Wirtschaft

Komplizierte Verrechnung Strafe könnte Apple in den USA Geld bringen

Mit Unmut reagieren die USA auf die von der EU gegen den Technologiekonzern Apple verhängte Milliarden-Strafe. Denn der Konzern könnte nun daheim einen Teil der dortigen Abgaben zurückfordern. Sicher ist nur, der Streit hat erst begonnen.

Der US-Technologiekonzern Apple könnte von einer milliardenschweren Steuernachzahlung in Irland zu Hause profitieren: Durch die von der EU-Kommission angeordneten Steuernachforderung in Höhe von 13 Milliarden Euro dürfte die Rechnung des Konzerns von den amerikanischen Steuerbehörden sinken. Wenn ein US-Unternehmen im Ausland Steuern auf Gewinne zahlt, schuldet das Unternehmen Onkel Sam nur die Differenz zwischen den gezahlten Steuern und der Steuerquote in den USA. Im Fall von Apple könnte die Erfassung einer Steuerlast im Ausland zu einer Steuergutschrift im Inland führen, sagt der Steuerberater Robert Willens. "Der Steuernachteil würde ausgeglichen durch eine Steuervorteil", sagte er. "Das ist aus Sicht einer Gewinn- und Verlustrechnung nicht nachteilig."

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Apple müsste allerdings in den USA eine Steuerrechnung erhalten, in der sich das spiegelt, am ehesten durch eine Rückführung von ausländischen Gewinnen. Viele multinationale Konzerne - auch Apple - geben allerdings an, dass ihre im Ausland erzielten Gewinne auf unbestimmte Zeit im Ausland reinvestiert sind.

Apples Auslandstöchter verfügten zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres, das 26. September 2015 ablief, 186,9 Milliarden Dollar an Barmitteln und marktgängigen Wertpapieren. Von dieser Summe legte Apple 91,5 Milliarden Dollar als dauerhaft reinvestiert zurück. 

Derweil hat das US-Finanzministerium die Steuerermittlungen der EU kritisiert. Rückwirkende Steuerbelastungen seien unfair, sagte eine Sprecherin. Ausgehend davon, wie multinationale Unternehmen ihre Einnahmen und Steuern buchen, ist die Nachforderung in Europa für die US-Regierung nachteilig. "Die Steuern, die sie in Irland zahlen, werden die Steuern verringern, die sie in den USA zahlen", sagte Willens.

Allerdings könnten die USA auch anfechten, ob die von Apple geforderte Zahlung korrekt als Steuernachforderung klassifiziert ist, oder ob sie de facto eine Strafe ist. Letztere würde nicht zu einer Steuergutschrift führen, sagte Stephen Brecher, Seniorberater bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft WeiserMazars LLP.

Dass Irland selbst behauptet, seine Steuergesetze richtig angewendet zu haben, ist ein weiterer Faktor, der die Unsicherheit erhöht. Es ist unklar, ob die US-Behörden die Zahlung als Einkommensteuer anerkennen, selbst wenn Irland seine Position ändert und die Zahlung einfordere, sagte Brecher.

Bislang ist der US-Konzern fest entschlossen gegen die Entscheidung der EU-Kommission in Berufung zu gehen. Das Verfahren könnte sich laut einigen Beobachtern Jahre hinziehen. "Es steht außer Frage, dass diese Geschichte eher noch am Anfang statt zu Ende ist", sagte Manal Corwin von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. "Internationale Steuern werden immer kompliziert sein und zu versuchen, in einer ungleichen Welt einheitliche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, ist eine monumentale Aufgabe. Die echte Gefahr besteht darin, ein unsicheres Umfeld für multinationale Unternehmen zu schaffen, die kreativ sein, aber auch Gesetze einhalten wollen", sagte Corwin.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ

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