Wirtschaft

Details aus dem Schuldneratlas Jeder zehnte Deutsche ist überschuldet

Trotz niedriger Arbeitslosigkeit und stabiler Wirtschaft kämpfen weiter viele Deutsche mit ernsten finanziellen Problemen. Zwar ist deren leicht Anteil gesunken. Doch kann gut jeder Zehnte seine Außenstände nicht bedienen.

Der Arbeitsmarkt brummt, die Konjunktur widersteht bislang allen Abwärtsrisiken, doch die finanzielle Situation vieler privater Verbraucher liegt weiter im Argen: Die Zahl überschuldeter Personen ist in Deutschland in diesem Jahr erstmals seit fünf Jahren wieder gesunken - allerdings nur geringfügig.

Aktuell seien rund 6,92 Millionen Verbraucher nicht in der Lage, ihre Rechnungen zu bezahlen, teilte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit. Das sind insgesamt nur knapp 10.000 Schuldenfälle weniger als im Vorjahr, heißt es in den Erläuterungen zum "Schuldneratlas Deutschland 2019".

Unter dem Strich bleibt die bundesweite Schuldnerquote damit unverändert: Weiterhin sind bei jedem zehnten Erwachsenen die Gesamtausgaben dauerhaft höher als die Einnahmen. Der bundesweite Schnitt ging von 10,04 Prozent im Vorjahr auf aktuell 10,00 Prozent zurück.

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Die höchste Überschuldungsquote unter den Bundesländern verzeichnete im vergangenen Jahr mit knapp 14 Prozent Bremen, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Berlin. Am geringsten war die Überschuldung in Bayern (7,43 Prozent) und Baden-Württemberg (8,31 Prozent).

Die mit Abstand meisten Schuldner verzeichnete Creditreform - in absoluten Zahlen gerechnet - nicht etwa im Osten, sondern in den beiden bevölkerungsreichsten Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Bayern. In NRW können demnach rund 1,75 Millionen Menschen ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Im Freistaat dagegen zählte Creditreform derzeit rund 790.000 Fälle an Überschuldung.

Zum Vergleich: Bremen kommt trotz des prozentual höchsten Anteils nur auf rund 80.000 überschuldete Verbraucher. Für Sachsen - das vergleichsweise schwächste ostdeutsche Bundesland - ermittelte die Wirtschaftsauskunft 340.000 Überschuldungsfälle.

Den Hauptgrund für den leichten Rückgang der Überschuldungszahlen sehen die Experten von Creditreform in der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren. Es sei jedoch zu befürchten, dass der positive Trend nur von kurzer Dauer sein werde, da sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen in Deutschland in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt hätten.

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Alarmierender Trend bei Senioren

Gegen den Trend nahm 2019 vor allem auch die Altersüberschuldung deutlich zu: Die Zahl der Personen ab 70 Jahren, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten, stieg innerhalb von nur zwölf Monaten um 44,9 Prozent auf rund 380.000. Bei den 60 bis 69 Jahre alten Verbrauchern erhöhte sich die Zahl der überschuldeten Personen um 15,3 Prozent auf 640.000.

Noch dramatischer ist die Entwicklung bei einem Vergleich mit dem Jahr 2013. Seitdem habe sich die Zahl der überschuldeten Senioren ab 70 Jahren um 243 Prozent erhöht. Hier machten sich die Rentenreformen der vergangenen Jahrzehnte, die fast durchweg auf eine Kürzung des Sicherungsniveaus der gesetzlichen Rente abgezielt hätten, bemerkbar, heißt es im Schuldneratlas. Außerdem wirkten sich die wachsende Zahl unsteter Erwerbsbiografien und das Anwachsen des Niedriglohnsektors aus.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa