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Virtueller Wahnsinn Heiße Wetten auf Pokémon Go

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Sie sind überall unter uns.

(Foto: REUTERS)

Kuscheltiere waren gestern. Heute entern virtuelle Monster die reale Welt. Der Hype um Pokémon Go hat den Börsenwert von Nintendo bereits um 50 Prozent nach oben katapultiert. Da sei noch mehr Geld drin, heißt es.

Was waren das für Zeiten als echte Tiere wie Kaiman Sammy oder Problembär Bruno die Cover großer Magazine und Tageszeitungen schmückten. 2016 deutet alles auf einen Boom virtueller Monster hin, das Pokémon-Fieber grassiert und mit ihm ein wahnsinniger Boom bei der japanischen Aktie von Nintendo.

Eine Woche nach dem Start in den USA, Neuseeland und Australien am 6. Juli kann man Nintendos erstes Spiel für Smartphones nun auch ganz Europa spielen. Es ist im Google Play Store und im App Store verfügbar. In den USA war das Spiel bereits am Tag der Einführung an die Spitze der umsatzstärksten Spiele im App Store geschossen.

Nach dem Herunterladen des Spiels heißt es Aufstehen vom Sofa und hinaus ins Freie, für manche Amerikaner ein ganz neues Lebensgefühl. Seit der Einführung laufen überall Menschen mit Smartphones herum und versuchen die Taschen-Monster einzufangen, denn das Besondere an dem Spiel ist, dass die "Pokémon" bei eingeschalteter Kamera auf dem Bildschirm in die echte Umgebung eingebettet werden.

Pokémon Go bringt also Spielelemente in die wirkliche Welt. "Augmented Reality", also "erweiterte Realität" nennt man das in Fachchinesisch. Vergleichbar mit einer anspruchsvolleren Variante des Geocaching. Inzwischen spielen die Pokémon-Fans in den USA durchschnittlich 43 Minuten und 23 Sekunden pro Tag. Damit verbringen die Nutzer mehr Zeit mit Pokemon als mit WhatsApp (30 Minuten und 27 Sekunden). Nun rückt Facebook allmählich ins Visier (50 Minuten).

Aktienkurs von Nintendo schießt nach oben

Die Entwickler des Spiels sind Nintendo, Pokémon Company, ein Gemeinschaftsunternehmen von Nintendo und zwei weiteren Firmen, sowie die ehemalige Google-Tochter Niantic Labs. Nachdem der Ansturm auf das Spiel so groß war, dass Nintendo anfangs die weltweite Einführung bremsen musste, um die Belastung auf die Server in den Griff zu bekommen, ist die Nintendo-Aktie um mehr als 50 Prozent nach oben geschossen, womit der Börsenwert bei umgerechnet 31,3 Milliarden Dollar liegt.

Für den Anstieg ist entscheidend, wie Nintendo das Spiel monetarisieren kann. Zunächst ist es zwar kostenlos. Aber: "Spieler, die sich ihr Erlebnis rund um Pokémon GO verschönern möchten, können dies mit bestimmten Items und Funktionen tun, die über In-App-Käufe erhältlich sind. Spieler können echtes Geld für PokéMünzen ausgeben, der in Pokémon GO gültigen Währung. PokéMünzen können für Power-ups, zusätzliche Items und andere Hilfsmittel ausgetauscht werden," schreibt Nintendo.

Eine Menge Euphorie eingepreist

"Wir gehen davon aus, dass von 100 Geldeinheiten, die über den App Store eingenommen werden, 30 an Apple, 30 an Niantic, 30 an Pokémon und 10 an Nintendo gehen", schreibt David Gibson, Analyst bei Macquarie Capital Securities. Demnach würde Nintendo zwar direkt nicht viel an dem Spiel verdienen, allerdings über Pokémon Company, an der Nintendo einen Anteil von 33 Prozent hält. Sollte Pokémon Go den Spitzenplatz in den USA halten, könnte das laut Gibson den Gewinn von Nintendo um 15 Prozent beflügeln.

Das ist nach der Rally der Aktie dringend notwendig, denn in dem Papier ist eine Menge Euphorie eingepreist. So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Schätzungen für das Fiskaljahr 2017/18, das im März endet, bei 45. Sprich: Nintendo wird mit dem fast 50-fachen des Jahresgewinns bewertet. Umso entscheidender ist es, dass nicht nur der Hype um Pokémon Go weitergeht, sondern dass die nächsten Produkte - wie die Spiele Animal Crossing und Fire Emblem -, die Nintendo im Herbst auf dem Markt bringen wird, Verkaufsschlager werden. Auf die Aktie von Nintendo gibt es sogar einige Optionsscheine am Markt, doch Anleger sollten wissen, dass Papiere wie die SE2S7M extrem heiße Eisen sind.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass es einen Hype um Pokémon gibt. In den 90er-Jahren hatte es um das Originalspiel für Nintendos Game Bay eine ähnliche Hysterie gegeben, der aber nicht von Dauer war. Wer bei Nintendo einsteigt, kann nur hoffen, dass die Aktie kein Problempapier wird in bester Erinnerung an Bruno.  

Quelle: n-tv.de

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