Wirtschaft

Peking prügelt Yuan nach unten China verstärkt Brasiliens Schmerzen

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Brasilien muss viele schlechte Nachrichten verarbeiten.

(Foto: REUTERS)

Die Abwertung des Yuan tut einem Land richtig weh: Brasilien. Zu hoher Inflation, tiefer Rezession und einem ausgewachsenen Korruptionsskandal kommt nun ein gewaltiges Problem hinzu.

Als ob Brasilien nicht schon genug Schwierigkeiten hätte. Das Land steckt in der schwersten Rezession seit 25 Jahren - und nun das: China wertet seine Währung kräftig ab. Für Brasilien ist das eine ganz schlechte Nachricht.

Schließlich ist die Volksrepublik der größte Handelspartner, der Großteil der Exporte des südamerikanischen Landes geht nach China. Und durch die Abwertung des Yuan wird für China der Import von Produkten teurer – besonders die Einfuhr von den in Dollar abgerechneten Rohstoffen. Das drückt die Nachfrage. 

Angesichts des deutlich fallenden Yuan hat die monatelange Talfahrt der Rohstoffpreise deshalb noch einmal einen kräftigen Schub erhalten. Laut "Business Insider" gehen die Analysten der Bank of America davon aus, dass eine Abwertung des Yuan um 1 Prozent die Rohstoffpreise zwischen 0,5 und 0,6 Prozent drückt.

Der Preis für Brasiliens wichtigstes Exportprodukt ist im Keller: Eisenerz kostet so wenig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Für Brasilien wäre allein das schon ein schwerer Schlag. Doch die Yuan-Abwertung trifft das Land zu einem besonders schlechten Zeitpunkt.

Brasilien befindet sich in einer tiefen Rezession. Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um weitere 1,5 Prozent zurückgehen wird. Im Juni lag die Arbeitslosenquote bei 6,9 Prozent und damit 2,1 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor. Die Inflation beträgt offiziellen Daten zufolge knapp zehn Prozent und erreicht damit den höchsten Stand seit zwölf Jahren. Die Währung Real kennt zu Dollar und Euro nur eine Richtung: nach unten.

Vor diesem Hintergrund hat die Zentralbank den Leitzins auf mehr als 14 Prozent hochgeschraubt. Das bremst zwar die Preissteigerung, aber eben auch die ohnehin schwache Konjunktur. Der Konsum ist mau. Die Industrieproduktion im fünftgrößten Land der Erde brach in der ersten Jahreshälfte um mehr als sechs Prozent ein.

Ramsch-Niveau droht

Hinzu kommt eine innenpolitische Krise: Seit Monaten gibt es quasi täglich Berichte über ein milliardenschweres Bestechungssystem, in das Manager von führende Baufirmen und des größten brasilianischen Konzerns Petrobras verstrickt sind.

Mehrere frühere Manager des Ölkonzerns wurden bereits zu Haftstrafen verurteilt. Die Ermittlungen richten sich auch gegen mehrere ehemalige Kabinettsmitglieder, Gouverneure, Abgeordnete und Senatoren sowie die Chefs der beiden größten Baukonzerne Brasiliens. Von 2004 bis 2014 sollen mehr als zwei Dutzend Firmen Schmiergelder an Petrobras gezahlt haben, um an lukrative Aufträge zu kommen. Petrobras zahlte den Ermittlungen zufolge ebenfalls Bestechungsgeld, unter anderem an Politiker.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff saß von 2003 bis 2010 im Verwaltungsrat von Petrobras. Gegen sie wird nicht ermittelt. Viele Brasilianer sind überzeugt, dass Rousseff von den damals schon laufenden Machenschaften wusste. Das trägt zu ihrer geringen Beliebtheit in dem Schwellenland bei: Zwei Drittel der Brasilianer sind laut einer neuen Umfrage für ein Amtsenthebungsverfahren durch den Kongress. 71 Prozent sind mit der Regierung unzufrieden, nur acht Prozent sehen Rousseffs Regierungshandeln positiv - das sind die schlechtesten Werte für einen Regierungschef in Brasilien seit 25 Jahren. Rouseff war erst vor einem halben Jahr in einem knappen Sieg für eine zweite Amtszeit gewählt worden.

Da ist es nicht überraschend, dass die Ratingagentur Moody's Brasiliens Kreditwürdigkeit fast bis auf Ramsch-Status herabgestuft hat. Weitere schlechte Nachrichten aus China kann Brasilien wirklich nicht brauchen.

Quelle: n-tv.de, mit rts/dpa/AFP

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