Wirtschaft

Startup macht aus Plastik Sprit Wie Müllberge zu Kraftstoff werden können

Zwei der vielen großen Probleme im größten Flüchtlingslager der Welt in Bangladesch sind: Es gibt zu viel Müll und wenig Energie. Beides versucht ein Startup aus der Nähe von Dresden mit einer Anlage zu lösen.

Das Unternehmen Biofabrik aus der Nähe von Dresden will Meeresplastik zu wertvollem Kraftstoff umwandeln. Nach sechs Jahren Forschungsarbeit und einem fertigen Prototypen soll nun die Serienproduktion beginnen, sagt Gründer und Geschäftsführer Oliver Riedel. Die Anlage "WASTX Plastic" soll bis zu 1000 Kilogramm nicht mehr verwertbare Kunststoffe verarbeiten. "Ein Kilo Plastik ergibt etwa ein Liter Kraftstoff", erklärt Riedel. Unter hohem Druck und mit speziellen Reaktoren werden die Kunststoffe - etwa Dachpappe, Fischernetze oder Verpackungen - bei hohen Temperaturen zu Gas oder in Flüssigkeit umgewandelt.

Riedel hat eine Vision: Vermüllte Strände, an denen Kommunen oder Hotels die Anlagen aufstellen. Touristen und Einheimische, die ihren Plastikmüll hineinwerfen und Geld dafür bekommen, etwa über den Bezahldienst Paypal. Fischer, die den Müll aus ihren Netzen entsorgen oder gleich eine Anlage an Bord stehen haben. "Dann fangen die Leute vielleicht an, mehr Plastik am Strand oder im Meer aufzusammeln", sagt der 43-Jährige. So würde nicht nur der Müllberg schrumpfen, sondern zugleich Kraftstoff produziert: Der kann für Schiffe oder Stromgeneratoren verwendet werden. "Denn viele Inseln, die ein Plastikmüllproblem haben, haben auch ein Energieproblem." 

Diese Annahme gilt auch für das größte Flüchtlingslager der Welt im bangladeschischen Kutupalong. Rund 700.000 Menschen leben hier auf einer Fläche von gerade einmal 18 Quadratkilometern - vergleichbar mit der Größe der deutschen Ostseeinsel Hiddensee. Die Menschen haben gleichzeitig ein Müll- und ein Energieproblem. Riedel und sein Startup planen, eine ihrer Anlagen - spendenfinanziert - in Kutupalong aufzustellen. Über das Crowdfunding-Portal "Leetchi" sammeln sie derzeit Geld für ihr Projekt. Die Anlagen verwandeln im Verhältnis 1:1 Plastikmüll in eine diesel-ähnliche Flüssigkeit. Mit dem Kraftstoff, der von recht grober Qualität ist, lassen sich Generatoren oder Schiffsmotoren betreiben.

Das Verfahren, auf das Riedel setzt, ist nicht neu: Bei der Pyrolyse werden Kunststoffe bei hohen Temperaturen zu Gas oder in Flüssigkeit umgewandelt. Riedel und sein Team haben spezielle Reaktoren entwickelt: Die kleingehäckselten Plastikabfälle werden darin unter Entzug von Sauerstoff bei 500 Grad erhitzt, Abfälle wie Sand und Salz herausgefiltert. Am Ende tropft eine dunkle, zähe Flüssigkeit mit Diesel-Eigenschaften heraus. Mit einer Anlage ließen sich täglich rund eine Tonne Plastikabfall zu rund 1000 Litern Kraftstoff verwandeln.

Roman Maletz, der am Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft der TU Dresden über Kunststoffrecycling forscht, hält die Umwandlung von Plastik in Rohstoffe für einen richtigen Ansatz zur nachhaltigen Verwendung von Kunststoffabfällen. Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass die technische Umsetzung schwierig sei. Wirtschaftlich sei das Verfahren nur sinnvoll, wenn man große Anlagen betreibe. Diese wiederum seien aber oft störungsanfällig durch den sehr unterschiedlichen Abfall. "Wenn das eine konkurrenzfähige Technologie wäre, hätte sich das schon viel stärker durchgesetzt", glaubt Maletz.

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Quelle: n-tv.de, bdk/dpa