Wirtschaft

Neuinvestitionen kaum denkbar Einbruch des Türkei-Handels erwartet

Nach den deutlichen Worten Richtung Ankara rechnet die deutsche Wirtschaft mit einem Einbruch der Türkei-Geschäfte. Den Schaden allerdings hat wohl allein das Schwellenland. Für Deutschland spielt der Handel nur eine untergeordnete Rolle.

Einbrechende Exporte, ausbleibende Investitionen: Die deutsche Wirtschaft sieht wegen der politischen Eskalation schwarz für die geschäftlichen Beziehungen zur Türkei. "Wir müssen mit deutlichen Einbrüchen bei den Exporten rechnen, wenn die im Raume stehenden Maßnahmen umgesetzt werden", sagte ein Sprecher des Außenhandelsverbandes BGA. Außenminister Sigmar Gabriel hatte zuvor gesagt, er sehe nicht mehr, wie Unternehmensinvestitionen in der Türkei garantiert werden könnten. Die Exportbürgschaften müssten überprüft werden.

"In einem solchen Umfeld ist an Neuinvestitionen deutscher Unternehmen in der Türkei kaum zu denken", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Volker Treier. Von Januar bis Mai brachen die deutschen Exporte in das Land am Bosporus gegen den Trend um 9,5 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro ein, obwohl die deutschen Ausfuhren weltweit um mehr als sieben Prozent zunahmen. Andersherum lieferte die Türkei Waren und Dienstleistungen für 15,5 Milliarden Euro in die Bundesrepublik.

Außenhandel kommt nicht ins Wanken

"Jedoch kommt der deutsche Außenhandel auch nicht ins Wanken, wenn der Handel mit der Türkei wegfällt", betonte der BGA-Sprecher. So macht das Türkei-Geschäft aktuell nur 1,6 Prozent der deutschen Exporte aus. "Aufgrund der jüngsten Zuspitzung der politischen Spannungen ist sogar mit einem Handelsrückgang von mehr als zehn Prozent zu rechnen", erklärte DIHK-Experte Treier. Das Schwellenland schneide sich damit ins eigene Fleisch. "Modernisierung und Entwicklung des Landes dürften jetzt wohl sehr schwierig werden", sagte er.

Die Zahl der Investitionsprojekte deutscher Unternehmen sank bereits 2016 nach Angaben der Beratungsfirma EY von 31 auf 26. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries sprach von einem Tiefpunkt in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Wenn unbescholtene Unternehmen plötzlich auf schwarzen Listen auftauchten und als Terror-Unterstützer gebrandmarkt würden, mache dies Geschäfte im Land äußerst schwierig, sagte die SPD-Politikerin. Man werde daher jetzt mit den europäischen Partnern über Wirtschaftshilfen für die Türkei sowie die Weiterentwicklung der Zollunion beraten.

In der Türkei sind laut DIHK 6800 deutsche Unternehmen aktiv, darunter Großkonzerne wie Daimler, MAN und Bosch. Das Land war in der Vergangenheit ein beliebtes Reiseland für deutsche Urlauber. Vergangenes Jahr waren es wegen der Terroranschläge und dem autoritären Kurs der Regierung aber mit rund vier Millionen ein Drittel weniger Touristen als 2015. Das Auswärtige Amt rät ab sofort allen Deutschen bei Besuchen in dem Land, wachsam und vorsichtig zu sein.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ/rts

Mehr zum Thema