Wirtschaft

Weltweiter Förderboom drückt Preis Norwegen erschließt riesiges Ölfeld

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Norwegen will seine Ölproduktion deutlich steigern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Weltweit boomt das Öl - aber nur, was die Fördermenge betrifft. Norwegen macht nun den Weg für ein umfassendes Ölbohrprojekt in der Nordsee frei. Zehntausende Arbeitsplätze sollen dadurch entstehen.

Norwegen hat ein riesiges Ölbohrprojekt in der Nordsee genehmigt. Die Erschließung des Ölfeldes "Johan Sverdrup" sei "von enormer Bedeutung für Arbeitsplätze und Aktivitäten" in der Region, erklärte der norwegische Öl- und Energieminister Tord Lien. Das Land, das rund 20 Prozent seiner Wirtschaftsleistung mit Öl und Gas bestreitet, hat mit den derzeit sehr niedrigen Ölpreisen zu kämpfen. Ölfirmen fuhren ihre Investitionen zurück, seit Anfang 2014 wurden mehr als 20.000 Jobs in der Branche gestrichen.

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Die Ausbeutung von "Johan Sverdrup" wird vom norwegischen Energieriesen Statoil geleitet; die Ölproduktion soll Ende 2019 beginnen. Für die erste Entwicklungsphase sind Investitionen von 117 Milliarden Kronen (12,7 Milliarden Euro) eingeplant. In Zusammenhang mit dem Projekt sollen mehr als 50.000 Arbeitsplätze entstehen.

Aus dem Ölfeld soll zunächst rund 315.000 bis 380.000 Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) am Tag gefördert werden, nach der vollständigen Erschließung sollen es 550.000 bis 650.000 Barrel am Tag sein. Norwegen produziert derzeit täglich rund 1,5 Millionen Barrel Öl.

Produktion deutlich über Nachfrage

Öl erlebt derzeit einen neuen Boom. Während Klimaschützer und -politiker den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen fordern, wird so viel Öl gefördert und verbrannt wie noch nie. Tag für Tag werden nach einer Prognose der US-Energiebehörde EIA in diesem Jahr 93,6 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl verbraucht.

Was klimapolitisch eine Sackgasse sein mag, ist wirtschaftlich kein Problem: Die Produktion liegt mit 95,7 Millionen Barrel ebenso auf Rekordniveau und deutlich über der Nachfrage. "Die faktische Überversorgung des Ölmarktes ist zu einer Ölschwemme geraten", kommentiert der Marktbeobachter Tecson, ein Hersteller von Tankmesstechnik. Folglich fallen die Ölpreise auf immer neue Tiefstände.

Die Nordsee-Sorte Brent steht bei 46 Dollar und damit auf dem Niveau vom Frühjahr 2009. Damals war der Ölpreis wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise steil abgestürzt. Ein paar Dollar fehlen nur noch, dann sind die Ölpreise wieder im Jahr 2004 oder 2005 angekommen. Danach sieht es tatsächlich aus.

Die USA fördern viel und immer mehr Öl, die Länder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) halten sich auch nicht zurück, ebenso wenig wie Russland und andere Förderländer außerhalb der Opec. Das Ölkartell ist handlungsunfähig, das Angebot scheint unerschöpflich.

Quelle: n-tv.de, rpe/AFP/dpa

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