Wirtschaft

Strom-Stresstest bestanden Österreich sieht keine Blackout-Gefahr

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Österreich attestiert sich selbst eine "gute und sichere Energieversorgung".

(Foto: picture alliance / ROLAND SCHLAGER / APA / picturedesk.com)

Österreich präsentiert die Ergebnisse eines Strom-Stresstests, und die sehen gut aus: Nur wenn viele Faktoren zusammenspielen, bekommt das Nachbarland Probleme. Ein Blackout ist demnach sogar quasi ausgeschlossen.

In Österreich wird es im kommenden Winter einem Stresstest des heimischen Netzbetreibers APG zufolge höchstwahrscheinlich keinen Mangel an Strom geben. Die energiewirtschaftliche Lage sei zwar angespannt, bleibe aber trotzdem gut bewältigbar, sagte Umweltministerin Leonore Gewessler bei der Präsentation des Stresstests gemeinsam mit APG-Technikvorstand Gerhard Christiner.

Im realistischsten Szenario komme es keine einzige Stunde zu einer sogenannten Lastunterdeckung, also einer Situation, wo es zu wenig Angebot für die Stromnachfrage gibt, so die Grünen-Politikerin. Nur im "sehr kritischen Szenario" könnte es zu wenig Strom geben, was bedeutet, dass der Verbrauch reduziert werden müsste. Ein erhöhtes Risiko für ein Blackout zeige sich in keinem der berechneten Szenarien. "Der Strom-Stresstest zeigt uns zwei Dinge: Österreich besitzt eine gute und sichere Energieversorgung, und auf uns kommt ein herausfordernder Winter zu, den wir in einem realistischen Szenario trotzdem gut bewältigen können", sagte Gewessler.

Sollten allerdings in Frankreich weiterhin weniger Atomkraftwerke in Betrieb sein, in Deutschland Kohlekraftwerke ausfallen, die Gasversorgung unterbrochen werden und der Bedarf steigen, weil es eine längere Zeit sehr kalt wird, könnte es zu einer Lastunterdeckung von bis zu 815 Stunden kommen. "Das bedeutet nicht, dass es zu einem Stromausfall kommt, sondern, dass man gezielt den Verbrauch reduzieren muss", so Gewessler. Dieses Szenario sei aber sehr unwahrscheinlich. Noch nicht berücksichtigt sei hier zudem, dass drei deutsche Atomkraftwerke weiterbetrieben werden.

Gasspeicher in Österreich voll

Österreich sei als Importland abhängig von den europäischen Rahmenbedingungen, da vor allem im Winter Strom aus den Nachbarländern importiert werden müsse, sagte APG-Technikvorstand Christiner. Das Land muss nach Angaben der Aufsichtsbehörde E-Control 16 Prozent des Strombedarfs importieren, 62 Prozent kommen aus Erneuerbaren Energien und 22 Prozent von den heimischen Gaskraftwerken.

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In Europa zeige sich insgesamt eine angespannte Lage durch den Ausfall vieler französischer Atomkraftwerke, durch die Dürre im Sommer und das Niedrigwasser in vielen Flüssen Europas sowie die reduzierten Gaslieferungen aus Russland. Europas größter Atomstromerzeuger Frankreich habe derzeit von seinen 61 Gigawatt an Produktionsleistung nur knapp unter 30 GW verfügbar, so der APG-Vorstand. Es sei davon auszugehen, dass es in diesem Winter rund 40 GW an verfügbarer AKW-Leistung in Frankreich zu den Spitzenzeiten im Januar geben werde.

In Deutschland bestehe die Gefahr, dass bei niedrigen Wasserständen der Flüsse nicht genug Steinkohle zu den Kraftwerken transportiert werden könne. "Gas wird in diesem Winter eine entscheidende Rolle für die Versorgungssicherheit spielen", sagte Christiner. Etwa ein Drittel der Speicherkapazitäten im Gasbereich müsse für die Stromversorgung herangezogen werden. Positiv sei zu erwähnen, dass die Erdgasspeicher des Landes voll seien und mit einer Reserve vorgesorgt worden sei. "Das gibt uns im Strombereich eine entsprechende Sicherheit", sagte der Manager.

Quelle: ntv.de, jog/rts

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