Wirtschaft

Verbraucher, Aktionäre, Staaten VW drohen Entschädigungen in Rekordhöhe

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In Deutschland sind rund 2,8 Millionen VW-Autos vom Abgas-Skandal betroffen.

(Foto: imago/Reiner Zensen)

Im Abgas-Skandal bei Volkswagen ist noch völlig unklar, wie hoch die Zahlungen sind, die auf den Konzern zukommen. VW-Fahrer und Aktionäre wollen Entschädigung, Staaten kündigen Strafen an und fordern Steuernachzahlungen.

Mit wie viel Geld rechnet VW?

Nach den Worten von VW-Chef Matthias Müller muss der Konzern mit "erheblichen Strafzahlungen rechnen". Die 6,5 Milliarden Euro, die VW bereits zurückgestellt hat, reichen Müller zufolge nicht für die Bewältigung des Skandals aus.

Was droht VW von staatlicher Seite?

Der dickste Brocken wartet für die Wolfsburger wohl in den USA. Die Strafe für die Manipulationen liegt bei bis zu 18 Milliarden Dollar. Auch in anderen Ländern drohen VW empfindliche Geldbußen: Für jedes Auto, indem die Manipulationssoftware genutzt wurde, könnte in Australien eine Strafe von umgerechnet 687.800 Euro fällig werden - insgesamt 91.000 Autos sind dort betroffen. Weitere Strafen in weiteren Ländern könnten folgen. Im US-Bundesstaat Texas etwa hat ein Landkreis VW verklagt, weil der Autobauer die Verbesserung der Luftqualität untergraben habe. Harris County fordert umgerechnet rund 89 Millionen Euro für die etwa 6000 VW-Diesel-Fahrzeuge, die dort verkauft wurden.

Muss VW-Schadenersatz an VW-Fahrer zahlen?

In Deutschland, wo rund 2,8 Millionen VW-Autos vom Skandal betroffen sind, ist dies noch unklar. Eine erste VW-Käuferin reichte aber bereits eine Klage gegen den Konzern ein und forderte eine Rückabwicklung des Kaufs sowie Schadenersatz. Sie wirft VW vor, dass durch die anstehende Nachbesserung Motorleistung, Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit sowie weitere wichtige Parameter ihres Fahrzeugs sinken und der Kraftstoffverbrauch steigen werden. In den USA wurden schon hunderte Sammelklagen gegen VW eingereicht. Auch in anderen Ländern drohen Klagen.

Was droht VW von Seiten der Aktionäre?

Alle börsennotierten Unternehmen sind durch das Wertpapierhandelsgesetz verpflichtet, die Aktionäre in einer sogenannten Ad-hoc-Mitteilung über wesentliche Ereignisse zu informieren, die Einfluss auf den Aktienkurs haben können. VW wird vorgeworfen, genau dies nicht getan zu haben und Anteilseignern Informationen vorenthalten zu haben. Hier können Aktionäre mit ihrer Klage ansetzen. Erste Klagen in Deutschland wurden bereits auf den Weg gebracht.

Wann hätte VW die Aktionäre über die Manipulationen informieren müssen?

Der Zeitpunkt ist umstritten. Fest steht, dass VW gegenüber der amerikanischen Umweltbehörde am 3. September die Manipulationen einräumte, den Kapitalmarkt aber erst zwei Wochen später informierte. Die deutsche Anwaltskanzlei Tilp, die einen VW-Aktionär vertritt, geht sogar davon aus, dass VW seine Teilhaber bereits 2008 hätte informieren müssen. Laut Müller handelte VW nicht zu spät. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er: "Unsere Rechtsauffassung besagt, dass wir rechtzeitig informiert haben".

Wie teuer werden die Aktionärs-Klagen für VW?

Die Gesamtsumme ist schwer zu beziffern. Laut der Kanzlei Tilp dürfte es in Deutschland für Aktionäre möglich sein, den Kurssturz-Schaden zurückzubekommen. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von 2011 mache dies möglich. Konkret heißt das: Aktionäre, die VW-Aktien zwischen einer mutmaßlich unterlassenen Ad-hoc-Meldung - beispielsweise am 3. September 2015 - und dem Bekanntwerden der Manipulationsaffäre am 18. September gekauft haben, können die durch den Kurssturz verlorene Summe zurückfordern. Im Vergleich zum Kurshoch im März dieses Jahres verlor VW fast 50 Milliarden Euro an Börsenwert.

Quelle: n-tv.de, Michael Rebmann, AFP

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