Wirtschaft

Pilotprojekt in Griechenland VW macht aus Ägäis-Insel smartes E-Paradies

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Volkswagen hat die ersten vier Elektro-Fahrzeuge der Typen ID.3 und ID.4 überreicht. Sie werden bei örtlichen Behörden wie der Polizei, der Gemeindeverwaltung und der Hafenpolizei eingesetzt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Volkswagen startet auf einer kleinen Insel in der Ägäis einen Testlauf für das Programm "Greece 2". Innerhalb von fünf Jahren soll sich das Urlaubsparadies mit Unterstützung Athens in eine reine Elektroinsel verwandeln. Die Bedeutung des Vorhabens reiche weit über Griechenland hinaus, betont Volkswagen.

Die griechische Regierung und der deutsche Autobauer Volkswagen haben gemeinsam den Startschuss für die Elektrifizierung der griechischen Insel Astypalea gegeben. Am Mittwoch wurden dafür die ersten E-Fahrzeuge in Betrieb genommen - darunter das erste vollelektrische Polizeiauto Griechenlands.

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VW-Chef Herbert Diess (r) mit dem griechischen Ministerpräsidenten, Kyriakos Mitsotakis.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ziel ist es, dass Astypalea in den kommenden Jahren schrittweise ein völlig neues Verkehrssystem mit E-Autos, -Bussen und -Rollern und E-Bikes erhält und zudem seine Energie künftig allein aus Ökostrom bezieht. Mitfahrdienste und Car-Sharing sollen außerdem das bislang kaum entwickelte öffentliche Nahverkehrssystem ergänzen und attraktiver machen. Dadurch soll der Individualverkehr verringert werden. Insgesamt wollen Athen und VW hierfür rund zehn Millionen Euro auf der Insel investieren.

Die Bedeutung des Projekts reiche weit über Griechenland hinaus, betonte Volkswagen. Astypalea sei ein "Zukunftslabor für die Dekarbonisierung in Europa", so Herbert Diess anlässlich des feierlichen Projektstarts, bei dem der Konzern-Chef die ersten vier Elektro-Fahrzeuge der Typen ID.3 und ID.4 überreichte. Sie werden bei örtlichen Behörden wie der Polizei, der Gemeindeverwaltung und der Hafenpolizei eingesetzt. Dies seien die Anfänge einer Transformation, die Astypalea in den kommenden Jahren grundlegend verändern werde. "Auf der Insel erforschen wir in Echtzeit, was die Menschen zum Umstieg auf die E-Mobilität bewegt und welche Anreize es für den Übergang zu einem nachhaltigen Lebensstil braucht."

Regierungschef Kyriakos Mitsotakis erinnerte zum Auftakt daran, dass Astypalea als Schmetterlingsinsel bekannt sei, ihr Umriss auf Satellitenaufnahmen und Landkarten gleicht einem Falter. Der Schmetterling sei ein gutes Bild für die Verwundbarkeit des vom Klimawandel bedrohten Planeten, mahnte er. "Wir haben keine Zeit, wir müssen schnell handeln."

Das Projekt auf der Ägäis-Insel gehört zu Griechenlands nationalem Aufbau- und Resilienzprogramm "Greece 2.0", mit dem das Land die Weichen zur Klimaneutralität und Digitalisierung stellen will. Erst vor wenigen Wochen hatte Premier Mitsotakis angekündigt, dass Griechenland den Ausstieg aus der Kohleverstromung von 2028 auf 2025 vorziehen wird. "Was wir in Astypalea umsetzen, weist den Weg in eine Welt, die grüner, sauberer und nachhaltiger ist", so Mitsotakis am Mittwoch.

Um gezielte Erkenntnisse aus der geplanten Transformation zu gewinnen, wird das Projekt von einer wissenschaftlichen Studie der University Strathclyde in Schottland und der griechischen Universität der Ägäis begleitet. Dabei sollen die Bewohner Astypaleas und ihre Einstellung zu diesem Wandel im Mittelpunkt stehen, aber auch die Reaktionen der etwa 70.000 Touristen dokumentiert werden, die im Sommer nach Astypalea kommen.

"Greece 2.0": Weitere Inselprojekte sind bereits geplant

Insgesamt müssen rund 1500 Verbrenner durch E-Mobile ersetzt werden - die griechische Regierung unterstützt die Einwohner bei der Anschaffung mit Prämien von bis zu 12.000 Euro. Der Kauf eines E-Taxis wird mit 15.000 Euro bezuschusst. Die Summen sind doppelt so hoch, wie die in Griechenland sonst üblichen Förderungen für E-Autos. Auch ein flächendeckendes Netzwerk aus privaten und öffentlichen Ladestationen soll auf der Insel entstehen. Die ersten zwölf Ladesäulen stehen bereits. Betrieben werden sollen die Fahrzeuge allein mit Ökostrom aus Solarkraftwerken und Windturbinen. Bis 2023 ist hierfür ein neuer Solarpark geplant, der rund drei Megawatt Grünstrom liefern und nicht nur den gesamten Bedarf der E-Mobile, sondern auch mehr als die Hälfte des Inselbedarfs abdecken soll. Eine weitere Säule des Mobilitätskonzepts für Astypalea sind Feldversuche zum autonomen Fahren. Dazu muss allerdings erst einmal das 70 Kilometer lange Straßennetz der Insel erneuert werden.

Bislang wird die Insel in der südlichen Ägäis nahezu ausschließlich mit Strom aus Diesel-Generatoren versorgt, die CO2-Emissionen belaufen sich laut Volkswagen auf fast 5000 Tonnen pro Jahr. Ziel des Projekts ist es, die CO2-Emissionen der Insel bis 2026 um 80 Prozent und die Energiekosten um 30 Prozent zu senken.

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Mit knapp 100 Quadratkilometern hat Astypalea eine Fläche ähnlich der von Sylt, jedoch nur rund 1300 Einwohner. Sylt dagegen hat rund 18.000 Bewohner. Laut Vize-Außenminister Costas Fragkogiannis, der für die Wirtschaftsdiplomatie verantwortlich ist, fiel die Wahl auf Astypalea wegen der Größe. Auf dieser überschaubaren Insel könne man das Energiesystem und die Mobilitätsangebote "vollständig umstellen und gut beobachten, wie das Projekt die Gemeinschaft verändert".

Die griechische Regierung plant bereits weiter. Auf der Insel Chalki, 37 Quadratkilometer westlich von Rhodos, wo nur etwa 500 Einwohner leben, soll das nächste Pilotprojekt starten. Als Partner hat Athen angeblich bereits die französische Automobilmarke Citroen, den Baukonzern Vinci und das auf klimaneutrale Energieerzeugung spezialisierte Unternehmen Akuo Greece gewonnen. Die Vereinbarung soll voraussichtlich noch im Juni unterzeichnet werden.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa

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