Wirtschaft

Viele Klagen gegen Deutsche Bank Cryan übernimmt auch Rechts-Ressort

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John Cryan hat einiges vor sich.

(Foto: REUTERS)

Tausende mutmaßliche Rechtsverstöße gehören zu den gravierendsten Altlasten für den neuen Deutschen-Bank-Chef. Nun macht John Cryan sich persönlich an die Aufräumarbeiten.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan macht die Aufarbeitung der zahlreichen Rechtsstreitigkeiten und Prozesse des Konzerns zur Chefsache. Wie erst jetzt bekannt wurde, übernahm er schon zum 1. Juli persönlich den Vorstandsbereich Recht von Christian Sewing, der auch Privatkundenvorstand ist. Dies berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Die Neuigkeit stand zwar bereits im Zwischenbericht, der am 30. Juli veröffentlicht wurde, allerdings so versteckt, dass es niemandem aufgefallen war.

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Sewing leitete das Rechtsressort seit Jahresanfang. Zum 1. Juli übernahm er zusätzlich die Verantwortung für den Bereich Privatkunden, nachdem Vorstand Rainer Neske im Streit über die künftige Strategie gegangen war. Auf der Hauptversammlung im Mai hatte Aufsichtsratschef Paul Achleitner bereits angedeutet, dass Sewing die beiden Kernressorts nicht dauerhaft führen wird. Auch die Finanzaufsicht Bafin dürfte es nicht gutgeheißen haben, dass die Verantwortung für diese wichtigen, aber unterschiedlichen Themen bei nur einem Vorstand liegt.

Zahlreiche mutmaßliche Rechtsverstöße gelten als größte Altlast, die Cryan von seinen Vorgängern übernommen hat. Insgesamt hat die Bank 7000 Klagen am Hals. Der Großteil der Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten in Höhe von 4,8 Milliarden Euro entfällt jedoch auf eine Handvoll Fälle, die aus dem Investmentbanking kommen. Die Bank musste kürzlich 2,5 Milliarden US-Dollar Strafe wegen der Manipulation von Referenzzinssätzen zahlen.

Zwei Chefhändler entlassen

Noch ist offen, ob Cryan das Rechtsressort dauerhaft übernimmt, was eher ungewöhnlich wäre. Als Kandidatin für den Bereich gilt seit einigen Monaten auch Nadine Faruque, die derzeit bei der Deutschen Bank im erweiterten Vorstand für Compliance zuständig ist, also die Einhaltung der Regeln überwacht.

Heute wurde zudem bekannt, dass die Bank bei zwei Chef-Händlern durchgegriffen hat. Wegen ihres zu laxen Umgangs mit der Beaufsichtigung einer Reihe von Junior-Händlern wurden die beiden Mitarbeiter vor die Tür gesetzt.

Wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Dow Jones sagte, sollen die Junior-Händler, die die beiden Chef-Händler zu beaufsichtigen hatten, in Kundengesprächen über Hypothekenschuldverschreibungen die Corporate-Governance-Richtlinien der Bank verletzt haben. Im Juni hatte die Bank bereits zwei Junior-Händler entlassen, weil diese entgegen den Grundsätzen des Instituts gehandelt haben sollen.

Quelle: n-tv.de, mbo/DJ

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