Wirtschaft

Analysten erwarten Börsenkorrektur Sommergewitter mit Ansage

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Folgt auf die Hitze die kalte Dusche?

(Foto: dpa)

Momentan geht es an den Aktienmärkten aufwärts. Doch viele Experten raten dazu, die Kursteigerungen mit Vorsicht zu genießen. Womöglich stehen die USA sogar vor einer Rezession.

Trotz der schlechten US-Arbeitsmarktdaten schnuppert der S&P-500 am Rekordhoch. Umso überraschender ist es, dass immer mehr Experten mit Blick auf den Aktienmarkt skeptisch werden. Zuletzt sorgte der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock für Aufsehen, als er nicht nur den US-Markt, sondern gleich den weltweiten Aktienmarkt abgestuft hat. "Die Bewertung der US-Aktien ist erhöht", schreibt Richard Turnill, Investmentstratege bei BlackRock. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,8 auf Basis der Gewinnschätzungen der nächsten zwölf Monate ist der S&P 500 so hoch bewertet wie selten zuvor.

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Entsprechend sorglos ist die Stimmung am US-Aktienmarkt nach der Kursrally, was aber wiederum als Warnsignal verstanden werden kann. "Beim US-Volatilitätsbarometer VIX wird diese Sorglosigkeit besonders sichtbar, da er mit rund 13 Prozent am Jahrestief notiert und aktuell nur eine sehr geringe Unsicherheit widerspiegelt", erklärt Christian Köker, Zertifikateexperte bei HSBC in Düsseldorf. Genau das sind aber die Zeiten, in denen die Stimmung kippen und der Markt eine Verschnaufpause einlegen kann.

Hinzu kommt, dass eine hohe Bewertung am Aktienmarkt kein Problem war, solange die Notenbank nicht an der Zinsschraube gedreht hat. Sollte die Fed zur Jahresmitte aber zur Tat schreiten, bekäme der S&P-500 Gegenwind. "Wir erwarten, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr ein oder zwei Mal anheben wird", betont Turnill. Die mögliche Erhöhung zur Jahresmitte käme zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, zeigen doch viele Konjunkturdaten, dass sich die Wirtschaft zusehends abkühlt.

So haben Volkswirte die Prognose für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2016 mit 1,8 Prozent auf ein neues Tief gesenkt. Je trüber aber die Perspektiven für die mit Abstand größte Volkswirtschaft der Welt werden, umso trüber werden auch die Gewinnperspektiven der Unternehmen aus dem S&P-500, erzielen sie doch 52 Prozent ihrer Erlöse auf dem Heimatmarkt.

Stehen die USA vor einer Rezession?

Etliche Analysten sprechen inzwischen sogar davon, dass die Wirtschaft in die Rezession abgleiten könnte. Sie liegt vor, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge gegenüber dem jeweiligen Vorquartal schrumpft. "Unser bevorzugter Konjunkturindikator zeigt an, dass die Wahrscheinlichkeit für eine US-Rezession, die in den nächsten zwölf Monaten beginnt, auf 36 Prozent gestiegen ist", schreiben die Analysten von JP Morgan.

Sie hatten Anfang Mai aufhorchen lassen, als Aktienstratege Mislav Matejka "zum ersten Mal in diesem Zyklus" den weltweiten Aktienmarkt auf "untergewichtet" abgestuft hatte. Zwar hätte sich der weltweite Aktienmarkt erholt, "unserer Meinung nach haben sich die Fundamentaldaten bei Wachstum, Gewinnen und Rezessionsrisiko aber nicht verbessert, sondern wenn überhaupt dann verschlechtert", schrieb Matejka. Falls die Rezession noch in diesem Jahr eintreten sollte, könne der S&P-500 bis auf 1.400 oder 1.500 Punkte fallen. Mitte Mai hatten dann auch die Analysten von Goldman Sachs den weltweiten Aktienmarkt mit Sicht auf zwölf Monate auf "neutral" abgestuft.

Sollte tatsächlich eine Rezession heraufziehen, würden sich die Gewinnperspektiven für die US-Firmen noch weiter eintrüben. Dabei waren schon im ersten Quartal 2016 die Gewinne der S&P-500-Unternehmen das vierte Quartal in Folge gegenüber dem Vorjahr gesunken. Eine ähnlich schlechte Entwicklung hatte es zuletzt zwischen dem vierten Quartal 2008 und dem dritten Quartal 2009 gegeben.

Für das zweite Quartal 2016 sagen Analysten einen weiteren Ergebnisrückgang voraus. Wenn die Gewinne zwei Quartale in Folge unter dem Vorjahr liegen, sprechen Experten bereits von einer Gewinnrezession. "Zinserhöhungen während Gewinnrezessionen gehen üblicherweise nicht gut aus für den Aktienmarkt", schreiben die Analysten der Bank of America Merrill Lynch.

Bleibt die Frage, wie es beim S&P 500 weitergeht. Sollte der S&P 500 neue Rekordhochs erreichen, könnten etliche der Skeptiker zähneknirschend auf den fahrenden Zug aufspringen. Das könnte sich aber als Bullenfalle herausstellen. Demnach käme es zu einem Fehlausbruch nach oben, woraufhin ein deutlicher Kursrückgang folgen würde. Dieses Szenario erscheint selbst vielen Finanzprofis deutlich wahrscheinlicher als eine weitere Hausse.

Quelle: n-tv.de, hvo/shu

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