Wirtschaft

Brief aus Wolfsburg an die Händler VW verhängt teilweisen Verkaufsstopp

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Der Schritt kommt spät: Volkswagen stoppt den Neuwagenverkauf für eine "sehr begrenzte Anzahl an Fahrzeugen".

(Foto: dpa)

Europas größter Automobilkonzern geht auf Nummer sicher: Der Verkauf der vom Abgas-Skandal betroffenen Fahrzeugmodelle liegt ab sofort in allen 28 EU-Staaten auf Eis. Dies gilt auch für Neuwagen, die bereits beim Händler stehen.

Volkswagen hat einen EU-weiten Verkaufsstopp für Neuwagen mit Manipulations-Software verhängt. In einem Schreiben informierte der Konzern VW-Händler über den Schritt, wie ein Sprecher bestätigte. Zuvor hatte das Branchenblatt "Automobilwoche" darüber berichtet.

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In einzelnen Ländern war der Verkauf von betroffenen Dieselautos bereits vor Wochen eingestellt worden. Jetzt stellt der Hersteller die Auslieferung betroffener Modelle in allen EU-Staaten ein. Der Verkaufsstopp in EU-Ländern gelte auch für Neuwagen, die bereits beim Händler stehen, erklärte der Sprecher.

Es handle sich dabei um eine "sehr begrenzte Anzahl an Fahrzeugen", denn viele neue Dieselwagen erfüllen die Abgasnorm Euro-6 und sind von der software-gesteuerten Manipulation der Abgaswerte nicht betroffen.

Die Diesel-Affäre hatte VW-Kunden bislang nur durch Rückrufaktionen unmittelbar betroffen. Mit dem nun ausgesprochenen Verkaufsstopp könnten dagegen bereits vereinbarte Neuwagenkäufe durcheinanderbringen. "In Einzelfällen" könne es passieren, dass Kunden schon bestellte Fahrzeuge deshalb nicht ausgeliefert bekommen, teilte der VW-Sprecher mit.

Niedersachen vermisst "VW-Akte"

Bei der Aufarbeitung des Abgas-Skandals sorgt unterdessen ein Bericht der "Bild"-Zeitung für Aufsehen. Aus der niedersächsischen Staatskanzlei soll angeblich unter ungeklärten Umständen eine "geheime VW-Akte" verschwunden sein. Der Verlust sei am 12. Oktober bemerkt worden, schreibt das Blatt. Die Landesregierung ließ demnach Mitarbeiter befragen und erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

Eine Regierungssprecherin sagte der Zeitung, in der Akte hätten sich Ausdrucke und Duplikate von Unterlagen befunden sowie interne Vermerke. Es handle sich nicht um Aufsichtsratsunterlagen. "Insofern ist der Verlust ärgerlich, aber nicht hochproblematisch", zitierte die Zeitung die Sprecherin. Das Land Niedersachsen ist Anteilseigner an VW. Ministerpräsident Stephan Weil gehört dem VW-Aufsichtsratspräsidium an.

Volkswagen hatte im September eingeräumt, bei Umwelttests von Dieselfahrzeugen in den USA die Abgaswerte manipuliert zu haben. Durch eine entsprechende Software wurde bei den Tests ein niedrigerer Schadstoffausstoß gemessen als im Normalbetrieb. Die Software wurde weltweit in elf Millionen Dieselfahrzeuge eingebaut.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa