahresvergleich um mehr als acht Prozent eingebrochen sind.

Peking beteuert jedoch, es ginge bei den Eingriffen nicht darum, die Exporte zu pushen.

Es geht natürlich schon darum, den Export-Sektor zu unterstützen. Allerdings ist die Abwertung der Währung kein Allheilmittel. Denn dem Exportsektor geht es aus verschiedenen Gründen schlecht. Zum einen steigen die Löhne in China immer weiter an, was auf die demographische Entwicklung zurückzuführen ist. Zum anderen ist die globale Nachfrage derzeit sehr schwach. Hinzu kommt dann die überbewertete Währung. Jetzt hat Peking sich entschlossen, an dieser Stellschraube zu drehen und zumindest dieses Problem abzumildern.

Was bedeutet die Abwertung für die deutschen Exporte?

Bislang ist es ja noch keine sehr starke Abwertung. Allerdings ist davon auszugehen, dass der Abwertungstrend zunächst einmal weiter anhalten wird und damit früher oder später auch die deutsche Exportwirtschaft treffen wird. Deutsche Maschinenbauer werden aber voraussichtlich nicht allzu stark in Mitleidenschaft gezogen, da ihre Produkte weniger anfällig für Preisschwankungen sind als beispielsweise Konsumgüter im Luxussegment.

Was ist mit den deutschen Autobauern?  

Die sind natürlich ganz gut aufgestellt, weil sie schon viel in China produzieren und deshalb nicht so stark von den Wechselkursschwankungen betroffen sind. Doch werden bei weitem nicht alle Autos für den chinesischen Markt in China produziert. Und so könnte sich die Abwertung des Renminbi vor allem auf die Exporte besonders hochwertiger Autos negativ auswirken.

Sie sagten gerade, dass es bislang noch keine sehr starke Abwertung sei. Ab wann müsste Deutschland nervös werden?

Im Moment bewegen wir uns bei weniger als fünf Prozent, das macht noch nicht so viel aus. Klar ist aber, dass der Abwertungstrend zunächst einmal bestehen bleiben wird. Allerdings denke ich, dass die Zentralbank immer wieder einschreiten wird, um die Abwertung ein wenig zu bremsen. Sie wird einen freien Fall des Renminbi nicht zulassen. Es spricht sehr viel dafür, dass sie schon gestern eingegriffen hat. Da ist der Kurs im Laufe des Tages um zwei Prozent gesunken, um dann in der letzten Handelsstunde wieder anzusteigen. So war zum Handelsschluss nur noch ein Minus von einem Prozent übrig.

Mit Sandra Heep sprach Samira Lazarovic

Quelle: n-tv.de

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