Wirtschaft

Wie viel wusste Winterkorn? VW spricht von "reiner Spekulation"

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Wusste er da schon über die Manipulationen Bescheid? Martin Winterkorn, hier vor der Hauptversammlung im Mai 2015, saß bei VW bis Ende September am Steuer.

(Foto: REUTERS)

Die Aufklärung des VW-Abgas-Skandals kommt nur zäh voran. Kurz vor dem Fristende für aussagewillige VW-Mitarbeiter kommen neue Vorwürfe ans Licht. Ex-VW-Lenker Winterkorn soll angeblich bereits vor Monaten informiert gewesen sein.

Die VW-Führung soll einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge möglicherweise bereits im Frühjahr von Abweichungen bei CO2-Werten einzelner Automodelle gewusst haben. Der damalige Konzernchef Martin Winterkorn habe wegen auffälliger Messwerte den Verkauf des Polo TDI "BlueMotion" gestoppt, heißt es.

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Ein VW-Sprecher bezeichnete diese Darstellung jedoch als "reine Spekulation". Das Auto sei wegen der zu geringen Nachfrage vom Markt genommen worden. Unabhängig davon werde seit Bekanntwerden der Abweichungen bei CO2-Abgaswerten geprüft, welche Modelle betroffen sind. "Ob bei diesem Modell die CO2-Angaben vom Katalogwert abweichen, ist Gegenstand der aktuell laufenden Untersuchungen", ließ der Autohersteller mitteilen.

Anfang November hatte VW neben den bekannten Abgas-Manipulationen bei Diesel-Motoren auch "Unregelmäßigkeiten" beim CO2-Ausstoß öffentlich gemacht. Betroffen sind bis zu 800.000 Wagen der Marken VW, Audi, Seat und Skoda. Die neuen Vorwürfe aus der "Bild am Sonntag" erreichen den Weltkonzern kurz vor dem Auslaufen einer wichtigen Frist.

Nutzloses Amnestieprogramm?

Zu Beginn kommender Woche endet das Amnestieprogramm innerhalb des VW-Konzerns: Das Angebot für Tarifbeschäftigte, das bei der Aufklärung der Affäre helfen sollte, läuft aus - und wird wohl nicht verlängert. Bisher hätten sich rund 50 Mitarbeiter beteiligt, berichtet die "Welt am Sonntag".

Grundlegend neue Erkenntnisse habe es dabei nicht gegeben, zitiert das Blatt einen Manager. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa steht eine mögliche Ausweitung des Programms nicht zur Debatte. Allerdings heißt es in Unternehmenskreisen auch, dass die vergleichsweise kleine Zahl der Teilnehmer die These erhärte, dass nur wenige Mitarbeiter in die Manipulationen verstrickt sein könnten.

Das Programm versprach Tarifbeschäftigten bei vollständiger und wahrheitsgemäßer Aussage den Verzicht auf "arbeitsrechtliche Konsequenzen, wie Kündigungen, noch die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen." Zudem wies der VW-Konzern auch darauf hin, dass er keinen Einfluss auf die Ermittlungen von Behörden hat, also die Regelungen nicht vor einer möglichen Strafverfolgung schützen.

Tag der Wahrheit am Mittwoch

Die Beschäftigten werden an diesem Mittwoch im Stammwerk Wolfsburg von Betriebsräten, Managern und Aufsichtsräten über den Stand der Dinge informiert. Unter anderem soll auch Großaktionär und Aufsichtsrat Wolfgang Porsche eine Rede halten.

Am Donnerstag muss sich Audi-Chef Rupert Stadler laut "Süddeutscher Zeitung" im Aufsichtsrat der Nobelmarke erklären. Der Manager, der auch VW-Konzernvorstand ist, solle erklären, warum die Nobelmarke erst den Einsatz von Software, die in den USA als illegal gilt, dementierte - dann aber die Nutzung vor wenigen Tagen doch einräumen musste.

Ingolstadt auf Schlingerkurs

Zudem wolle der Audi-Aufsichtsrat wissen, was das Unternehmen tue, um die Schuldigen zu finden, berichtet die SZ. Forderungen nach personellen Konsequenzen bei der Ingolstädter Tochter werde es erst geben, "wenn alles auf dem Tisch" liege, zitiert das Blatt Mitglieder des Gremiums.

Bei Audi hatten Arbeitnehmervertreter bereits eine lückenlose und genaue Aufklärung von der Führung in Ingolstadt verlangt. Nach dpa-Informationen löste das Vorgehen in Teilen des VW-Aufsichtsrats Unverständnis aus. Das mächtige Kontrollgremium von Europas größtem Automobilkonzern tagt am 9. Dezember.

Dort wird wohl auch die Entscheidung über einen neuen Personalvorstand für den Konzern fallen. Der 66 Jahre alte Horst Neumann war aus Altersgründen aus dem Amt geschieden, ursprünglich hatte es schon bei der letzten Sitzung im November eine Entscheidung zur Nachfolge geben sollen. Der Posten gilt als wichtiges Ressort im Vorstand des Volkswagen-Konzerns, bei dem die IG Metall und der Betriebsrat eine machtvolle Position haben. Gerade angesichts der Abgaskrise kommt auf den neuen Personalchef oder die neue Personalchefin eine Menge Arbeit zu.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa