Wirtschaft

Gates, Golf, Hoffenheim Ruhestand à la Dietmar Hopp

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Keine Zeit für Retrospektiven: Dietmar Hopp.

(Foto: dpa)

Seit 1998 ist SAP-Gründer Dietmar Hopp quasi im Ruhestand. Trotzdem hat er keine Zeit zum Fernsehen: Fußball, Golf und Biotech halten ihn auf Trab. Da werden selbst Porträts zum 75. Geburtstag zu einer Zukunftsvision.

Mit 79 Jahren ist Fifa-Präsident Joseph Blatter "viel zu alt, um wiedergewählt zu werden". Findet zumindest Mäzen Dietmar Hopp, Mäzen des Bundesligisten 1899 Hoffenheim. Blatter will sich beim Kongress des Fußball-Weltverbandes im Mai in seinem Amt bestätigen lassen. Da will es Hopp nicht versäumen, darauf hinzuweisen, dass er selbst bei dem von ihm mitgegründeten Softwareriesen SAP mit 58 Jahren "sehr bewusst" aus dem operativen Geschäft ausgestiegen ist.

Klingt nach einem geordneten Rückzug auf dem Zenit einer großen Karriere. Doch der bewusste Wechsel in den Aufsichtsrat 1998 verschaffte dem SAP-Rentner offensichtlich nur mehr Zeit, für seine anderen "Hobbys": Wie dem Mäzenatentum bei der TSG Hoffenheim. Der Gründung des Golf-Clubs St. Leon-Rot 1997. Und nicht zuletzt der 1995 gegründeten und nach ihm benannten Stiftung, die Projekte in den Bereichen Jugendsport, Medizin, Soziales und Bildung fördert.

Dietmar Hopp wird an diesem Sonntag 75 Jahre alt. Doch er kann sich nicht erinnern, sich etwa einmal hingesetzt und ferngesehen zu haben. Es sei denn, Hoffenheim spielt. Mit einem baldigen Rückzug bei seinen "Herzensangelegenheiten" ist nicht zu rechnen: Auf die Frage, ob zum Beispiel die Hoffenheimer ihn theoretisch irgendwann loswerden könnte, antwortete der Milliardär: "Das ist nicht ganz einfach. So schwierig, wie wenn Microsoft Bill Gates loswerden möchte."

Reichtum verpflichtet

Ähnlich wie sein Milliardär-Kollege Gates hält Dietmar Hopp nicht viel davon, sich auf seinem mit Hilfe des erfolgreichen Softwarekonzerns SAP verdienten Geld auszuruhen. Reichtum verpflichte, sagt Hopp gerne in Interviews: "Wenn man so viel besitzt, dass man es nicht ausgeben kann, ergibt es keinen Sinn, sein Vermögen in der Schweiz oder in Monaco zu bunkern."

Der Milliardär kommt laut US-Magazin "Forbes" auf ein Vermögen von rund sechs Milliarden. Hopp bleibt aber nicht auf dem Geld sitzen, der größte Teil, fünf Milliarden, steckt in seiner Stiftung, mit dem Rest wird fleißig investiert. Seit 1989 hat der frühere TSG-Stürmer etwa über 350 Millionen in den Klub aus Kraichgau gepumpt.

Trotzdem ist er vor Kritik nicht gefeit: So wird ihm etwa vorgeworfen, die Dietmar-Hopp-Stiftung nur gegründet zu haben, um Steuern zu sparen. Für den Mäzen ein absurder Vorwurf: "Natürlich zahlt die Stiftung keine Steuern, etwa wenn sie die Dividende aus SAP-Aktien erhält. Aber dieses Geld fließt komplett in soziale Projekte, etwa in den Bereichen Medizin und Sport", sagte Hopp dem "Handelsblatt".

1899 wird zur Erbmonarchie

Kritik gab es auch, als die TSG-Klubmitglieder Hopp zum ersten Privatier machten, der mehrheitlich über einen Profifußballclub herrscht. Dafür kippten die Mitglieder die "50+1"-Regel, die eine Stimmenmehrheit beim Mutterverein vorsieht, zugunsten von Dietmar Hopp und seiner Familie. Damit sind die Investitionen für die Familie Hopp selbst im Todesfall des Milliardärs nicht verloren. Der Ligaverband hatte erst im vergangenen Dezember ein solches Vorgehen ermöglicht. Zuvor konnten Mehrheiten außerhalb der Vereine nur durch Wirtschaftsunternehmen gehalten werden, wie zum Beispiel bei Bayer Leverkusen.

"Die Übernahme schützt den Kapitalgeber vor Entmündigung, das gilt auch für meine Erben", erklärte Hopp. "Es geht mir ganz und gar nicht um Macht." Doch diesen Teil seines Lebenswerks will Hopp nicht in fremden Händen sehen - sein Sohn Daniel gilt hier bereits als Kronprinz. Auch wenn die Inthronisierung wohl auf sich warten lassen wird: "Ich würde das gerne noch mit 85 Jahren machen, wenn es die Umstände zulassen."

Millionen von Gates

Weitere Herzensangelegenheit sind die Investitionen im Bereich Biotechnologien. Hier wollte Hopp ursprünglich nur 500 Millionen Euro investieren – mittlerweile sind es mehr als eine Milliarde Euro. Doch hatte der studierte Nachrichtentechniker in diesem Bereich nicht nur Glück: Von den 16 Biotechnologie-Firmen, in die Hopp investiert hat, sind sieben bisher erfolglos. Als größten Flopp sieht der Investor selber das Engagement in zwei Firmen, die sich auf die Gesundheitskarte konzentrierten.

Vor wenigen Wochen gelang Hopp dann ein Coup: Die Bill und Melinda Gates Stiftung stieg bei seiner Biotech-Firma Curevac mit ein. Mit 46 Millionen Euro ist die Investitionssumme nicht riesig, Hopp hat alleine schon 145 Millionen Euro investiert und will noch 21 Millionen draufpacken. Für Curevac ist der Gates-Einstieg aber ein derartiger PR-Schub, dass Hopp nun über einen Börsengang in Deutschland nachdenkt.

Bleibt wieder weniger Zeit, darüber zu sinnieren, wie es ihm und seinen ehemaligen IBM-Kollegen, darunter Hasso Plattner und Klaus Tschira, gelungen ist, in Waldorf einen Weltkonzern namens SAP aufzubauen. Vielleicht zum 85. Geburtstag, wenn er anfängt darüber nachzudenken, TSG Hoffenheim abzugeben. Bis dahin gibt es zu diesem Geburtstag erstmal eine Partie Golf auf eigenem Rasen. 180 Gäste sind geladen – ob sie das Geburtstagskind gewinnen lassen?

Quelle: ntv.de, mit rts/dpa