Wirtschaft

Auch Scheichs müssen sparen Ölpreisverfall trifft Saudis

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Saudi-Arabiens König Salman.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das billige Öl macht sogar dem reichen Saudi-Arabien zu schaffen. Die finanziellen Reserven könnten bald erschöpft sein, warnt der IWF. Doch die Saudis haben einen Plan.

Der niedrige Ölpreis stellt Saudi-Arabien vor Probleme. Die finanziellen Rücklagen schwinden und könnten schon bald nicht mehr reichen, um die Staatsausgaben zu decken, warnt der Internationale Währungsfonds (IWF). "Für Öl-Exporteure ist die wichtigste politische Aufgabe, den Haushalt anzupassen und auf mittlere Sicht einen ausreichenden Puffer aufzubauen", heißt es in dem aktuellen ökonomischen Ausblick auf die Region.

Der IWF geht davon aus, dass die Ölpreise auf Dauer niedrig bleiben. Der Fonds rechnet damit, dass ein Fass der Nordseesorte Brent am Ende des Jahrzehnts etwa 66 Dollar kosten wird, derzeit liegt der Preis unter 50 Dollar. Zum Vergleich: Im Sommer vergangenen Jahres hatte Brent-Öl noch mehr als 100 Dollar pro Fass gekostet. Die Folge? "Aus beträchtlichen Überschüssen wurden in den Haushaltsbilanzen große Defizite", so der IWF und sagt voraus, dass Saudi-Arabien in diesem Jahr ein Defizit in Höhe von rund 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder 120 Milliarden Dollar hinnehmen müsse.

Das ist selbst für ein Land herausfordernd, dessen Finanzreserven bei mehr als 600 Milliarden Dollar liegen. Denn sie schrumpfen angesichts billigen Öls immer weiter – und könnten in fünf Jahren aufgebraucht sein, so der IWF.

Noch ist Saudi-Arabien kaum verschuldet, die Quote liegt bei lediglich 1,6 Prozent der Wirtschaftsleistung und damit auf einem Niveau, von dem die Eurozone nur träumen kann. Doch dem IWF zufolge wird die Verschuldung des Königreichs im nächsten Jahr wohl 6,7 Prozent erreichen und bis 2020 auf rund 44 Prozent klettern.

Dass es Handlungsbedarf gibt, weiß auch die Führung des autoritär regierten Landes. Im Januar und April hatte der neue König Salman nach seiner Thronbesteigung noch milliardenschwere Zahlungen – etwa an Staatsdiener, Rentner und Studenten – angeordnet. Doch nun hat das Königreich verschiedene geplante Großprojekte verschoben oder sie ganz abgesagt. Auch die Kürzung von Benzin-Subventionen ist offenbar kein Tabu mehr. Zum ersten Mal seit 2007 emittierte das Land Staatsanleihen.

Ziel ist das US-Fracking

Dem IWF reichen die Schritte allerdings nicht aus. "Es gibt keinen Raum für Selbstzufriedenheit, selbst wenn der finanzielle Puffer als stark erscheint", heißt es in dem ökonomischen Ausblick. Denn da die Ölpreise niedrig bleiben, gebe es keine Alternative zur Haushaltskonsolidierung. Die Öl-Exporte sorgen dem IWF zufolge in diesem Jahr für etwas mehr als 80 Prozent der Einnahmen der Saudis.

"Ja, sie [die Öl-Exporteure der Region] haben finanzielle Puffer. Aber diese Sache muss dringend angegangen werden", zitierte die "Financial Times" IWF-Direktor Masood Ahmed. Es müssten deshalb schwierige Entscheidungen getroffen werden – indem Ausgaben zurückgefahren und Steuern erhöht werden.

Auf einen naheliegenden Schritt verzichtet Saudi-Arabien trotz der Probleme, die der niedrige Ölpreis verursacht: Das Land versucht nicht, durch Förderkürzungen den Ölpreis in die Höhe zu treiben.

Zu groß ist die Furcht, mit einem solchen Schritt wie in der 80er Jahren Marktanteile zu verlieren. Als der Ölpreis damals kräftig fiel, hatte das Königreich seine Produktion heruntergefahren.

Zudem stürzt der dauerhaft niedrige Ölpreis die amerikanische Fracking-Konkurrenz in Existenznöte. Dieses teure Förder-Verfahren lohnt sich dort für viele Firmen erst dann, wenn Öl mehr als 70 Dollar kostet. Einige haben das Fracking schon aufgegeben.

In Saudi-Arabien wird Öl dagegen selbst bei einem Preis um die 40 Dollar noch kostendeckend aus dem Wüstenboden geholt. Das Kalkül der Saudis: Der Konkurrenz geht die Puste eher aus. Sobald der Preis bei anspringender globaler Konjunktur wieder steigt, wird der weltweit größte Ölförderer davon umso mehr profitieren. Dafür lohnt es sich sogar, zu sparen - auch wenn es schwerfällt.

Quelle: n-tv.de

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