Wirtschaft

Digitalisierung der Arbeit Roboter sind doch keine Jobkiller

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Durch die technologische Entwicklung ist die Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften gestiegen, der Bedarf an Geringqualifizierten hat dagegen abgenommen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ob Maschinen des Menschen Freund oder Feind sind, wird spätestens seit der Erfindung der Dampfmaschine heiß diskutiert. Die Sorge, dass Roboter Jobs vernichten, entkräftet nun eine aktuelle Studie. Allerdings können nicht alle Berufsgruppen aufatmen.

Werden Maschinen den Menschen ersetzen? Seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert bestimmt diese Angst die öffentliche Debatte um die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung in der Arbeitswelt. Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liefert nun Antworten: Zwar stimmt es, dass im Zuge der technologischen Entwicklung Arbeitsplätze verschwinden. Entscheidend ist aber, dass gleichzeitig neue Jobs entstehen. Somit hat "technischer Fortschritt nicht zu weniger Arbeit geführt, sondern zu einer Umschichtung von Arbeitsplätzen und Arbeitskräften", schreiben die IAB-Forscher Hermann Gartner und Heiko Stübner.

Seit 1976 sind unter dem Strich sogar mehr Arbeitsplätze neu entstanden als weggefallen, heißt es in der Studie. Allerdings haben die neuen Jobs meist ein anderes Anforderungsprofil. So sind für Hochqualifizierte im Untersuchungszeitraum bis 2017 mehr Arbeitsplätze hinzugekommen als über die Jahre verschwunden. Bei Arbeitnehmern ohne Berufsausbildung verhält es sich dagegen genau umgekehrt.

Computer als Schreckgespenst

Politische und wirtschaftliche Faktoren führten in Deutschland in den vergangen Jahrzehnten immer wieder zu massivem Arbeitsplatzabbau. Anfang der 1980er-Jahre schnellte nach dem sogenannten zweiten Ölpreisschock die Zahl der Arbeitslosen in die Höhe. Zehn Jahre später nach der Wiedervereinigung verloren erneut viele Menschen ihre Jobs. Seit 2006 entwickelt sich der Arbeitsmarkt jedoch - lässt man das Rezessionsjahr 2009 außen vor - wieder positiv. Das führen die Wissenschaftler auf die Hartz-Reformen und die moderate Lohnentwicklung zurück.

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(Foto: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung)

Heute gilt: Von 100 Arbeitsplätzen fallen pro Jahr durchschnittlich 9,5 Arbeitsplätze weg. Gleichzeitig entstehen 9,7 neue. "Der deutsche Arbeitsmarkt konnte den Strukturwandel bislang alles in allem ausgleichen", schlussfolgern die IAB-Forscher. Technischer Fortschritt kann somit sowohl zu Entlassungen als auch zu Neuanstellungen führen. Ein Grund für die Schwankungen sind neue Produkte auf dem Markt, die bestehende verdrängen. Dabei spielt auch der Außenhandel eine große Rolle, wenn mehr Waren importiert werden.

Selbst die große Angst vor dem Computer als Jobkiller bewahrheitete sich nicht. Unkten Experten und Gewerkschaften 1970 noch, dass PCs in wenigen Jahren 80 Prozent der Arbeitsplätze vernichten würden, zeigt die IAB-Studie heute: Der Siegeszug der Computer hat den Arbeitsplatzabbau nicht beschleunigt und seit 2005 sogar verlangsamt.

Geringqualifizierte ziehen den Kürzeren

Geht man davon aus, dass Computer Jobvernichter sind, müsste der Stellenabbau in Branchen, die stark von der Digitalisierung betroffen sind, besonders massiv sein. Die Studie zeigt allerdings, dass dem nicht so ist. Im Gegenteil: In digitalisierungsfernen Branchen wie der Druck- und Textilindustrie fallen mehr Arbeitsplätze weg als neu geschaffen werden. Im verarbeitenden Gewerbe wurden innerhalb von 20 Jahren rund 270.000 Stellen abgebaut, während nur wenige dazukamen.

Die Verlierer des Strukturwandels sind eindeutig die Geringqualifizierten. Bei ihnen zeichnet sich ein bemerkenswerter Trend ab: Sowohl die Arbeitsplatzaufbau- als auch die -abbaurate sind über die Zeit gestiegen. Das bedeutet, dass durch die Digitalisierung zwar weiterhin viele Jobs mit geringem Anforderungsprofil entstehen, zum Beispiel in der Logistikbranche. Diese verschwinden jedoch bei zunehmender Automatisierung und Digitalisierung auch wieder schneller. Somit sinkt die Sicherheit und Stabilität des Arbeitsplatzes für Beschäftigte mit geringer Qualifikation.

Für die Zukunft prognostiziert die Studie große Umbrüche: Durch die Digitalisierung dürften rund 1,5 Millionen Stellen wegfallen, jedoch in ähnlichem Umfang auch neue Jobs entstehen. Damit Beschäftigte mit den Herausforderungen des digitalen Zeitalters schritthalten können, sind den Autoren zufolge Qualifizierungsmaßnahmen und Weiterbildungen entscheidend. So könne verhindert werden, dass ganze Wirtschaftszweige und die dort beschäftigten Menschen bei der vierten industriellen Revolution (Wirtschaft 4.0) den Kürzeren ziehen.

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Quelle: n-tv.de

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