Wirtschaft

Drei Schritte 2017 möglich US-Notenbank erhöht Leitzins

In kleinen Schritten Richtung Normalität: Die US-Notenbank schraubt ihren Leitzins leicht nach oben. Spannend bleibt, wie es im kommenden Jahr weiter geht. Die große Unbekannte ist die Wirtschaftspolitik von Donald Trump.

Zum zweiten Mal seit der Finanzkrise hat die US-Notenbank Fed ihren Leitzins erhöht. Die Federal Reserve hob den Leitzins erstmals seit einem Jahr leicht um 0,25 Prozentpunkte an. Der Leitzins bewegt sich damit künftig in einem Korridor zwischen 0,5 und 0,75 Prozent, wie die Federal Reserve nach der Sitzung ihres Offenmarkt-Ausschusses in Washington mitteilte. Die Entscheidung wurde von den derzeit zehn Ausschuss-Mitgliedern einstimmig getroffen.

Der Erhöhung - der erst zweiten seit 2006 - sollen im kommenden Jahr drei weitere Zinsschritte folgen. Die Märkte hatten nur mit zwei Anhebungen im Jahr 2017 gerechnet. "Wir haben deutliche Fortschritte hin zu unseren Ziel der Maximalbeschäftigung und einer Inflation von zwei Prozent gemacht", sagte Fed-Chefin Janet Yellen.

Die US-Notenbank setzt damit ihren Kurs fort, die Geldpolitik nach der Finanzkrise zu normalisieren. Vorausgegangen waren Jahre des ultralockeren Liquiditätsflusses, mit dem Ziel, den stotternden Konjunkturmotor auf Laufen zu halten. Yellen sieht den Leitzins am Ende des Jahres 2017 bei 1,4 Prozent, bei 2,1 Prozent Ende 2018 und bei 2,9 Prozent am Ende des folgenden Jahres.

Die Frage, ob der etwas schnellere Normalisierungskurs auch eine Folge des Wahlsieges von Donald Trump sein könnte, beantwortete sie nicht. "Die Zinserhöhung ist eine Reflektion der Tatsache, dass die Wirtschaft deutliche Fortschritte gemacht hat", sagte sie lediglich.

Unsicherheit hinsichtlich Trumps Wirtschaftspolitik

Unklar blieb damit, inwieweit die Wirtschaftspolitik der neuen US-Regierung um den künftigen Präsidenten Trump die künftige Geldpolitik beeinflussen wird. "Ein möglicher, vorübergehender Schub für Wachstum und Inflation könnte zu mehr Zinsschritten im Jahr 2017 führen als zunächst erwartet", sagte der Chef-Volkswirt der Münchner Rück, Michael Menhart.

Die Unsicherheit hinsichtlich Trumps Wirtschaftspolitik überwiege jedoch weiterhin. Zuletzt hatte sich vor allem der US-Arbeitsmarkt als sehr stabil erwiesen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 4,6 Prozent. Auch die Inflation zieht langsam an, weil die höhere Beschäftigung zu höheren Einkommen führt. Außerdem sind Energie- und Rohstoffpreise wieder leicht im Aufwärtstrend.

Ihre Absicht, bereits früher im Jahr 2016 an der Zinsschraube zu drehen, hatte die Fed fallen lassen müssen. Unter anderem sprachen auch weltwirtschaftliche Gründe dagegen. Die US-Zinspolitik hat vor allem in Entwicklungsländern große Auswirkungen, weil dort viele Geschäfte in US-Dollar abgewickelt werden und auch Schulden in der US-Währung auflaufen.

Ifo-Chef lobt Fed-Schritt

In Europa hatte die Europäische Zentralbank erst vorige Woche ihre ohnehin extrem weit geöffneten Geldschleusen noch einmal ein Stück weiter geöffnet und neue Anleihekäufe im Milliardenvolumen angekündigt. Eine Zinserhöhung in der Eurozone liegt damit noch in weiter Ferne. Eine zu große Lücke zwischen europäischem und US-amerikanischem Zinsniveau wäre eine weitere Belastung für die Gemeinschaftswährung Euro.

Der Präsident des Münchner Ifo-Institutes, Clemens Fuest, bezeichnete die Entscheidung der Federal Reserve als Schritt in die richtige Richtung. Es müssten weitere folgen. "Die Inflationsrate in den USA steigt, und es ist wichtig, dass die Geldpolitik rechtzeitig gegensteuert", sagte Fuest.

Klaus Wiener, Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, begrüßte die Anhebung sogar als überfällig. Negative Realzinsen wie in der Finanzkrise seien nicht mehr erforderlich. Mit Blick auf mögliche Inflationsgefahren seien sie sogar gefährlich.

"Yellen wollte niemanden irritieren"

"Janet Yellen hat dem Markt geliefert was gewünscht war. Mit Blick auf 2017 hält sie sich bedeckt und deckt ihre Karten nicht auf. Weitere Zinserhöhungen sind möglich, die US-Notenbank stellt bis zu drei Zinsschritte 2017 in Aussicht, sie sind jedoch kein Naturgesetz", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research gegenüber n-tv.de.

"Für die Aktienmärkte ergibt sich erst einmal ein ganz sanfter Freudensprung und darauf folgend erste Gewinnmitnahmen. Dies läutet damit schon vorab eine traditionell komplizierte Vorweihnachtswoche ein. Der Euro gerät leicht unter Druck, jedoch ist nur alles Positive für den US-Dollar aus dem Sack. Die Parität scheint möglich, doch auch diese ist keine ausgemachte Sache. Dafür sind für die FED noch zu viele Türen in Sachen Zinspolitik 2017 offen. Am Aktienmarkt gilt: Die Jahresendrally ist in großen Teilen gelaufen, jetzt wird nur noch das berühmte Window-Dressing bei einzelnen Aktien erfolgen. Janet Yellen wollte vor Weihnachten niemanden über Gebühr irritieren und dies ist ihr wie immer gelungen."

Quelle: n-tv.de, wne/dpa

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