Wirtschaft

"Brutal ehrlich" Twitter-Chef vernichtet fünf Milliarden Dollar

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Jack Dorsey.

(Foto: REUTERS)

Innerhalb einer Stunde lösen sich mehrere Milliarden Dollar Börsenwert in Luft auf. Twitter-Chef Dorsey und seinem Finanzvorstand gelingt dieses außerordentliche Kunststück durch ein denkwürdiges Gespräch mit Analysten.

So richtig begeistert von Twitter scheinen Unternehmenschef Jack Dorsey und Finanzvorstand Anthony Noto nicht zu sein. Hatte die Börse die Vorlage der Quartalszahlen noch mit einem satten Kursplus gefeiert, sorgten beide Manager im obligatorischen Gespräch mit Analysten kurz darauf für Ernüchterung.

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In Zahlen ausgedrückt: Der Börsenwert von Twitter schrumpfte um satte 5,2 Milliarden US-Dollar. Von einer Bewertung von rund 26,5 Milliarden auf knapp 21,3 Milliarden Dollar – dafür reichte Dorsey und Noto eine Stunde.

"Menschen in aller Welt kennen Twitter. Aber es ist nicht klar, warum sie Twitter nutzen sollten", sagte Dorsey, der das Unternehmen mitgegründet hat. "Das ist nicht akzeptabel, und wir sind damit nicht glücklich." Noto setzte noch einen drauf: "Ganz einfach: Das Produkt ist weiterhin zu schwer zu nutzen." Außerdem wies der Finanzchef auf eine "dramatische Verlangsamung" des Nutzerwachstums hin. Das Bemühen, neue Nutzer zu gewinnen, habe bislang keine nennenswerte Wirkung gezeigt.

Und damit sorgten sie bei Anlegern für schlechte Laune. Zuvor hatten sie noch regelrecht euphorisch reagiert, weil Twitter den Umsatz im zweiten Quartal überraschend kräftig gesteigert hatte – er kletterte um 61 Prozent auf 502 Millionen Dollar. Da fiel es augenscheinlich weniger ins Gewicht, dass Twitter weiterhin Geld verbrennt: Der Verlust betrug zwar 137 Millionen Dollar. Doch vor einem Jahr hatte er noch bei 145 Millionen gelegen.

Als "brutal ehrlich" bezeichnete der "Business Insider" den Auftritt der beiden Manager. Das sah die Börse wohl ähnlich: Mit einem Plus von mehr als 5 Prozent war die Aktie aus dem Handel gegangen. Nachbörslich verlor sie knapp 12 Prozent an Wert.

Der denkwürdige Auftritt könnte Twitter langfristig durchaus von Nutzen sein. Denn Dorsey führt das Unternehmen nur übergangsweise. Er ist als Zwischenlösung eingesprungen, nachdem Dick Costolo Anfang des Monats zurückgetreten war. Dorseys Botschaft: Mit seinem Nachfolger kann es nur besser werden.

Quelle: ntv.de, jga/dpa/rts

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