Wirtschaft

"Finanzielle Zerstörung" Drei US-Senatoren drohen dem Hafen Mukran

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Das russische Verlegeschiff "Akademik Tscherski" im Hafen Mukran bei Sassnitz.

(Foto: imago images/Jens Koehler)

Im Hafen Mukran bei Sassnitz auf der Insel Rügen lagern die Bauteile für die Erdgas-Pipeline Nordstream. In ihrem Kampf gegen das Projekt drohen nun drei republikanische Senatoren dem Hafen-Management mit vernichtenden Sanktionen. Der Konflikt erreicht den Wahlkreis von Kanzlerin Merkel.

Drei US-Kongressmitglieder haben dem Management der Fährhafen Sassnitz GmbH auf Rügen angeblich mit der wirtschaftlichen Vernichtung gedroht, sollte die Firma den Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 weiter unterstützen. "Wenn Sie weiterhin Waren, Dienstleistungen und Unterstützung für das Nord-Stream-2-Projekt bereitstellen, würden Sie das zukünftige finanzielle Überleben Ihres Unternehmens zerstören", heiße es in dem Schreiben, berichtet das "Handelsblatt".

Der Hafen Mukran bei Sassnitz im Bundestagswahlkreis von Kanzlerin Angela Merkel dient als Röhren-Lagerstätte für die noch zu bauende Pipeline-Strecke von 160 Kilometern. Zudem haben dort zwei russische Verlegeschiffe festgemacht. Deren Versorgung "wird definitiv in dem Moment sanktionsfähig, wenn eines der beiden Schiffe ein Rohr für den Bau der Nord-Stream-2-Pipeline ins Wasser taucht", schrieben die drei Senatoren.

"Die Sanktionen sind obligatorisch und es gibt keinen Ermessensspielraum bei ihrer Verhängung", zitierte die "Welt" aus dem dreiseitigen Schreiben der US-Senatoren Ted Cruz, Tom Cotton und Ron Johnson. Die angedrohten Sanktionen seien weitreichend. "Den Vorstandsmitgliedern, Geschäftsführern und Aktionären der Fährhafen Sassnitz GmbH wird die Einreise in die Vereinigten Staaten untersagt, und jegliches Eigentum oder Anteile an Eigentum, das sich in unserem Zuständigkeitsbereich befindet, wird eingefroren", heiße es weiter.

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In Mukran lagern Hunderte Pipeline-Elemente.

(Foto: imago images/Jens Koehler)

US-Außenminister Mike Pompeo hatte Mitte Juli verkündet, die umstrittene Ostsee-Pipeline, die Gas von Russland nach Deutschland transportieren soll, falle fortan unter ein Gesetz, das Strafmaßnahmen unter anderem gegen Unternehmen ermöglicht, die Geschäfte mit Russland oder Staaten wie dem Iran und Nordkorea machen. Die Bundesregierung erklärte daraufhin, sie lehne extraterritoriale Sanktionen ab, da diese "völkerrechtswidrig" seien.

Nord Stream 2 soll Gas von Russland nach Deutschland transportieren und ist besonders auch in Osteuropa umstritten. Befürchtet wird vor allem eine Schwächung alternativer Pipelines und traditioneller Transitländer, etwa der Ukraine. Auch den USA ist das Projekt ein Dorn im Auge. Die US-Regierung argumentiert, Europa begebe sich in eine Energie-Abhängigkeit von Russland.

Der Hafen Mukran wurde in den 80er Jahren gebaut. Von 1986 bis 1989 exisitierte von dort eine regelmäßige Fährverbindung nach Kleipeda in die damalige Sowjetunion. Neben Gütern wurden vorn dort auch massiv Mensch und Material der Roten Armee verschifft. Nach der Wende bgeannen von Mukran noch weitere Fährverbindungen. In den vergangenen Jahren wurden die Anlagen massiv ausgebaut, weil neben dem Bau von Nordstream von dort aus auch etliche Offshore-Anlagen errichtet wurden.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP