Wirtschaft

Reitz' Kommentar Winterkorn muss bleiben

Schwarzer Montag in Wolfsburg: Der VW-Konzern schockiert mit Abgas-Doping in den USA, die Aktie bricht ein. Aber die Rufe nach einem Rücktritt von VW-Chef Winterkorn sind vorerst nur billige Stimmungsmache.

Die VW-Aktie erlebt einen Crash.

Schon 10 Prozent an einem Tag rechtfertigen diese Bezeichnung. Bei VW waren es im heutigen Handelsverlauf schon mehr als 20 Prozent. Der Schlusskurs wird entscheiden.

Der VW-Konzern insgesamt erlebt einen schwarzen Montag. Das Abgas-Doping bei Dieselmotoren in den USA, um Umweltwerte zu schönen, ist ein Schock für alle Anteilseigner – Kunden, Aktionäre, Konzern.

Als Menetekel haben Aktionäre eine Maximalstrafe von 18 Milliarden Dollar vor Augen – das wäre der anderthalbfache Jahresgewinn.

Doch langsam. Bei aller Aufregung lohnt sich die nüchterne Analyse mit kühlem Kopfe.

So gehen Experten davon aus, dass die mögliche Höchststrafe weit unterschritten wird. VW kooperiert schließlich vollumfänglich mit den Behörden. Und wir erinnern uns:

  • Die Deutsche Bank musste im Liborskandal die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar an die Regulierungsbehörden in Großbritannien und den USA zahlen.
  • General Motors wurden 900 Millionen Dollar im Skandal um defekte Zündschlösser aufgebrummt, welche mit zahlreichen Todesfälle in den USA in Verbindung gebracht werden.

Und so unschön die Täuschungsmanöver von VW im Diesel-Gate in den USA für die Umwelt sein mögen, sie haben nicht dazu geführt, dass Menschen zu Tode kamen.

Sicher ist aber: Bei VW müssen Köpfe rollen.

Allerdings sind die ersten Rufe nach einem Rücktritt von Konzernchef Martin Winterkorn zu diesem Zeitpunkt billige Stimmungsmache. Martin Winterkorn ist ein ebenso erfahrener wie erfolgreicher erster Mann an der VW-Spitze. Seine Durchsetzungskraft wird jetzt benötigt, um den Auspuff-Doping-Skandal gründlich aufzuklären.

Viele Fragen sind zu klären: Wer ist ursächlich verantwortlich? Welche weiteren Modelle, Marken oder Länder sind von möglichen Tricksereien betroffen? Was wusste Wolfsburg?

Volkswagen will der größte und zugleich nachhaltigste Autokonzern der Welt werden. Damit dieser Skandal nicht nachhaltig wirkt, braucht es zu diesem Zeitpunkt nicht eines neuen Besens, sondern eines erfahrenen. Martin Winterkorn steht vor der vermutlich wichtigsten Aufgabe seiner Zeit als VW-Chef.

Quelle: ntv.de

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