Wirtschaft

Insider-Tipps der US-Notenbank Wie Anleger mit Fed-Leaks Geld verdienen

hr RTX1S2B2.jpg

Insiderhandel ist nicht nur in den USA verboten.

(Foto: REUTERS)

US-Notenbanker versorgen Journalisten und Investoren gerne mit vertraulichen Informationen. Daraus können Anleger großen Nutzen ziehen – selbst wenn sie die exklusiven Hinweise gar nicht kennen.

Die US-Notenbank Fed streut gewöhnlich vertrauliche Informationen über ihre Geldpolitik, damit sich die Märkte im Vorfeld auf die Entscheidungen einstellen können. Das ist eine überaus umstrittene Praxis, denn mit diesen exklusiven Hinweisen lässt sich viel Geld verdienen. Doch auch Otto-Normal-Anleger kann davon profitieren.

Denn diese informellen Hinweise einzelner Fed-Banker haben ein so vorhersehbares Timing, dass Anleger einfach zu bestimmten Zeitpunkten Aktien kaufen oder verkaufen müssen. Das zumindest will Annette Vissing-Jorgensen, die an der Universität Berkeley lehrt, gemeinsam mit Kollegen herausgefunden haben. Die Forscher präsentierten ihre Ergebnisse auf einer Konferenz mit hochrangigen Mitgliedern verschiedener Notenbanken.

Die Wirtschaftsprofessorin fand ein simples Muster. In der zweiten, vierten und sechsten Woche nach den jährlich acht Zins-Sitzungen der Fed entwickelt sich der US-Aktienmarkt besser als der amerikanische Anleihemarkt. Das heißt: Ein Anleger könnte sich einfach in den ungeraden Wochen aus dem Aktienmarkt zurückziehen – und in geraden Wochen wiederkommen. Damit würde er mehr Geld verdienen als jemand, der die ganze Zeit über im Aktienmarkt investiert bleibt.

In den Wochen, in denen sich die Aktienkurse besser entwickeln, finden in der Regel Sitzungen des Fed-Boards hinter verschlossenen Türen statt. Zugleich nimmt Vissing-Jorgensen zufolge die Volatilität bei Termingeschäften stark zu, die auf das kurzfristige Zinsniveau wetten. Die Professorin schließt daraus, dass die "informelle Kommunikation" von Fed-Bankern mit Journalisten oder Investoren für das entdeckte Muster verantwortlich sei.

Coeuré plaudert mit Hedgefonds

Der Chef der kalifornischen Notenbank, Jon William, sagte auf der Konferenz: "Zweifellos hat die Fed in der Vergangenheit informelle Kanäle benutzt, um ihre Geldpolitik zu erläutern." Und EZB-Direktor Benoit Coeuré ergänzte, Notenbanker müssten gelegentlich Testballons fliegen lassen, um herauszufinden, wie Investoren auf eine geldpolitische Entscheidung reagieren werden.

Coeuré hatte mit einem Testballon allerdings ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Im Mai hatte er bei einem Abendessen mit Finanzprofis – unter ihnen dem Vernehmen nach George Soros - angekündigt, dass die EZB einen Teil der für Juli und August geplanten Anleihenkäufe Umsätze vorzuziehen wolle. Als Coeurés Rede am Tag nach der Ansprache veröffentlicht wurde, bewegte die Aussicht auf verstärkte EZB-Anleihekäufe die Märkte kräftig – die Aktienkurse stiegen, der Euro fiel. Das hatten sich die Finanzprofis denken können, und mit dem Informationsvorsprung haben viele wohl sehr gute Geschäfte gemacht.

Was auch immer die Gründe für das von Vissing-Jorgensen entdeckte Muster sind: Für Anleger könnte es überaus vorteilhaft sein, es zu kennen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen