Wirtschaft

"Ich renne um mein Leben" Facebook-Abzocker meldet sich

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(Foto: REUTERS)

Paul Ceglia verklagt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und fordert die Hälfte aller Firmenanteile. Im Prozess wird er als Betrüger überführt, doch ihm gelingt die Flucht. Jetzt meldet er sich aus seinem Versteck und sagt, sein Leben sei in Gefahr.

Paul Ceglia ist seit mehr als einem Jahr auf der Flucht, nachdem sein Versuch scheiterte, sich Firmenanteile an Facebook zu erschleichen. Jetzt meldet er sich bei der Nachrichtenagentur Bloomberg per E-Mail und schreibt: "Ich renne um mein Leben." Er verstecke sich, so Ceglia, weil ihn jemand tot sehen wolle. Der 43-Jährige könne niemandem trauen, nicht einmal der Regierung. Deshalb habe er, in MacGyver-Manier, seine Sachen zusammengepackt und sei abgehauen. Selbst als gesuchter Betrüger sieht Ceglia sich immer noch eher als eine Mischung aus Geheimagent und Abenteurer, wie Held Angus MacGyver in der gleichnamigen US-Kultserie.

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Anfang 2015, zwei Monate vor dem Beginn seines Gerichtsprozesses, schneidet Ceglia seine Fußfessel durch und flieht mit seiner Frau und den beiden Kindern. Ihm hätte eine Gefängnisstrafe von rund 40 Jahren gedroht. Mittlerweile halte er sich nicht mehr in den USA auf, "um auf Nummer sicher zu gehen", so Ceglia weiter. Doch selbst auf der Flucht versuchte Ceglia die Verhandlungen neu aufrollen und Zuckerberg wieder anklagen zu lassen. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt.

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In seinem Holzpelletgeschäft hatte Ceglia bereits Probleme wegen Kundenbetrugs.

(Foto: REUTERS)

Wenn man die bizarre Geschichte um Paul Ceglia verstehen will, muss man einige Jahre zurück schauen. Um die Entstehungszeit des sozialen Netzwerks Facebook ranken sich schon seit jeher Legenden. Und viele wollen ein Stück abhaben vom Kuchen – so auch der frühere Holzpellet-Händler Ceglia. Er hatte 2003 einmal mit Mark Zuckerberg zusammengearbeitet. Als er Jahre später den Vertrag mit dem späteren Facebook-Gründer wiederfindet, wittert er das Geschäft seines Lebens und reicht 2010 Klage gegen den Chef des Internetriesen ein.

Zuckerberg hatte das soziale Netzwerk 2004 als Student in Harvard gegründet und daraus ein viele Milliarden schweres Netzwerk gemacht. Ceglia behauptete, einen Vertrag mit Zuckerberg aus den Gründungsjahren zu haben, aus dem hervorgehen soll, dass die beiden Männer bereits im Jahr 2003 gemeinsam einen Online-Dienst mit dem Namen thefacebook.com oder "Face Book" geplant hatten. Zuckerberg habe Ceglia jedoch ausgebootet und Facebook allein auf die Beine gestellt. Allerdings gebe der Vertrag ihm das Anrecht auf die Hälfte an dem geplanten Online-Netzwerk. Ceglia untermauert seine Version der Geschichte zusätzlich mit mehreren E-Mails. Zudem will er rund tausend Dollar in Zuckerbergs Projekt "Face Book" investiert haben.

Die Anwälte Zuckerbergs argumentierten hingegen, dass der Vertrag nichts mit dem sozialen Netzwerk zu tun habe. Ceglia habe Zuckerberg damals lediglich als Programmierer für seine geplante Firma "StreetFax" engagiert, für die er eine Online-Datenbank einrichten sollte.

Ceglia gelingt die Flucht

Während des Zivilprozesses kam dann der Verdacht auf, dass Ceglia Dokumente und E-Mails gefälscht hat, um seine angeblichen Ansprüche geltend zu machen. Die Facebook-Anwälte legten umfangreiche Beweise vor, die Ceglia als Betrüger überführen sollten. So engagierte die Online-Plattform einen Experten, der erklärte, dass die Tinte von der angeblichen Unterschrift Zuckerbergs auf dem von Ceglia vorgelegten Vertrag höchstens zwei Jahre alt sein könne. Zudem soll der 43-Jährige die Uhr seines Computers zurückgesetzt haben, um E-Mails aus den Jahren 2003 und 2004 fälschen zu können. Dabei habe er aber den Übergang zu Sommer- und Winterzeit vergessen. Außerdem habe Ceglia einen verfrühten Glückwunsch an Zuckerberg zum Start von Facebook fingiert. Er habe eine Mail auf den Vormittag des 4. Februar 2004 datiert, Facebook sei aber erst nachmittags online gegangen.

Die Klage wurden abgewiesen. 2012 erhob die New Yorker Staatsanwaltschaft Anklage gegen Ceglia wegen Betrugsverdacht. Die Ermittler warfen ihm vor, den Facebook-Vertrag mit Zuckerberg sowie E-Mails gefälscht und Beweismaterial vernichtet zu haben. Bis zu seinem Prozess 2015 konnte sich Ceglia mit elektronischer Fußfessel frei bewegen. Er floh er kurz vor dem Verhandlungsbeginn. Seine Begründung: Die Richter würden mit Facebook zusammen und er habe keine Chance auf einen fairen Prozess.

Quelle: n-tv.de, ksc

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