Wirtschaft

Rohöl-Sanktionen vor Ende? Iran hält schwarze Überraschung bereit

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Iranische Rohöl-Supertanker ankern vor der Küste Singapurs - 13 dieser Schiffe sollen derzeit im Persischen Golf als schwimmende Öl-Lager dienen.

(Foto: REUTERS)

Der Rohstoffmarkt rechnet mit einer Einigung im Atomstreit mit dem Iran - abzulesen am sinkenden Ölpreis. Doch wie schnell das Land danach seine Produktion ausweiten kann, ist offen. Dennoch dürfte es aus einem anderen Grund zu einer Öl-Schwemme kommen.

Im schweizerischen Lausanne läuft heute die entscheidende Runde im Ringen um eine Lösung des Atomkonflikts mit dem Iran - die Fortschritte bei den Gesprächen haben die Ölpreise bereits in den vergangenen Tag deutlichen sinken lassen. Am Montagmorgen kostete ein Fass der Nordseesorte Brent 55,99 US-Dollar - vergangenen Donnerstag lag deren Preis noch knapp unter 60 Dollar. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate fiel um 79 Cent auf 48,08 Dollar.

Bei den Atomgesprächen kommen erstmals die Außenminister aller sieben beteiligten Länder zusammen. Die UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich) und Deutschland wollen die Gewissheit, dass der Iran keine Atombombe baut. Dazu soll der Iran sein Atom-Programm beschränken und unmfangreiche Kontrollen zulassen.  Der Iran hat jegliche Absicht bestritten, eine Bombe zu bauen. Für ihn ist die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen allerdings von zentraler Bedeutung.

Iran kündigt schnelle Produktionserhöhung an

Der Ausgang der Verhandlungen könnte einen bedeutenden Einfluss auf den Ölmarkt haben: Bei einem Ende der westlichen Sanktionen dürfte sich das Überangebot an Rohöl auf dem Weltmarkt noch einmal erhöhen, da der Iran den Rohstoff dann wieder ungehindert exportieren dürfte.

Derzeit beträgt die iranische Ölproduktion etwa 2,8 Millionen Barrel am Tag. Von diesen dürfen jedoch nur eine Million Barrel pro Tag exportiert werden - Abnehmer sind vor allem China, Japan, Südkorea und Indien, die von den USA Ausnahmeregelungen erhalten haben. Die Gesamtproduktion liegt heute damit weit entfernt von den 4,4 Millionen Barrel am Tag, die der Iran laut BP noch im Jahr 2011 produzierte.

Im Vorfeld der Verhandlungen in Lausanne hatte der iranische Ölminister Bijan Zanganeh angekündigt, sein Land könne die Ölproduktion mit Leichtigkeit um eine Million Barrel (159-Liter-Fass) pro Tag erhöhen. Und das innerhalb weniger Monate. Dies wird aber kritisch gesehen: Laut Beobachtern wie Energy Aspects oder dem Fachdienst JBC Energy sei der Iran derzeit maximal dazu in der Lage, die Produktion um gerade mal eine Viertelmillion Barrel pro Tag zu steigern.

Vorrat von bis zu 35 Millionen Barrel?

Nach einer Lockerung der Sanktionen hätte der Iran aber dennoch eine kleine Überraschung für den Ölmarkt bereit: Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg sitzt die Islamische Republik derzeit auf einem Vorrat von sieben bis 35 Millionen Barrel Rohöl. So sollen 13 mit dem schwarzen Gold gefüllte Supertanker im Persischen Golf vor Anker liegen, weiteres Öl wird in Tanks an Land vermutet. Es werde am Markt davon ausgegangen, dass das gebunkerte Öl nach Lockerung der Sanktionen als erstes verkauft würde, heißt es weiter. Allerdings müssten davor auch die Sanktionen für den Schiffverkehr und Versicherungen fallen.

Zudem könnte bis zu einer ersten iranischen Ölschwemme noch ein bisschen Zeit ins Land gehen: In Lausanne soll bis morgen vorerst ein Rahmenprogramm ausgehandelt werden, auf dessen Basis bis Juni der Atomstreit beigelegt werden soll. Und selbst ab dann könnte es laut von Bloomberg zitierten US-Regierungsvertretern weitere drei bis sechs Monate dauern, bis das iranische Öl den Markt erreicht. Der größte Unsicherheitsfaktor ist derzeit jedoch, ob es überhaupt zu einer Einigung bei den Atomgesprächen kommt.

Quelle: ntv.de, mit rts