Wirtschaft

Verdächtig gute Zahlen Chinesische Provinz fälschte Statistik

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Stahlwerk in Liaoning: Die Funktionäre der Provinz fälschten jahrelang die Statistiken der chinesischen Industrieprovinz.

(Foto: REUTERS)

Wirtschaftsdaten aus China trauen viele Investoren schon lange nicht mehr. Ein Provinzgouverneur bestätigt nun: Parteikader schönten jahrelang die Steuereinnahmen im Rostgürtel des Riesenreichs.

Der Nordosten Chinas ist so etwas wie das Ruhrgebiet des Reichs der Mitte. Dort, an der Grenze zu Nordkorea, in der Provinz Liaoning, schlägt seit Jahrzehnten das Herz der Schwerindustrie. Und genau hier ist der Wirtschaftsabschwung in China besonders deutlich zu spüren. Trotzdem schickten die fleißigen Parteikader aus Liaoning jahrelang zufriedenstellende Zahlen über die Steuereinnahmen nach Peking. Nur haben die Daten einen Makel: Sie waren gefälscht.

Zwischen 2011 und 2014 hätten Beamte die Zahlen um mindestens 20 Prozent aufgebläht, sagte Chen Qiufa, Gouverneur der Provinz Liaoning laut "Financial Times" im "People's Daily", dem Zentralorgan der Kommunistischen Partei Chinas. Auch andere Wirtschaftsdaten seien gefälscht worden, sagte Chen, ohne ins Detail zu gehen: "Liaoning war in großangelegten Finanzbetrug auf kommunaler und Bezirksebene verwickelt, der über lange Zeit anhielt und an dem viele Leute beteiligt waren."

Frisierte Wachstumszahlen

Schon lange bröckeln im Rostgürtel in Chinas Nordosten Stahlwerke und Zementfabriken, die einst den Bauboom antrieben, vor sich hin. Die Zombie-Fabriken sind ein deutliches Zeichen, dass sich das Wachstum im Riesenreich abkühlt. Doch statt dieser unangenehmen Wahrheit meldeten die Statistiker in Liaoning lieber falsche Zahlen an die Pekinger Zentrale. Die Beamten hätten mit den Siegesmeldungen ihre Karriere fördern wollen, sagte Provinzgouverneur Chen der Parteizeitung. Die Zentralregierung habe die Entwicklung in der Provinz deshalb falsch eingeschätzt.

Der Vorfall gibt dem Zweifel an Chinas Wirtschaftsdaten neue Nahrung. Erst kürzlich hatte der Chef der nationalen Statistikbehörde in einem Beitrag im "People's Daily" eingeräumt, dass einige Statistiken gefälscht worden seien und es ein Problem mit Betrug gebe. Der vorherige Chefstatistiker war im Januar 2016 unter Korruptionsverdacht aus dem Amt gejagt worden.

Viele Investoren und Ökonomen trauen den Zahlen aus China schon lange nicht mehr. Der Reiz zu Schummeln ist groß. Denn chinesische Beamte werden vor allem am Erreichen der Wachstumsvorgaben ihrer Region gemessen. Es verwundert also kaum, dass die Zahlen von Quartal zu Quartal oft erstaunlich konstant bleiben. Und der Durchschnitt der einzelnen Provinzen oft über dem nationalen Ergebnis liegt.

Auch Statistiker sind korrupt

Wie die Beichte von Chinas Chefstatistiker ist auch das jüngste Geständnis aus Liaoning ein Ergebnis der Anti-Korruptions-Kampagne, die Staatspräsident Xi Jinping 2013 ausgerufen hat. Zehntausende Funktionäre und Beamte sind ihr bereits zum Opfer gefallen. Der Kampf gegen die grassierende Bestechung ist für Xi auch ein willkommener Vorwand für die Jagd auf politische Gegner.

"Das Problem gefälschter Wirtschaftsdaten war in einer gewissen Zeit in der Provinz Gang und Gäbe", hieß es laut "Wall Street Journal" schon im vergangenen Jahr in einem Bericht der Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei. Die staatlichen Korruptionswächter verbannten dort laut "Bloomberg" mehr als 500 Abgeordnete wegen Stimmenkaufs aus dem Parlament. Auch der ehemalige Provinzchef der Kommunistischen Partei in Liaoning wurde 2015 wegen Korruption abgesetzt.

Quelle: ntv.de

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