Wirtschaft
Gepflegt, aber mit Image-Schaden: Gebrauchte Diesel stehen zuletzt länger auf den Höfen der Händler.
Gepflegt, aber mit Image-Schaden: Gebrauchte Diesel stehen zuletzt länger auf den Höfen der Händler.(Foto: imago/Schöning)
Donnerstag, 03. August 2017

Fahrverbot, Update, Umtausch ...: Das müssen Dieselbesitzer jetzt wissen

Die Halter von 15 Millionen Diesel-Pkw in Deutschland sind verunsichert. Drohen Fahrverbote? Oder gar die Stilllegung des Autos? n-tv.de beantwortet alle wichtigen Fragen und erklärt, wie sich ein neuer Diesel jetzt trotz allem lohnen kann.

Muss ich mit Fahrverboten für mein Dieselfahrzeug rechnen?

Fahrverbote sind nach den Beschlüssen des Dieselgipfels keineswegs vom Tisch. Den bisherigen Gerichtsentscheidungen nach zu urteilen, ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass einige Städte im kommenden Winter Fahrverbote erlassen werden, wenn die Grenzwerte für Stickoxide überschritten werden. Solche Verbote könnten speziell für alle Dieselfahrzeuge verhängt werden, die nicht die Euro-6-Norm erfüllen. Damit könnten dann auch Halter von Fahrzeugen betroffen sein, deren Umrüstung die Autohersteller nun versprochen haben. Denn die gesamte Rückrufaktion von insgesamt 5,3 Millionen Fahrzeugen wird wohl frühestens Ende 2018 abgeschlossen sein.

Muss ich meinen Euro-5- oder Euro-6-Diesel umrüsten lassen?

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Nur die vom Abgasskandal betroffenen Fahrzeuge mit illegalen Abschalteinrichtungen müssen laut Kraftfahrtbundesamt umgerüstet werden. Gerichte prüfen derzeit, ob die Behörden sie zwangsweise stilllegen können, wenn die Halter die Nachrüstung verweigern. Für alle anderen Fahrzeuge, deren Hersteller nun ein Software-Update anbieten, ist der Werkstattbesuch freiwillig.

Ich habe mein Auto gebraucht von einem Privatbesitzer gekauft, wie kommt der Hersteller überhaupt an meine Adresse?

Der Rückruf soll mit dem Kraftfahrtbundesamt abgestimmt werden. Bei den manipulierten VWs lief das beispielsweise so: Nachdem die Behörde das Software-Update für ein bestimmtes Modell geprüft und genehmigt hatte, gab sie die Daten der entsprechenden Halter zur Abwicklung des Rückrufs an den Hersteller weiter. Die Besitzer bekamen dann Post mit allen Informationen zu den durchführenden Werkstätten und dem Zeitraum, in dem die Nachrüstung stattfinden sollte.

Könnte das Software-Update negative Auswirkungen auf mein Auto haben?

Die Autobauer versprechen hoch und heilig, "dass durch die Nachrüstung keine Kosten für die Halter entstehen und darüber hinaus die Nachrüstung keinen Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer haben wird." Das erstaunt Experten. Denn die sogenannten Thermofenster - Temperaturbereiche innerhalb derer die Abgasreinigung heruntergefahren wird - dienen ausdrücklich dem Zweck, Schäden am Motor abzuwenden. Durch die Updates soll nun diese Abgasreinigung deutlich häufiger im Einsatz sein - angeblich ohne Nachteile für den Motor. Beim Verband der Automobilindustrie heißt es: "Möglich wird diese Maßnahme durch die technischen Fortschritte bei Abgasnachbehandlung und Motorsteuerung, die erst in den letzten Jahren erarbeitet wurden."

Zumindest der Verbrauch des Harnstoffzusatzes "AdBlue", der für die Reduzierung der Stickoxide eingesetzt wird, dürfte sich erhöhen, wenn die Abgasreinigung seltener ausgeschaltet wird.

Im Fall der manipulierten VW-Diesel versuchen skeptische Besitzer, mit Gutachten vor Gericht klären zu lassen, ob ihr Auto durch die Nachrüstung tatsächlich nicht beeinträchtigt wird. Die entsprechenden Prozesse laufen noch.

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Was ist mit älteren Dieselfahrzeugen der Euro-1- bis Euro-4-Generation?

Für ältere Diesel wollen der VW-Konzern mit allen seinen Marken, Daimler, BMW, Opel und Ford "Umsteigerprogramme" auflegen. Sie wollen Besitzern älterer Modelle Prämien von bis zu 2000 Euro für den Kauf eines neuen Euro-6-Diesel, Hybrid- oder Elektrowagens bieten. Wie diese Programme im Einzelnen ausgestaltet werden, und ob wirklich jeder Dieselbesitzer auch mit uralten Fahrzeugen ein Angebot erhält, ist noch nicht klar.

Ich habe einen Diesel von einem ausländischen Hersteller. Was bedeutet das?

An dem von VW angekündigten Rückruf beteiligen sich auch die ausländischen Töchter des Konzern. Für alle anderen ausländischen Autobauer gelten die Vereinbarungen vom Dieselgipfel nicht. Die Politik hat auch keine Möglichkeiten sie zum Mitmachen zu zwingen. Allerdings haben auch Ford und Toyota angekündigt, Besitzern ihrer alten Diesel-Modelle Prämien für den Kauf von umweltfreundlicheren Neuwagen anzubieten

Sind Neuwagen und umgerüstete Fahrzeuge wirklich sauber?

Das ist höchst umstritten. Die Hersteller beteuern, dass die umgerüsteten Fahrzeuge im Durchschnitt etwa 25-30 Prozent weniger Stickoxide ausstoßen werden - im Durchschnitt. Thermofenster gibt es aber weiterhin - bei den umgerüsteten ebenso wie bei Neuwagen der Euro-6-Generation. Tests haben gezeigt, dass beispielsweise ein nachgerüsteter VW-Amarok oder aktuelle Neuwagen wie der Volvo S90 4D oder der Audi A8 L 4,2 TDI im Straßenverkehr die entsprechenden Grenzwerte um mehr als das Zehnfache überschreiten.

Problematisch ist laut der Deutschen Umwelthilfe vor allem, dass die Abgasreinigung vor allem bei Kälte heruntergefahren wird, wenn die Stickoxidbelastung in vielen Städten besonders hoch ist.

Soll ich mir jetzt noch einen Diesel kaufen?

Dieselautos sind finanziell attraktiv. Nicht nur die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen sind gerade günstig. Politik und Hersteller haben sich auf dem Dieselgipfel ausdrücklich zu dieser Antriebstechnologie bekannt. Das heißt, die Steuern dürften auf absehbare Zeit niedrig bleiben. Beim Verbrauch - und damit auch beim CO2-Ausstoß - punkten die Diesel ohnehin. Allerdings: Fahrverbote sind auch für Neuwagen nicht auszuschließen. Darum könnte der Wiederverkaufswert massiv einbrechen.

Besserung ist allerdings in Sicht: Neue Fahrzeuge, die mittels des RDE-Verfahrens (Real Driving Emissions/Emissionen im echten Fahrbetrieb) getestet und zugelassen werden. Ab September ist dieses Verfahren für die Zulassung neuer Automodelle Pflicht. Dabei wird gemessen, wie viel Schadstoffe die Wagen tatsächlich im Straßenverkehr ausstoßen und nicht nur im Labor. Das heißt, die Herstellerangaben zu den Abgasen müssen dann im Großen und Ganzen dem tatsächlichen Ausstoß entsprechen. Zwar sind weiterhin Überschreitungen etwa der Stickoxidgrenzwerte erlaubt, aber in weit geringerem Ausmaß als bisher.

Im Interview mit n-tv bringt Auto-Experte Guido Reinking eine weitere Alternative ins Gespräch: Leasing. Mit einem geleasten Wagen können Fahrer auch derzeit die Kostenvorteile des Diesels nutzen. Das Risiko einer abrupten Wertminderung trägt dagegen das Leasing-Unternehmen.

Quelle: n-tv.de