Wirtschaft

Führungszirkel tagt abgeschirmt Winterkorn legt neue VW-Strategie vor

Auch nachdem der Machtkampf an der Spitze vorüber ist, stehen Volkswagen keine ruhigen Zeiten bevor. Konzernchef Winterkorn will das Unternehmen grundlegend umbauen. Einige Topmanager könnten dabei ihren Job verlieren.

VW-Chef Martin Winterkorn treibt die Vorbereitungen zum Umbau des Wolfsburger Autoimperiums voran. Dazu traf er sich mit Mitgliedern des engeren Führungszirkels, wie mehrere Insider berichteten. Thema der Beratungen auf dem Braunschweiger Flughafen, an dem neben dem Aufsichtsratspräsidium weitere Personen teilnahmen, seien die neuen Strukturen von Volkswagen gewesen. Personalien hätten nicht im Vordergrund gestanden. Das Treffen sollte am späten Nachmittag enden. VW lehnte eine Stellungnahme ab.

Der Aufsichtsrat soll Winterkorns Pläne zur Neuausrichtung des nach Toyota weltweit zweitgrößten Autokonzern Ende September genehmigen. Danach sollen sie dem Management präsentiert werden. Winterkorn hatte nach dem überstandenen Machtkampf mit Firmenpatriarch Ferdinand Piech kürzlich den Umbau des Konzerns mit seinen zwölf Marken angekündigt. Dabei soll auch die Führung gestrafft werden.

Insider rechnen zudem mit einem großen Stühlerücken im Management. Als prominentester Vertreter könnte Vertriebsvorstand Christian Klingler seinen Job verlieren. Sein Ressort steht auf der Kippe, wenn die einzelnen Verkaufsregionen rund um den Globus künftig stärker selbst über die Modellpolitik entscheiden dürfen. Bisher bekommen sie dies zentral von Wolfsburg vorgegeben.

Lkw-Sparte macht es vor

Winterkorn will das Führungsmodell von VW weiterentwickeln und die Strukturen neu ordnen. "Wir müssen schneller, effizienter und beweglicher werden", hatte er Anfang Mai bei einer Management-Konferenz gesagt. Dazu sollen sich die einzelnen Marken besser abstimmen. So könnten etwa VW, Skoda und Seat unter eine Leitung gestellt werden. Auch die Luxusmarken Porsche, Bentley, Lamborghini und Bugatti könnten zusammengefasst werden.

Die beiden Lkw-Töchter MAN und Scania sind bereits enger zusammengerückt. Die kürzlich gegründete Lkw-Holding wird von dem früheren Daimler-Manager Andreas Renschler geleitet. Die einzelnen Gruppen sollen Entwicklung und Vertrieb künftig weitgehend selbst organisieren.

Die Suche nach einem Nachfolger für Ex-Aufsichtsratschef Piech läuft unterdessen weiter. Der mächtige Betriebsratschef Bernd Osterloh, der ebenfalls im Aufsichtsratspräsidium sitzt, hatte gesagt, er gebe dem Konzernumbau Vorrang vor einer Entscheidung über den künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden. Die Arbeitnehmer stellen in dem Kontrollgremium die Hälfte der 20 Mitglieder.

Zusammen mit den beiden Vertretern Niedersachsens in dem Gremium können sie die Geschicke von Volkswagen bestimmen. Ministerpräsident Stephan Weil hatte unlängst in einem Zeitungsinterview erklärt, VW müsse den Verantwortlichen in den einzelnen Regionen mehr Verantwortung geben. Einen Konzern wie Volkswagen mit rund 600.000 Beschäftigten könne man nicht zentral führen, sagte der SPD-Politiker.

Quelle: ntv.de, mbo/rts