Wirtschaft

"Unsicherheit für Investoren" IWF fürchtet globale Folgen eines "Brexit"

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Ein "Brexit" könnte die weltweite Wirtschaft schwächen, fürchtet der IWF.

(Foto: dpa)

Im Juni entscheiden sich die Briten für oder gegen die EU. Der IWF fürchtet, dass ein "Nein" zur Union Auswirkungen auf die globale Wirtschaft haben könnte. Doch auch auf der anderen Seite des Atlantiks gibt es Probleme.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht im möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU eine erhebliche Bedrohung für die globale wirtschaftliche Stabilität. Schon jetzt habe das für den 23. Juni geplante Referendum der Briten über die EU-Mitgliedschaft "Unsicherheit für Investoren geschaffen", warnt der IWF in seinem neuen Weltwirtschaftsausblick.

Auf einen EU-Austritt würden wahrscheinlich langwierige Verhandlungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union über eine Neuordnung der Beziehungen folgen, "die eine ausgedehnte Periode der Unsicherheit" mit entsprechenden Auswirkungen auf die Märkte zur Folge hätte, warnt der Währungsfonds.

IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld zeigte sich besorgt darüber, dass auch insgesamt der "politische Konsens, der einst das europäische Projekt vorangetrieben hat, zerfranst". Als Resultat des großen Drucks, dem die EU durch die Flüchtlingskrise wie auch die terroristische Bedrohung ausgesetzt sei, nähmen die nationalistischen Tendenzen in Europa zu.

Neuer Protektionismus befürchtet

"Eine Gegenbewegung gegen die grenzüberschreitende ökonomische Integration" drohe die seit Jahrzehnten vorherrschende Freihandelspolitik in Europa "zu stoppen oder sogar umzukehren", warnt der IWF. Zugleich beobachtet er auch in den USA eine wachsende Tendenz, "sich nach innen zu wenden". Diese Entwicklungen beiderseits des Atlantiks könnten einem neuen Protektionismus in den Handelsbeziehungen Auftrieb geben, befürchten die Washingtoner Experten.

Die europäische Wirtschaft sieht der IWF nicht zuletzt auch durch das politische Umfeld derzeit einem starken Druck ausgesetzt. Der "Brexit" wird als besonders großes Risiko hervorgehoben: Er könnte "schwerwiegenden regionalen und globalen Schaden anrichten", indem er bestehende Handelsbeziehungen und Finanzströme abbreche.

Rezession und sinkendes Wachstum

Seine Prognose für das globale Wachstum im laufenden Jahr korrigierte der IWF leicht auf 3,2 Prozent herunter. Im Januar hatte der Währungsfonds der Weltwirtschaft noch ein Wachstum von 3,4 Prozent vorhergesagt. Doch die Perspektiven haben sich laut dem in Washington veröffentlichten Bericht wegen diverser Risikofaktoren weiter eingetrübt.

Vor allem die Rezession in einer Reihe sogenannter Schwellenländer, darunter Brasilien und Russland, belastet demnach die Märkte weltweit. Auch das verlangsamte Wachstum in China wirkt sich dem Bericht zufolge weiterhin global aus, indem es die Exportzahlen vieler Länder und die Preise der Waren drückt.

Für die Eurozone sagt der IWF ein Wachstum von 1,5 Prozent in diesem Jahr voraus, die gleiche Wachstumszahl nennt er für Deutschland. Seine Prognose für 2016 liegt damit etwas unter jener der Bundesregierung. Sie hatte im Jahreswirtschaftsbericht vom Januar einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,7 Prozent vorhergesagt.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP

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