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Daimler zieht Bilanz Der Stuttgarter Stern sinkt

Daimler-Chef Ola Källenius setzt den Rotstift an. Aber das reicht nicht. Er muss bei dem Stuttgarter Automobilhersteller für Wachstum sorgen - schafft er das?

Ungewöhnlich ist das nicht. Im Gegenteil. Seit beinahe neun Monaten führt Ola Källenius den Stuttgarter Daimler-Konzern. Und jetzt legt er endlich los. Nein, Gas gibt der 50-jährige Schwede wahrlich kaum. Er tritt auf die Kostenbremse. Källenius tut das, was neue Manager an der Spitze eines Dax-Konzerns so häufig tun: Rotstift ansetzen, Stellen streichen, Sortiment zusammenstreichen. Der frühere Daimler-Chef Dieter Zetsche ließ sich lange für seine immer neuen Verkaufsrekorde feiern. Aufräumen muss sein Nachfolger. Wie so oft.

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Als Zetsche den Chefsessel von seinem Vorgänger Jürgen Schrempp übernahm - 14 Jahre ist das her -, war die Lage ähnlich verfahren. Schrempp hatte in einem Anflug von Größenwahn ein automobiles Weltreich schaffen wollen. Am Ende lag der Konzern in Trümmern. Zetsche musste, wie jetzt sein Nachfolger Källenius, mit viel Anstrengung sanieren.

Lederschuhe statt Sneakers, wie sie Zetsche zuletzt trug - das reicht nicht. Die Not ist zu groß bei Daimler. Noch immer kann der Stuttgarter Konzern, der mit seiner Marke Mercedes für "made in Germany" steht, wie kaum ein anderes Unternehmen wegen seiner Erfolge aus früheren Zeiten glänzen - vor allem im Ausland. Noch! Doch diesmal sind die Herausforderungen deutlich größer als früher. Die Automobilindustrie steckt mittendrin in einer strukturellen Krise. Elektroantriebe, alternative Kraftstoffe, autonomes Fahren - das alles verschlingt Millionensummen.

Außerdem sind da noch die Baustellen - davon gibt es viele. Mangels tauglicher Batteriezellen geriet die Elektrooffensive zuletzt immer wieder ins Stocken. Gemessen an den E-Auto-Verkäufen von BMW hat Daimler im vergangenen Jahr nicht einmal ein Zehntel der Absatzzahlen des Münchner Rivalen erreicht. Wegen des Dieselskandals muss der Konzern zudem milliardenschwere Aufwendungen stemmen. Außerdem tobt in der Führungsetage - wie etwa dem Finanzressort - ein kräftezehrender Machtkampf.

Wo bleibt das Wachstum? Eine überzeugende Antwort bleibt Källenius bislang schuldig. Lange dürfte das nicht so bleiben. Nach drei Gewinnwarnungen in Folge sind viele Investoren verstimmt. Sie wollen Erfolge sehen. Nicht nur beim Sparen. Ola Källenius steht enorm unter Druck.

Quelle: ntv.de