Wirtschaft

Brauer fürchten Flaschen-Engpass Gas-Krise droht Bierproduktion einzuschränken

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Bei Veltins im Sauerland werden Vorkehrungen getroffen, um auch im Krisenmodus brauen zu können.

(Foto: picture alliance/dpa)

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Nach langer Corona-Flaute ist die Bierstimmung in Deutschland wieder hoch. Trotzdem schauen die Brauereien besorgt in die Zukunft. Denn vieles im Produktionsprozess ist abhängig vom Gas. Im Ernstfall können nicht mehr alle Biersorten produziert werden, warnt die Branche.

Angesichts einer drohenden Gasknappheit in Deutschland fürchten auch Brauereien eine Einschränkung ihrer Produktion. Die Lieferanten produzierten quasi alle auf Grundlage von Gas, sagte Georg Schneider, Chef der bayerischen Privatbrauerei Schneider Weisse und Präsident des Bayerischen Brauerbunds, dem "Spiegel". Die Papieretiketten seien viel teurer geworden, genauso die Kronkorken.

Beim Malz, das getrocknetes Weizen oder Gerste ist, kämen zwei Faktoren zusammen: die hohen Getreidepreise und die Energiekosten. "Das größte Problem sehe ich bei den Flaschen", sagte Schneider weiter. Die Glashütten würden mit Gas betrieben. "Ein Ausfall würde die Anlagen zerstören, und ich bezweifle, dass sie hierzulande wiederaufgebaut würden." Schneider sagte dem "Spiegel", "wenn es hart auf hart kommt, könnten wir nicht mehr alle Biersorten produzieren und müssten uns wohl auch auf regionale Kunden oder den Großhandel konzentrieren".

Seine Brauerei selbst sei in der Produktion nicht auf Gas angewiesen. "Wir erzeugen unsere Energie seit 15 Jahren hauptsächlich mit Hackschnitzel, also mit Holz. Auch Solarpaneele gehören zu unserem Mix." Mit Blick auf die Priorisierung von Brauereien bei der Gasversorgung sagte Schneider: "Wir brauchen uns nichts vorzumachen: So systemrelevant wie Krankenhäuser oder die Grundversorgung mit Lebensmitteln sind wir nicht. Aber auch wir haben eine Relevanz, weil wir für Auszeiten stehen." Der Mensch könne nicht 24 Stunden lang im Krisenmodus leben.

Die Versorgungsunsicherheit kommt den Brauereien denkbar ungelegen, da der Bierkonsum in Deutschland nach einem pandemiebedingten Tief derzeit wieder in die Höhe schießt. Die Privatbrauerei Veltins aus dem Sauerland steigerte ihren Ausstoß im ersten Halbjahr um 10,1 Prozent auf 1,7 Millionen Hektoliter. "Noch nie wurde in der Brauereigeschichte innerhalb eines halben Jahres so viel Bier gebraut", sagte der Veltins-Generalbevollmächtigte Michael Huber.

Veltins sorgt vor

Trotz des aktuell boomenden Geschäfts bereitet sich das Unternehmen auch intensiv auf mögliche Folgen des Krieges - wie einen Ausfall der Gasversorgung - vor. Veltins habe weitreichende Vorsorge getroffen, um über längere Zeit die Produktions- und Versorgungssicherheit gewährleisten zu können, sagte Huber.

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Um bei einer eingeschränkten Gasversorgung den Braubetrieb aufrechtzuerhalten, seien vorsichtshalber Vorkehrungen getroffen worden, um innerhalb weniger Stunden im Kesselhaus von Gas- auf Heizölbefeuerung umzustellen, sodass im Sudhaus ohne Unterbrechung weiter gebraut werden könne. Es seien zusätzliche Heizöltanks errichtet worden. Außerdem habe das Unternehmen angesichts der unsicheren Lieferketten die Bevorratung von Neuglas, Paletten, Etiketten und Leim ausgebaut.

Veltins habe im ersten Halbjahr davon profitiert, dass nach der Pandemie das Gastronomie- und Veranstaltungsgeschäft wieder angesprungen sei. "Das gute Festwetter an Wochenenden und der Wunsch der Menschen nach Begegnung hat uns bis zur Jahresmitte solide getragen", sagte Huber. Das habe die erwarteten Absatzeinbußen im Handel nach dem Ende des Lockdowns mehr als wettgemacht. Nach der jüngsten Preiserhöhung im Frühjahr plant die Brauerei "in absehbarer Zeit" keine weiteren Anhebungen des Verkaufspreises. Man wolle die Kundinnen und Kunden nicht überfordern, sagte Huber.

Quelle: ntv.de, mdi/AFP/dpa

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