Wirtschaft
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Freitag, 25. September 2015

VW spricht von politischem Desaster: Matthias Müller wird neuer VW-Chef

Der VW-Aufsichtsrat beruft Ex-Porsche-Chef Matthias Müller an die Spitze des Volkswagen-Konzerns. Müller übernimmt die Nachfolge von Martin Winterkorn. Zudem sollen einige Mitarbeiter beurlaubt werden.

Matthias Müller wird neuer Volkswagen-Chef. Der bisherige Vorstandsvorsitzende der VW-Tochter Porsche soll Europas größten Autokonzern aus der Vertrauenskrise führen, die mit dem Skandal um gefälschte Abgaswerte bei Dieselautos über die Wolfsburger hereingebrochen ist. Das Unternehmen gab die Personalie nach einer Sitzung des Aufsichtsrates bekannt.

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 Der Interimsvorsitzende des Aufsichtsrates, Berthold Huber, bezeichnete den Skandal als "moralisches und politisches Desaster" für den Konzern. Es habe ein "rechtswidriges" Verhalten von Erfindern und Technikern gegeben. "Dafür entschuldige ich mich in aller Form bei unseren Kunden und der Öffentlichkeit."

Müller seinerseits kündigte an, dass der Konzern zu seiner Verantwortung stehen werde. "Lassen Sie mich eines sagen: Zu keinem Zeitpunkt war die Sicherheit unserer Fahrzeuge oder unserer Kunden gefährdet", fügte er hinzu. "Meine vordringlichste Aufgabe wird es sein, Vertrauen für den Volkswagen Konzern zurückzugewinnen - durch schonungslose Aufklärung und maximale Transparenz, aber auch, indem wir die richtigen Lehren aus der aktuellen Situation ziehen."

Der 62-jährige Müller übernimmt die Nachfolge von Martin Winterkorn, der zurückgetreten war. Der neue Chef werde seine Aufgabe "mit ganzer Kraft angehen", sagte Huber. Müller war bereits vor dem Treffen der Aufseher als Favorit für den Spitzenposten gehandelt worden.

Auf Müller kommen bei Volkswagen nun schwierige Aufgaben zu. Neben der Aufarbeitung der Affäre um manipulierte Abgasdaten von Dieselmotoren gehören die Schwäche des VW-Absatzes in den USA, die Lage in China und die bisher stark zentralistische Struktur des Konzerns zu den größten Baustellen. Betriebsratschef Bernd Osterloh fordert einen "grundlegenden Kulturwandel" in der Zwölf-Marken-Gruppe.

Millionen Autos in Deutschland betroffen

Nach Angaben von Volkswagen sind weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge von dem Abgas-Skandal betroffen. Dabei geht es um eine spezielle Software, die dafür sorgt, dass die Schadstoff-Reinigung von Dieselmotoren im normalen Betrieb auf der Straße geringer ist als bei Tests.

Die Affäre erschüttert die gesamte Autoindustrie. Nach Angaben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sind in Deutschland mindestens 2,8 Millionen Diesel-Fahrzeuge von den manipulierten Abgasmessungen bei Volkswagen betroffen.

Im VW-Konzern wirkt sich der Abgas-Skandal inzwischen auch auf Töchter wie Audi, Skoda und Seat aus. Eine vollständige Liste der betroffenen Modelle gibt es noch nicht. Andere Hersteller wie BMW, Daimler oder Opel betonten, sich strikt an Abgasregeln zu halten.

Quelle: n-tv.de