Kolumnen

Was macht der Einzelhandel? Wall Street ignoriert den Terror

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(Foto: REUTERS)

"Business as usual", lautet das Motto an der Wall Street. Statt mit den Konflikten in der Welt befassen sich die Börsianer mit ganz anderen Themen - mit dem Truthähnen, überfüllten Flughäfen oder Kassenschlagern.

Zwei Wochen nach den Terroranschlägen von Paris nehmen die schrecklichen Nachrichten aus aller Welt kein Ende: Während der französische Präsident Hollande eine Allianz für einen Krieg gegen den Islamischen Staat zusammentrommelt, steht Brüssel im Ausnahmezustand, die Krim ist ohne Strom, die Türkei schießt einen russischen Kampfjet vom Himmel, und man sollte auch die Attentate im Libanon wenige Stunden vor Paris nicht vergessen… ein Blick an die Wall Street zeigt derweil: alles okay, keine Panik.

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Wer dieser Tage durch die amerikanischen Finanzzeitungen blättert (oder auf den entsprechenden Webseiten unterwegs ist), der dürfte eines feststellen: So mancher Analyst an der Wall Street sorgt sich um die Zukunft. Es sieht düster aus, warnen viele... für den Einzelhandel, denn die jüngste Terrorwelle könnte sich auf das Weihnachtsgeschäft auswirken. Und dann wäre da noch Thanksgiving? Der Horror lauert in Chicago, Dallas und Washington, DC – das sind die schlimmsten Flughäfen mit den meisten Verspätungen. Und Truthähne kosten so viel wie nie zuvor. Und: Welcher Film wird der Kassenschlager in der Weihnachtssaison?

Kaum ein Wort mehr über Paris in den Schlagzeilen der Wirtschaftsblätter, und auf dem Parkett selbst ist das Thema durch.

Das mag daran liegen, dass Terror für New York kein unbekanntes Phänomen ist. Kein Terroranschlag in der jüngeren Geschichte hat so viele Todesopfer gefordert wie der Anschlag gegen das World Trade Center am 11. September 2001. Und an der Wall Street arbeiten viele, die damals Freunde und Kollegen verloren haben.

Und doch: Nach den Anschlägen von 9/11 brachen die Börsen ein – ausgerechnet an den amerikanischen Börsen hat man damals gesehen, welche Auswirkungen solche Attacken am Finanzplatz haben können. Zumal danach einige Branchen herbe Verluste einstecken mussten, nicht zuletzt die Airlines und die Versicherungen.

Andererseits: An der Wall Street weiß man auch, dass jedem Verlierer ein Gewinner gegenüber steht. Wenn auch der Verbraucher unter Krieg und Terror leidet, dann steigen auch einige Aktien – und nicht nur die der Waffenhersteller und Rüstungsriesen. Zur Zeit dürften sich vor allem Ölkonzerne die Hände reiben. Der Ölpreis ist so niedrig wie lange nicht, den Unternehmen geht das Geld aus. Das liegt vor allem an der ungebrochenen Förderung im Nahen Osten. Jegliche Unruhe dort könnte den Preis für den Rohstoff steigen lassen und damit die Gewinne für Exxon und Co.

Höhere Ölpreise würden wiederum die ohnehin betroffenen Fluggesellschaften belasten, und auch die Automobilindustrie dürfte leiden. Und so ist selbst in Terrorzeiten an der Wall Street alles wie immer: Es geht rauf, es geht runter – und am Ende gewinnt die Bank. Kein Grund zur Sorge.

Quelle: n-tv.de

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