Wirtschaft

Brandneuer Regionaljet aus China Comac liefert erste ARJ21 aus

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Der Beginn einer neuen Ära? Eine ARJ21-700 der "Commercial Aircraft Corp of China" (Comac) im Hangar am Flughafen von Shanghai.

(Foto: Reuters)

Im internationalen Markt für Verkehrsflugzeuge fasst die aufstrebende Konkurrenz aus China langsam Fuß: In der Nische der Kurzstreckenjets geht die erste Maschine des chinesischen Flugzeugbauers Comac an den Kunden.

Jubel in der chinesischen Luftfahrtbranche: Der staatliche Flugzeugbauer Comac hat seine erste Regionalmaschine vom Typ ARJ21 ausgeliefert. Erstkunde ist die heimische Billig-Fluggesellschaft Chengdu Airlines. Comac wertete die Markteinführung als Durchbruch bei der Entwicklung und beim Bau eigener ziviler Flugzeuge.

China bemüht sich schon seit längerem, den Flugzeugkonzernen Boeing und Airbus Konkurrenz zu machen. Allerdings mangelte es der Volksrepublik bislang an Erfahrung und technischen Fähigkeiten. In der Praxis müssen sich die Entwürfe aus der chinesischen Jet-Entwicklung noch beweisen. Die Nachfrage aus dem Ausland hält sich noch in Grenzen: Bestellungen liegen bislang nur aus Staaten wie Indonesien, Laos, Myanmar und der Republik Kongo vor, die - mit Ausnahme Indonesiens - vergleichsweise kleine Luftfahrtmärkte und überschaubare Wachstumsperspektiven für den chinesischen Export bieten.

Das Modell ARJ21 ist das erste in China gebaute Verkehrsflugzeug mit Jet-Antrieb für Regionalverbindungen auf der Kurzstrecke. Die rund 35 Meter lange Maschine kommt auf eine Spannweite von gut 27 Metern und bietet je nach Bestuhlung rund 90 Passagieren Platz. Ende vergangenen Jahres erteilte die chinesische Luftfahrtbehörde die Zulassung für Inlandsflüge.

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Die technische Erprobung zog sich über Jahre: Hier eine ARJ21 im Vorführflug bei einer Luftfahrtmesse in Zhuhai im Jahr 2010.

(Foto: REUTERS)

Der Erstflug fand vor sieben Jahren im November 2008 statt. Hersteller Comac bekam bei der Fertigung die branchentypischen Probleme zu spüren: Technische Schwierigkeiten warfen den Zeitplan mehrfach über den Haufen. Das Projekt "Fliegender Phoenix", wie sich der chinesische Name Xiangfeng übersetzen lässt, rollt mit einer jahrelangen Verspätung an den Start.

Mit der ARJ21 zielt Comac zunächst vor allem auf eine besonders hart umkämpfte Nische im internationalen Markt für zivile Verkehrsflugzeuge. Die Chinesen treten mit der ARJ21 in Wettbewerb zum brasilianischen Regionaljet-Hersteller Embraer und dem kanadischen Schwergewicht Bombardier. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat den ARJ21 allerdings noch nicht zugelassen, was für die Chinesen den Zugang zu den Märkten in Übersee einschränkt.

An Interesse aus den USA mangelte es ursprünglich nicht: Das US-Unternehmen Gecas, eine Flugzeugleasing-Tochter von General Electrics (GE), hatte kurz vor dem Erstflug fünf Maschinen bestellt. Ob die Amerikaner den Jet aus China tatsächlich abnehmen werden, ist nach der immensen Verspätung von sieben Jahren unklar. Die ARJ21 wären im Flottenbestand von Gecas ohnehin nur eine exotische Ergänzung: Die GE-Tochter hält eigenen Angaben zufolge derzeit allein im Segment der Regionalflieger mehr als 300 Maschinen von Bombardier, Embraer und ATR in Betrieb.

Für Comac markiert der Lieferstart der Modellreihe ARJ21 dagegen tatsächlich einen wichtigen Meilenstein. Der staatliche Hersteller kann wirtschaftliche Erfolge dringend gebrauchen. Schließlich haben die Wirtschaftsplaner in Peking mit dem chinesischen Flugzeugbau noch sehr viel ehrgeizigere Pläne: Zuletzt stellte Comac mit dem Modell C919 einen zweistrahligen Mittelstreckenjet vor, mit dem die Chinesen in das Hauptgeschäftsfeld der großen Marktführer Boeing und Airbus vorstoßen wollen.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts