Wirtschaft

Neues Standbein in Großbritannien Deutsche Post schluckt UK Mail

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Brexit hin oder her: Die Post will ihr Netzwerk in den drei wichtigsten Märkten Europas weiter ausbauen.

(Foto: REUTERS)

Strategische Entscheidung aus Bonn: Die Deutsche Post setzt sich über alle Brexit-Sorgen hinweg und wagt den Sprung auf die Insel. Mit dem Einstieg bei UK Mail will die Post ihre Position in den "drei größten E-Commerce-Märkten Europas" sichern.

Die Deutsche Post baut ihr Geschäft im Ausland aus und setzt dabei in einem bemerkenswerten Schritt ausgerechnet auf Großbritannien. Man habe sich mit UK Mail auf ein Angebot für den britischen Post- und Paketdienstleister geeinigt, teilte die Post mit. Die Rede ist von einer "freundlichen Offerte". Der britische Postdienstleister UK Mail ist ein Privatunternehmen, das im Zuge der Deregulierung im britischen Briefgeschäft als Wettbewerber zum früheren Staatskonzern Royal Mail gegründet wurde.

Der Einstieg bei einem britischen Unternehmen kommt für manche Beobachter überraschend: Nach dem Brexit-Votum des vergangenen Sommers sind die Perspektiven des gemeinsamen Binnenmarktes und die künftigen Rahmenbedingungen für ausländische Unternehmen im britischen Markt noch vollkommen unklar.

Rund 280 Millionen Euro

"Mit diesem Erwerb werden wir unser Netzwerk weiter ausbauen und eine starke Präsenz auf den drei größten E-Commerce-Märkten Europas - Großbritannien, Deutschland und Frankreich - haben", erläuterte Post-Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes die Ziele des Zukaufs.

Insgesamt bewerte die Offerte von 440 Pence je Aktie inklusive Zwischendividende UK Mail mit 242,7 Millionen Pfund, erklärte die Deutsche Post. Umgerechnet entspricht das einer Investition in Höhe von 280 Millionen Euro. Das Management des britischen Konzerns wolle den Aktionären die Annahme des Angebotes empfehlen, heißt es.

Lob aus dem Aktienhandel

Die Reaktionen an der Börse fallen freundlich aus. Die Aktie der Deutschen Post verteuerte sich in einem allgemein recht starken Gesamtmarkt um 0,9 Prozent. "Strategisch ist das interessant", kommentierte ein Händler die Übernahmepläne.

Der frühere deutsche Staatskonzern bietet für UK Mail eine Prämie von gut 43 Prozent.  Mit gut 240 Millionen Pfund sei die Übernahme zwar relativ klein und werde den Kurs der Deutschen Post mittelfristig kaum beeinflussen. "Interessant ist aber, dass die Post gerade jetzt im Brexit-Umfeld in Großbritannien Chancen sieht", meinte er. Die Übernahmeprämie relativiere sich allerdings wegen des Pfund-Rückgangs.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/rts