Wirtschaft

Ökonom fordert Hanf-Freigabe "Die Prohibition ist fehlgeschlagen"

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(Foto: imago/blickwinkel)

Soll Cannabis legalisiert werden? "Ja", sagt der Wirtschaftwissenschaftler Justus Haucap im Interview mit n-tv.de. Die gegenwärtige Politik sei komplett unökonomisch.

n-tv.de: Sie regen an, Cannabis-Konsum in Deutschland zu legalisieren. Warum?

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Prof. Justus Haucap ist Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE).

(Foto: DICE)

Justus Haucap: Es gibt viele Gründe, die für die Legalisierung sprechen und wenig Gründe, die für die Prohibition sprechen. Zunächst: Wer Cannabis konsumiert, schadet sich selbst und keinem anderen. Zudem ist die bisherige Politik gescheitert. Der Konsum ist nicht eingedämmt worden. Es ist völlig unkompliziert, sich Cannabis zu kaufen. Polizei und Staatsanwaltschaft müssen viel Zeit für sinnlose Verfahren aufwenden, die in der Regel routinemäßig eingestellt werden. An vielen Geschäften, die heute mit Cannabis auf dem Schwarzmarkt gemacht werden, verdient die organisierte Kriminalität – gerade weil sie illegal sind. Diese Geldquelle könnte man austrocknen. Außerdem lässt sich auf einem legalen Markt viel besser verhindern, dass verunreinigte Produkte verkauft werden.

Sie sind Ökonom. Ist die gegenwärtige Cannabis-Politik unökonomisch?

Sie ist komplett unökonomisch. Wenn man unter Ökonomie versteht, ein Ziel bestmöglich zu erreichen, dann ist die Prohibition fehlgeschlagen. In dem Kampf gegen Cannabis-Konsum werden viele Ressourcen eingesetzt, aber die gewünschten Ergebnisse werden nicht erreicht. Weder der Handel noch der Konsum werden eingeschränkt.

Würde eine Freigabe auch zu nennenswerten Steuereinnahmen führen?

Natürlich, das kommt noch hinzu. Schwarzhandel ist nicht mehrwertsteuerpflichtig. Der Staat könnte Cannabis-Produkte beispielsweise im Prinzip wie Tabak besteuern – und damit eine Milliardensumme einnehmen.

Und dem illegalen Handel die Geschäftsgrundlage entziehen…

Genau. Der Staat könnte mit den Einnahmen Aufklärungskampagnen finanzieren, auf den Verpackungen gezielt auf die Gefahren hinweisen lassen. Am besten lässt sich ein Markt kontrollieren, wenn er legal ist. Illegale Märkte sind nur schwer zu regeln.

Cannabis ist eine Droge. Ist es deshalb nicht besser, durch ein Verbot Menschen vom Konsum fernzuhalten?

Durch ein Verbot verschwindet Cannabis nicht. Wie wirkungslos das ist, hat man schon bei der Alkohol-Prohibition in den Vereinigten Staaten gesehen. Dazu kommt: Viele Jugendliche rauchen Cannabis-Produkte, weil das als cool gilt, und gerade weil es verboten ist. Mit einer Legalisierung würde der Reiz des Verbotenen verschwinden. Außerdem hält man durch einen legalen, staatlich kontrollierten Handel die Konsumenten von Leuten fern, die auch harte Drogen wie Heroin oder Kokain verkaufen. Der Staat hat im Gegensatz zu diesen Menschen kein Interesse daran, aus Gründen der Profitmaximierung jemanden zum Konsum harter Drogen zu verführen.

Mit Justus Haucap sprach Jan Gänger

Quelle: n-tv.de

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