Wirtschaft

Millionen Verträge zu haben Generali sucht Käufer für Lebens-Policen

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Lebensversicherungen sollen das Dasein im Alter finanziell absichern - für Anbieter sind dabei vor allem ältere Angebote inzwischen wenig beliebt.

(Foto: picture alliance / Arno Burgi/dp)

Wer vor Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, hat sich in der Regel einen ordentlichen Garantiezins gesichert. Der aber bringt die Assekuranzen seit einiger Zeit erheblich unter Druck. Zwei von ihnen wollen die Altverträge nun weiterverkaufen.

Die Bewegung auf dem deutschen Markt für Lebensversicherungen hält an. Der italienische Versicherungskonzern Generali baut sein Deutschland-Geschäft radikal um und stellt die bisherige Generali Lebensversicherung Anfang nächsten Jahres ein. Die rund vier Millionen Verträge könnten danach auch an einen professionellen Abwickler von Lebensversicherungen verkauft werden, teilte das Unternehmen mit. Erst vor wenigen Tagen hatte der Versicherungskonzern Ergo mitgeteilt, mit einem Verkauf seiner beiden Töchter Ergo Leben und Victoria Leben zu liebäugeln. Dabei geht es um zusammen rund sechs Millionen Policen.

Hintergrund der Aktionen sind jeweils hohe Altbestände an Policen, die noch zu Hochzins-Zeiten abgeschlossen wurden. Sie  beinhalten einen entsprechenden Garantiezins - nicht selten vier Prozent. Seit die großen Notenbanken aber nach der Finanzkrise ihre Zinssätze auf Null gestellt haben, müssen Versicherer immer größere Anstrengungen aufbringen, die Versprechungen zu erfüllen. Das bindet in den Unternehmen erhebliches Kapital. Daher unterstützt auch die Finanzaufsicht BaFin den Umstieg auf Policen ohne Garantien. Sie achtet aber darauf, dass die Kunden bei einem Verkauf der Altbestände nicht schlechter gestellt werden.

Marken verschwinden

Und so will Generali Deutschland mit dem Schritt sein Kapital auch massiv entlasten. Die Solvenzquote - das Verhältnis von Eigenmitteln zu Verpflichtungen - werde sich um 26 Prozentpunkte verbessern. Die 2800 deutschen Generali-Vertreter sollen künftig für den größten deutschen Finanzvertrieb DVAG arbeiten, an dem Generali seit Langem 40 Prozent hält. Die DVAG verkauft bisher exklusiv die Generali-Marke AachenMünchener und steht damit für rund die Hälfte der Beitragseinnahmen von Generali in Deutschland. Die Marke AachenMünchener wird ebenso aufgegeben wie die Krankenversicherungs-Marke Central Kranken.

Die DVAG vertreibt künftig nur noch Produkte der Marke Generali, darunter auch fondsgebundene Lebensversicherungen. Im Online-Geschäft setzt der Konzern ganz auf Cosmos Direkt, die künftig verstärkt Sach-, Kranken- und Rechtsschutzversicherungen verkaufen soll.

Interesse an Ergo-Offerte

Durch die Planspiele bei Ergo könnten die ehemaligen Lebensversicherer Hamburg-Mannheimer und Victoria in neue Hände kommen. "Wir wollen uns umfassende Informationen beschaffen, wie hoch das Interesse ist und ob wir eine tragfähige Lösung und einen attraktiven Preis erzielen könnten", hatte ein Sprecher der Münchener-Rück-Erstversicherungstochter gesagt.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, dass Experten den Kaufpreis auf deutlich über eine Milliarde Euro schätzen. Unter den Interessenten seien chinesische und britische Investoren sowie US-Hedgefonds. Rund 1000 Mitarbeiter wären von einem Verkauf betroffen. Die beiden Leben-Töchter schreiben kein Neugeschäft mehr.

Ergo verkauft neue, meist fondsgebundene Lebensversicherungen nur noch ohne Garantien über eine andere Tochter. Die Victoria Leben hatte das Neugeschäft bereits 2010 eingestellt, die aus der Hamburg-Mannheimer hervorgegangene Ergo Leben seit 2016.

Quelle: ntv.de, jwu/rts