Wirtschaft

"Koordinierte Aktion" mit USA? China zapft jetzt seine Ölreserven an

11366953.jpg

Chinas Öl soll das Wirtschaftswachstum ankurbeln.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Um hohe und steigende Energiepreise abzufedern und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, will China seine Ölreserven anzapfen. Auch US-Präsident Joe Biden arbeitet wohl an einer koordinierten Aktion. Dieses Vorgehen ist höchst selten. Der Ölpreis hatte im Oktober ein Sieben-Jahres-Hoch erreicht.

China bereitet angesichts der hohen Energiepreise ein Anzapfen der staatlichen Ölreserven vor. "Wir arbeiten daran, Rohölreserven freizugeben", sagte eine Sprecherin der zuständigen Behörde der Nachrichtenagentur Reuters. Sie kündigte zugleich an, dazu später eine Erklärung zu veröffentlichen. Der größte Ölimporteur der Welt hatte zuletzt im September die staatlichen Reserven angezapft und 7,38 Millionen Barrel an heimische Raffinerien versteigert.

Die Volksrepublik hält die Höhe ihrer strategischen Reserven geheim. Die letzte öffentliche Aktualisierung erfolgte 2019. Damals gab die Nationale Energieverwaltung bekannt, dass das Land über Ölvorräte verfüge, die 80 Tage reichen sollen. Das Beratungsunternehmen Energy Aspects schätzte Anfang des Jahres, dass Chinas Reserven etwa 220 Millionen Barrel Rohöl enthalten, was einer Nachfrage von 15 Tagen entsprechen würde.

Die US-Regierung hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters mit wichtigen anderen Ländern darüber gesprochen, Teile der jeweiligen Ölreserven anzuzapfen. Ziel eines derartigen koordinierten Vorgehens wäre es, die Ölpreise nach unten zu drücken und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Demnach wurden diese Gespräche in den vergangenen Wochen unter anderem mit Japan, Südkorea, Indien und China geführt. Sie seien nicht abgeschlossen. Es gebe auch keine endgültige Entscheidung darüber, ob es zu einem solchen Schritt oder anderen zur Beeinflussung der Ölpreise kommen werde.

"Koordinierte Aktion"

"Eine koordinierte Aktion hätte sicher einen größeren Einfluss auf den Ölmarkt als wenn nur die USA alleine diesen Weg gehen würden", erklärte Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann. Zuletzt habe es eine solche Aktion vor zehn Jahren gegeben, als der Bürgerkrieg in Lybien zu einem Ausfall der dortigen Ölproduktion führte." Die USA wollen ihre Inflation in den Griff bekommen und China hätte womöglich nichts dagegen, niedrigere Ölpreise zu sehen", sagte John Driscoll, Geschäftsführer von der Beratungsfirma JTD Energy.

Rohstoffanalyst Vivek Dhar von der Commonwealth Bank of Australia geht davon aus, dass der aktuelle Preisrutsch nur temporärer Natur ist. "Die Freigabe strategischer Lagerbestände wird die Ölpreise wahrscheinlich nur vorübergehend senken. Es besteht eine gute Wahrscheinlichkeit, dass die Märkte ein solches Ereignis bereits eingepreist haben." Die Ölpreise waren im Oktober auf den höchsten Stand seit sieben Jahren geklettert und gelten als ein Grund für den Inflationsanstieg in vielen westlichen Ländern.

Das US-Präsidialamt wollte sich nicht zum Inhalt der - in der Vergangenheit wiederholt bestätigten - Gespräche mit anderen großen Energieverbraucher-Staaten äußern. Präsident Joe Biden hatte das Förderkartell Opec und verbündete Produzenten wie Russland wiederholt dazu aufgerufen, ihre Ölförderung schneller auszuweiten.

Die Debatte hat derweil die Ölpreise unter Druck gesetzt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich am Donnerstag zeitweise um mehr als ein Prozent auf 79,28 Dollar. Das war der tiefste Stand seit sechs Wochen. US-Öl WTI fiel um 1,4 Prozent auf 77,50 Dollar pro Fass.

Quelle: ntv.de, ter/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen