Kolumnen

Inside Wall Street Angst um die Weihnachtsrally

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(Foto: REUTERS)

Ein Absturz, eine steile Rally - und dann war plötzlich die Luft draußen. Die amerikanischen Börsen haben in den letzten Wochen zwar neue Höchststände markiert, doch seit Tagen kommen sie nicht weiter.

Die Börse mag keinen Stillstand. Mit steigenden Kursen lässt sich Geld verdienen, mit fallenden Kursen auch. Nur wenn der Markt im Krebsgang ist, dann verzweifeln die Trader und ihre Kunden. Der ultimative Horror ist, wenn zur Schlussglocke um 16 Uhr nicht einmal klar ist, ob sich der Markt noch ins Plus oder ins Minus zittert. Doch genau das sieht man dieser Tage häufig, und entsprechend eifrig wird diskutiert, was das alles bedeutet.

Zum Tauziehen treten – wie immer – die Bullen und Bären an, und beide haben gute Argumente.

Den Pessimisten ging die jüngste Erholung an der Wall Street zu schnell. Zur Erinnerung: Anfang Oktober, die Berichtssaison für das dritte Quartal hatte gerade mit den ersten Enttäuschungen begonnen, brachen die Kurse ein. Die Blue Chips krachten von über 17,000 auf ein Level unter 16,000. Ein Einschnitt, den der Markt nach Jahren einer unfassbar stabilen Rally nicht mehr gewöhnt war. Ein Crash wohlgemerkt war das ganze nicht, streng genommen nicht einmal eine Korrektur – denn davon sprechen Experten erst, wenn der Markt um mindestens 10 Prozent nachgibt. Dem Dow allerdings blieb der zweistellige Sturz erspart.

War es nun gut, dass sich der Markt knapp unter 16,000 Punkten fangen konnte? Eher nicht, denn seit ewigen Zeiten fordern Insider eine Korrektur für die Märkte, die längst überkauft sind. Die Fed hat mit ihrer marktfreundlichen Politik ein Kursfeuerwerk entfacht und dabei den Aktienmarkt von der Realwirtschaft entkoppelt – das ist langfristig nicht gut. Eine richtige Korrektur hätte eine Bereinigung bringen könnte.

Kommt die Abrechnung?

Doch dazu sollte es nicht kommen. Kaum hatten die Blue Chips die 16,000 Punkte unterschritten, kamen die Schnäppchenjäger aufs Feld, gabelten aus was es zu kaufen gab. Nach zwei Wochen waren die 17,000 Punkte wieder hergestellt, und da sich mittlerweile auch gute Quartalszahlen auf dem Parkett herumsprachen, ging es weiter rauf, und weiter, und immer weiter. Fünf Tage lang gingen die Märkte jeweils mit einem neuen Allzeithoch aus dem Handel. Börsenwahnsinn!

Eine richtige Erholung hat man jetzt also nicht wirklich gesehen, so das Argument der Pessimisten. Die Optimisten glauben hingegen, dass die ganz große Bereinigung nicht kommen wird – dass sie nicht nötig ist.

Sie werfen die Frage auf: Kann der Aufwärtstrend an der Wall Street wirklich anhalten? Oder kommt ausgerechnet vor Weihnachten – wenn die Wall Street eigentlich eine Santa-Claus-Rally erwartet – die endgültige Abrechnung? Die Antwort sollte, unter anderem, der Verbraucher liefern. Das Verbrauchervertrauen, das wissen Konjunkturbeobachter, hat sich in den letzten Monaten deutlich stabilisiert. Doch Vertrauen ist nicht Umsatz. Von den Einnahmen der Geschäfte in den nächsten Wochen wird abhängen, wie es an der Börse weitergeht. Die Bullen sehen sich weiter am Ruder. Ganz deutlich sagt der Charttechniker Michael Ashbaugh: "Das Bullenmarkt ist intakt."

Ob er recht hat, entscheidet sich an den Kassen der Department Stores. Wenn sich in den nächsten Wochen herausstellt, dass der amerikanische Verbraucher nach einer Erholung am Arbeitsmarkt und auch dank des niedrigen Ölpreises wieder Geld ausgibt, dann wird der Aufschwung weitergehen. Denn die US-Wirtschaft wird zu zwei Dritteln vom Verbraucher getragen. Das wird auch an der Börse reflektiert.

Quelle: n-tv.de

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