Wirtschaft

"Dann lasse ich es heute krachen" Deutsche wollen shoppen statt sparen

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Für viele Deutsche macht es derzeit mehr Sinn, das Geld auszugeben, als zu sparen.

(Foto: imago/Michael Schick)

Angesichts niedriger Zinsen bringt derzeit kaum jemand große Geldmengen zur Bank. Im Gegenteil: Die meisten Deutschen geben so viel Geld für Konsum aus wie seit Jahren nicht.

Wegen der niedrigeren Preise für Benzin und Heizöl werden die Deutschen nach Ansicht der GfK-Marktforscher 2015 für andere Dinge spürbar mehr Geld ausgeben. Der private Konsum werde insgesamt real um 1,5 Prozent wachsen, prognostizieren die Nürnberger. "Die Verbraucher sind in Kauflaune und werden es vermutlich auch in den kommenden Monaten bleiben", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Die Sparneigung sei dagegen angesichts von Mini-Zinsen auf einem historischen Tiefstand. "Wer nach den täglich notwendigen Ausgaben noch Geld zur Verfügung hat, wird dies weiterhin nicht auf die Bank bringen, sondern ausgeben", ergänzte GfK-Vorstandschef Matthias Hartmann. Der private Konsum werde in Deutschland wie in ganz Europa die Konjunktur deutlich stützen.

Konsumklimaindex (GfK)

Monatlich veröffentlicht das Nürnberger Marktforschungsinstitut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) den Index, der widerspiegeln soll, wie konsumwillig die Deutschen sind. Dazu befragt die GfK 2000 repräsentativ ausgewählte Personen ab 14 Jahren nach ihren Einkommens- und Konsumerwartungen. Die Antworten umfassen die Erwartung der Befragten an die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, an ihr Einkommen und danach, ob sie glauben, es wäre gerade eine gute Zeit für größere Anschaffungen.

Für die gesamte Europäische Union rechnet die GfK mit einem Anstieg der privaten Ausgaben zwischen 1,0 und 1,5 Prozent in diesem Jahr. Mit dem erwarteten Plus von 1,5 Prozent dürften die Ausgaben der Haushalte in Deutschland genauso stark steigen wie das Bruttoinlandsprodukt.

Nach einem guten Auftakt 2014 habe ab Sommer die Verunsicherung der Verbraucher wieder stark zugenommen, weil Krisen und Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten Sorgen bereiteten. Hartmann erläuterte, inzwischen habe sich die Wirtschaft in der EU aber erholt, und in vielen Ländern habe die Trendwende am Arbeitsmarkt eingesetzt. Damit steige die Chance auf höhere Einkommen.

Bürkl erläuterte, in Deutschland werde der Mindestlohn "zumindest kurzfristig" die Kauflaune positiv beeinflussen. Derzeit sind die Verbraucher in so guter Shopping-Stimmung wie seit mehr als 13 Jahren nicht mehr. Der GfK-Index für das Konsumklima im Februar stieg zuletzt auf 9,3 Punkte.

Verbraucher "bauen ihre Festung"

Ihr Geld geben die Deutschen laut GfK am liebsten für Häuser und Eigentumswohnungen aus. Die Verbraucher bauten "ihre Festung, ihre Burg" weiter aus, sagte GfK-Experte Wolfgang Adlwarth. Dabei handele es sich nicht um kleine Vorhaben wie Streichen oder Tapezieren, sondern um aufwendige Aktionen wie die Renovierung oder Erneuerung von Heizung, Bad, Dach oder Fassade.

Auch für Reisen werde mehr ausgegeben. Viele Verbraucher handelten nach dem Motto: "Dann lasse ich es heute krachen, wenn ich sowieso nichts für das Geld auf der Bank bekomme."

Der Einzelhandel, bei dem ein knappes Drittel der privaten Ausgaben hängenbleibt, dürfte nach Ansicht der GfK von dem erwarteten Plus 2015 nur wenig profitieren. Während das Geschäft mit elektrischen Geräten aller Art zuletzt zulegte, schrumpfte der Absatz von Textilien wegen des Wetters. Für dieses Jahr wird im sogenannten Nonfood-Einzelhandel ein Zuwachs von 1,3 Prozent erwartet.

Im Geschäft mit Lebensmitteln und Drogerieartikeln rechnen die Marktforscher hingegen nur mit einem Plus von 0,5 Prozent. Hier schlage sich nieder, dass die Verbraucher im Schnitt immer älter werden, weniger und gezielter einkaufen. Zudem essen die Deutschen immer mehr außer Haus. Die Einzelhändler in der Euro-Zone konnten derweil im Dezember von der Kauflaune der Konsumenten profitieren. Sie fuhren mit 2,8 Prozent zum Vorjahresmonat das größte Umsatzplus seit fast acht Jahren ein.

GfK-Experte Adlwarth führte aus, die Konsumenten in Deutschland achteten zunehmend auf Qualität. Die 2009 gestartete "Renaissance des Supermarktes" gehe weiter. Die Discounter verbuchten demnach 2014 "zum ersten Mal seit vielen Jahren" ein Umsatzminus. Trotz eines Rückgangs um 1,3 Prozent kamen sie aber noch immer auf einen Anteil von 43 Prozent, während auf die als Vollsortimenter bezeichneten klassischen Supermärkte 26,6 Prozent aller Ausgaben im Lebensmitteleinzelhandel entfielen.

Quelle: ntv.de, bdk/rts

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