Wirtschaft

Der "Schwarze Montag" von 1987 Die Mutter aller Börsencrashs wird 30

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Am "Schwarzen Montag" war an gesittetes Verhalten in New York nicht zu denken.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Glückwünsche gibt's dafür nicht. Am "Schwarzen Montag" vor 30 Jahren verbrannte die Wall Street so viel Geld wie nie. Viel gelernt haben die Börsianer daraus nicht.

Die Stunden zwischen "Opening Bell" und Börsenschluss am 19. Oktober 1987 waren die schwärzesten, die die Wall Street je gesehen hat. 500 Milliarden Dollar waren binnen eines Tages futsch. Der Dow Jones brach um knapp ein Viertel ein. Das wäre ungefähr so, wie wenn der Dax heute innerhalb eines Tages 3250 Punkte verlieren würde.

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An der Börse Frankfurt herrschte einen Tag nach dem "Schwarzen Montag" hektisches Treiben auf dem Parkett.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Wir hatten einfach nur Angst", erinnert sich Fidel Helmer im Gespräch mit n-tv.de. Er erlebte als Händler bei der Privatbank Hauck und Aufhäuser den Crash Ende der 80er an der Frankfurter Börse mit. Das Parkett in der Mainmetropole war schon damals eng mit der Wall Street verbunden. Mit Kursverlusten hatten die Börsianer folglich gerechnet, doch es wusste eben niemand wie stark diese ausfallen würden.

"Die Verkaufsaufträge kamen Wäschekorbweise und sie mussten schnell ausgeführt werden", berichtet Helmer weiter. "Fünf Minuten konnten Unmengen an Geld ausmachen. Die Händler schrien durch den Saal - wir durften keine Megaphone benutzen. Wer nicht schrie, hatte schon verloren."

Crashgrund bis heute umstritten

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Die Fassungslosigkeit steht diesem Börsianer in New York ins Gesicht geschrieben.

(Foto: AP)

Wie viel Geld weltweit durch den Kursrutsch in New York vernichtet wurde, ist bis heute unklar. Die Börse in Tokio gab rund 15 Prozent nach, in Sydney fielen die Kurse binnen 45 Minuten um 20 Prozent und das Parkett in Hongkong wurde nach einem ersten Abrutschen um 300 Punkte für den Rest Woche geschlossen. Über die genaue Crash-Ursache rätseln Experten bis heute. Die US-Notenbank FED sprach nach dem Beben von einer "gewaltigen systemischen Krise" und ernsthaften Störung des Marktes". Höchstwahrscheinlich haben mehrere Faktoren zusammengewirkt.

Von Januar 1982 bis Anfang Oktober 1987 stiegen die Kurse um insgesamt rund 150 Prozent. Die Kurssprünge dieser Jahre waren teilweise deutlich über dem Niveau der tatsächlichen Unternehmensgewinne. David S. Ruder, der damalige Chef der New Yorker Börsenaufsicht SEC, führte später auch steigende Zinsen und ein hohes Handelsdefizit der Regierung Reagan als Gründe für die Massenverkäufe an.

Unter Verdacht geriet auch die neu eingeführte Computertechnik an der Wall Street. Sie könnte aber höchstens den Crash beschleunigt, nicht aber verursacht haben, so Experten. Florian Hellmeyer, Chefvolkswirt bei der Bremer Landesbank, fasste die Ereignisse vor fünf Jahren wie folgt zusammen: "Der Crash war vollkommen übertrieben. Was da abgegangen war, hatte mit der Wirtschaftslage nichts zu tun. Sachlich war das einfach nicht gerechtfertigt. Es handelte sich nur um eine Überhitzung."

Konsequenzen und Erholung

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"Nach 14 Tagen war alles wieder vergessen", erinnert sich Fidel Helmer. Der Markt kam schnell wieder in ruhigere Fahrwasser und die Kurse erholten sich relativ schnell. Insgesamt schloss der Dow Jones das Jahr 1987 sogar mit einem Plus von 2,26 Prozent ab. Dennoch zogen viele Länder und Börsen Konsequenzen aus dem "Schwarzen Montag".

Der Crash war die Geburtsstunde der automatischen Handelsunterbrechungen. Sie sollten künftig, bei einem Kursverlust von über zehn Prozent, den Handel aussetzen, um Ursachenforschung betreiben zu können. In Frankfurt hielt wegen des Bebens die elektronische Datenverarbeitung Einzug. Händler und Börse haben erkannt, dass Auftragsfluten wie die des 19. Oktober 1987 nicht mehr von Menschenhand allein zu bewältigen sind. Außerdem wurde eine staatliche Börsenaufsicht eingerichtet, aus der letztendlich die Bafin entstand.

Trotz aller Vorkehrungen sind Crashs an der Börse jedoch auch heute nicht vermeidbar. In Frankfurt bewegen, ohne menschliches Zutun, Computer rund die Hälfte des gesamten Handelsvolumens - in den USA sogar fast dreiviertel. Im Falle eines Absturzes sind die Konsequenzen enorm. Ein Computerabsturz birgt hohe Risiken.

Börsenexperte Helmer sieht die Hauptgefahr heutiger Crashs aber eher in der Vielfalt der Möglichkeiten. "Banker sind sehr einfallsreich. Mittlerweile gibt es so viele verschiedene strukturierte Produkte im Aktienhandel, bei denen weder die Bank noch der Kunde wirklich weiß wie hoch das Risiko ist. Da sehe ich das größere Problem. Diese riesige Palette an strukturierten Produkten macht mir Angst."

Quelle: n-tv.de

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