Wirtschaft

Deutsche Bank bestätigt Führungswechsel Brite Cryan übernimmt für Fitschen und Jain

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank ernennt den früheren UBS-Finanzchef John Cryan zum Nachfolger der derzeitigen Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Jain legt sein Amt Ende Juni vorzeitig nieder. Fitschen geht im Mai 2016.

Paukenschlag am Sonntag: Nur einen Monat nachdem die Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, eine neue Strategie für das größte deutsche Geldhaus ausgerufen hatten, haben sie überraschend ihre Rücktritte angekündigt.

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Jain wird zum 30. Juni 2015 zurücktreten, Fitschen zum Abschluss der nächsten Hauptversammlung im Mai 2016. Das teilte die Deutschen Bank mit. Aufsichtsratsmitglied John Cryan wurde gleichzeitig zum 1. Juli 2015 zum Co-Vorstandsvorsitzenden ernannt. Nach dem Ausscheiden von Fitschen soll Cryan dann alleiniger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank werden. 

Doppelspitze ade

Der Brite Cryan ist seit 2013 Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank und hat die Funktion des Vorsitzenden des Prüfungsausschusses inne. Er ist zudem Mitglied des Risikoausschusses. Mit Amtsantritt als Co-Vorstandsvorsitzender wird er sein Mandat als Mitglied des Aufsichtsrats der Bank niederlegen. Cryan war von 2008 bis 2011 Finanzvorstand der UBS. 

Der Aufsichtsrat habe Jain gebeten, bis Januar 2016 als Berater der Bank zur Verfügung zu stehen. Fitschen soll einen geregelten Übergang sicherstellen und bis zum Abschluss der Hauptversammlung am 19. Mai 2016 im Amt bleiben.

Jain und Fitschen seit Jahren in der Kritik

Die Rücktritte folgen auf eine Serie finanzieller Misserfolge und Geldstrafen, darunter 2,5 Milliarden Dollar wegen des Manipulierens wichtiger Referenzzinsen. Einige Großaktionäre hatten zuletzt immer lautstärker ihr Missfallen über die Performance der Bank und ihre Ungeduld mit den Plänen für einen Umschwung geäußert.

Bei der Hauptversammlung im Mai räumten Jain und Fitschen selbst ein, dass ihre bisherige Amtszeit seit Juni 2012 keine "reine Erfolgsgeschichte" gewesen sei. Der Abbau von Altlasten sei teurer und dauere länger als gedacht. Zudem habe das Management die neuen Vorgaben der Aufseher weltweit unterschätzt. Trotzdem seien die vergangenen drei Jahre "keine verlorene Zeit" gewesen, wie Fitschen bilanzierte: "Wir fühlen uns auf einer besseren Basis als vor drei Jahren." Beide Co-Chefs bekräftigten bei der Gelegenheit noch einmal, dass sie sich auf "dem richtigen Weg" fühlten.

Die Aktionäre überzeugte das nicht. Sie zeigten dem Führungsduo die Gelbe Karte: Jain und Fitschen wurden lediglich mit jeweils 61 Prozent entlastet. Üblich sind mindestens 90 Prozent. Direkte Folgen hatte das magere Ergebnis allerdings nicht, denn nur der Aufsichtsrat kann über eine Abberufung von Vorständen entscheiden.

Erste Reaktionen: Neues Potenzial

Heino Ruland von Ruland Research bewertete die angekündigten Rücktritte der Vorstandssprecher positiv. Sie seien "konsequent und richtig". Der Kurs der Aktie dürfte am Montag positiv reagieren, prognostizierte er. "Großaktionäre und Aufsichtsrat waren mit der Strategie unzufrieden", so der Analyst weiter. Die Bank habe nun die Chance auf eine strategische Neuausrichtung.

Auslöser sei vermutlich der Rücktritt von Vorstand Rainer Neske gewesen. "Der Abgang war ein Aderlass", sagte Ruland. Er habe gezeigt, wie umstritten die Strategie von Jain und Fitschen Richtung Private Banking gewesen sei.

Ein Vakuum befürchtet Ruland nicht, da Fitschen die Geschäfte bis zur nächsten Hauptversammlung im Mai 2016 noch leiten wird. "Damit kann die Bank in aller Ruhe ihre Leitung neu aufstellen", sagte er.

Quelle: ntv.de, ddi/DJ/rts

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