Wirtschaft

Kleines Konjunkturprogramm Niedrige Energiepreise sparen Milliarden

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(Foto: REUTERS)

Seit Monaten sinken die Preise für Öl und andere Energiesorten. Für die Wirtschaft ergeben sich geringere Kosten in beachtlicher Höhe. Experten sehen zugleich auch Vorteile für die Verbraucher.

Die kräftig fallenden Energiepreise entwickeln sich Ökonomen zufolge zu einem riesigen Konjunkturprogramm für die deutsche Wirtschaft. Unternehmen und Verbraucher könnten im kommenden Jahr zusammen etwa 35 Milliarden Euro sparen, wie aus Berechnungen der Großbank UniCredit hervorgeht. "Diese Summe entspricht gut einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. "Das ist schon eine kräftige Entlastung, die die Kosten der Unternehmen drückt und die Kaufkraft der Verbraucher erhöht."

Seit Juni ist der Ölpreis - in Euro berechnet - um etwa 30 Prozent eingebrochen. Deutschland importiert UniCredit zufolge Ölprodukte und Gas im Wert von etwa 120 Milliarden Euro pro Jahr. "Bleiben die Preise im kommenden Jahr im Schnitt auf dem aktuellen Niveau, dann ergibt sich eine Einsparung von rund 35 Milliarden Euro", erklärte Rees. "Das wirkt wie ein Konjunktur-Airbag." Trotz der Flaute in der Euro-Zone, zahlreicher internationaler Krisen sowie dem nachlassenden Boom in großen Schwellenländern wie China traut UniCredit deshalb der deutschen Wirtschaft 2015 ein Wachstum von bis zu 1,5 Prozent zu.

Pro Kopf 40 Euro geringere Energiekosten

Ähnlich sieht es die Weberbank: Allein der sinkende Ölpreis dürfte rund 18 Milliarden Euro mehr in den Kassen lassen. "Dies hilft den Verbrauchern und den Unternehmen gleichermaßen", sagt Weberbank-Experte Jan Gengel. "Allein hierdurch ist in den kommenden Quartalen ein höheres Wachstum zu erwarten." Das Bruttoinlandsprodukt war im Sommer-Quartal lediglich um 0,1 Prozent gestiegen, nachdem es im Frühjahr sogar um 0,1 Prozent geschrumpft war.

Auch dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zufolge winken milliardenschwere Entlastungen. Nach dessen Faustregel könnten die deutschen Importkosten um bis zu 15 Milliarden Euro sinken, wenn der derzeitige Preisrückgang von etwa 30 Dollar für ein ganzes Jahr erhalten bleibt. "Das würde die Unternehmen deutlich entlasten", sagte DIHK-Experte Tim Gemkow. "Das spüren aber auch die Haushalte - schon im letzten Jahr mussten Verbraucher wegen sinkender Preise für Energierohstoffe pro Kopf etwa 40 Euro weniger ausgeben."

Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox haben bislang 242 der mehr als 800 Stromanbieter Preissenkungen für den Jahreswechsel angekündigt, und zwar von durchschnittlich 2,4 Prozent. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeute dies eine jährliche Entlastung von knapp 30 Euro.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts

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