Wirtschaft

Kampf ums Schlecker-Vakuum Discounter knabbert an Rossmann-Margen

3hqi3007.jpg3345632233551233330.jpg

Roßmann klagt auf hohem Niveau:16 Jahre in Folge wuchs sein Imperium zweistellig.

(Foto: dpa)

Die früheren Schlecker-Konkurrenten Rossmann, dm und Müller sind die größten Profiteure der Pleite der Drogeriekette. Aber auch die Discounter wittern eine Chance und stoßen ins Drogerie-Geschäft vor - und schaffen eine ungewohnte Wettbewerbssituation.

Dirk Roßmann ist ein Mann mit klaren Worten: "Es war für die Drogeriemarktunternehmen in Deutschland natürlich nicht so günstig, dass plötzlich auch die Nivea-Creme bei Aldi zu finden ist". Roßmann steht mit seiner Drogerie-Kette hinter dm und vor Müller als Nummer zwei in einer Branche, die hierzulande rund 23 Milliarden Euro Jahresumsatz macht. Lange flutschte es nur so. 42 Jahre nach dem Start zählt allein Rossmann gut 3000 Filialen. Doch dann verpasste Marktführer Schlecker den Anschluss, ging pleite - und nun ist der Trubel groß.

Die großen Discounter wollen ihren Teil vom Kuchen und stoßen in das Schlecker-Vakuum. Roßmann rechnet mit einem härteren Preiskampf. "Es wurde ungefähr Mitte letzten Jahres erheblich schwerer für uns, weil vor allen Dingen die Lebensmittler wie Netto und Aldi verstärkt Drogeriewaren angeboten haben", sagte der Unternehmensgründer und -chef während der Bilanzvorlage in der Zentrale in Burgwedel bei Hannover. Roßmann stellte in Aussicht, dass die wachsende Discounter-Konkurrenz seine Branche nach dem Schub der Schlecker-Pleite nachhaltig herausfordere und an den Margen nage.

"Nur" acht Prozent Steigerung

Aus Sicht der Rossmann-Manager dürfte Aldi schon bald auch im Segment der Drogerieartikel und Kosmetik die Preisschraube anziehen - so, wie es die Kette bei Lebensmitteln bereits vor kurzem tat. "Wir erwarten das bei Aldi eigentlich immer auf das gesamte Sortiment", sagte Roßmann. Im Lebensmittelhandel gibt es bereits erste Stimmen, die den von Aldi befeuerten Preiskampf als sehr bedrohlich kritisieren.

3hr10932.jpg1982845536832327095.jpg

Die Geschäftsführer Frobel (links) und Praus (rechts) ziehen sich aus dem Tagesgeschäft zurück.

(Foto: dpa)

Die Erwartungen spiegeln sich bereits in den Rossmann- Prognosen: Nach 16 Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten sieht die Kette ihre Beschleunigung dieses Jahr an eine Grenze stoßen. "Irgendwann geht jede Serie einmal zu Ende", sagte Roßmann. Mit einem Ausblick von "gut acht Prozent" ist das erwartete Umsatzplus diesmal nur einstellig.

In den ersten zwei Monaten 2014 bestätigte sich diese Vorhersage: Die Rossmann-Gruppe setzte 1,06 Milliarden Euro um und verbuchte so gut acht Prozent Zuwachs. Davon kamen 808 Millionen Euro aus Deutschland, was einer Steigerung von 8,7 Prozent entspreche. Ende des Jahres will die Gruppe insgesamt mehr als sieben Milliarden Euro umsetzen. 2013 waren 6,64 Milliarden Euro zusammengekommen - und damit 11,6 Prozent Steigerung.

Umbau in der Führungsetage

Zum Ertrag machte die als GmbH firmierende Gruppe nur vage Angaben. Der Rekordgewinn von 221 Millionen Euro vor Steuern aus dem Vorjahr 2012 sei vergangenes Jahr aber auf jeden Fall gestiegen. Roßmann betonte: "Wir sind Europas gewinnstärkstes Drogerieunternehmen." Rossmann ist laut eigenen Angaben in Deutschland die filialstärkste Drogeriemarktkette, der Konkurrent dm setzt bisher aber noch mehr um. Wie die Karlsruher sagten, stieg der dm-Umsatz im Kalenderjahr 2013 um 12,5 Prozent auf 7,85 Milliarden Euro. Davon entfielen 6,0 Milliarden Euro auf Deutschland. Auch dm erhöhe die Schlagzahl, berichtete der 67-jährige Roßmann.

An der Viererspitze seines 1972 gegründeten Unternehmens bahnt sich der erste große Wechsel seit gut 20 Jahren an. Während Roßmann und seine Ehefrau Alice Schardt-Roßmann an Bord bleiben, verlassen die übrigen zwei Geschäftsführer Roland Frobel (Finanzen) und Klaus Praus (Einkauf) zum Jahresende das Tagesgeschäft und beraten nur noch.

Bereits eng eingebunden im Management sind Roßmanns Söhne Daniel und Raoul. Letzterer werde die Aufgabe des Einkaufschefs übernehmen. Ob er aber auch in Personalunion die Position eines der vier Geschäftsführer einnehme, ließ Roßmann offen. Der neue Finanzchef stehe intern fest, solle aber erst zum Jahresende bekanntwerden. Daniel kümmerte sich zuletzt um Expansionsstrategien - ein Bereich, in den auch sein Vater stark eingebunden ist.

Quelle: ntv.de, ave/dpa