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Zoff um Nord Stream 2 Gebt Trump nach!

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Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Donald Trump will Deutschland zwingen, auf Nord Stream 2 zu verzichten und stattdessen amerikanisches Flüssiggas zu kaufen. Die Bundesregierung sollte klugerweise dem Druck des US-Präsidenten nachgeben.

Wenn Donald Trump etwas fordert, ist das in der Regel egoistisch, rücksichtslos und häufig falsch. Dennoch kommt es vor, dass er aus den falschen Motiven das Richtige verlangt. Bei Nord Stream 2 ist das der Fall.

Der US-Präsident will, dass Deutschland weniger Gas aus Russland bezieht und stattdessen Flüssiggas aus den USA kauft. Um das durchzusetzen, will er einen Baustopp von Nord Stream 2 erreichen. Außerdem haben die USA sogar Sanktionen auf den Weg gebracht. Das ist zwar ganz im Sinne des Mantras "America first" ein Angriff auf die Souveränität sowohl Deutschlands als auch der EU. Am knallharten Eigeninteresse ändert auch die - zutreffende - Begründung nichts, dass sich Europa durch die Pipeline noch abhängiger von Russland macht.

Dennoch wäre es klug, Trump hier entgegenzukommen. Für die Bundesregierung ist das eine gesichtswahrende Gelegenheit, aus einem Projekt auszusteigen, das von Beginn an ein Fehler war. Denn die Pipeline hätte nie gebaut werden dürfen.

Nord Stream 2 erhöht den Einfluss des Kremls auf Deutschland und spaltet Europa. Präsident Wladimir Putin hat schon häufiger Energielieferungen als Waffe eingesetzt. Der Staatskonzern Gazprom ist ein Machtinstrument, das die Bundesregierung nicht noch wirkungsvoller machen darf.

Deutschland muss Putin die Stirn bieten - allein schon aus Eigennutz. Putins Ziel ist es, den Westen zu destabilisieren. Russland mischt sich in Wahlen ein. Unter Putin ist das Land unaufhaltsam immer autokratischer geworden. Oppositionelle werden verhaftet oder vergiftet. Putin hat die Krim annektiert und ist in Georgien einmarschiert. Er schützt den syrischen Machthaber Baschar al-Assad.

Gas gibt es genug

Energie ist der Bereich, wo der Westen Putin besonders wehtun kann. Russland ist von den Einnahmen der Öl- und Gasverkäufe abhängig. Ein besseres Mittel gibt es nicht, um Putin unter Druck zu setzen.

All das heißt nicht, die Beziehungen zu Russland einzufrieren. Es geht darum, nicht noch mehr Gas von dort zu kaufen. Flüssiggas aus den USA ist - trotz Fracking - eine der Alternativen. Norwegen ist eine andere, nordafrikanische Länder eine weitere. Gas gibt es genug. Es muss kein russisches sein.

Selbstverständlich verfolgt Trump wirtschaftliche Interessen der USA. Das ändert aber nichts daran, dass es politisch ein guter Schachzug Deutschlands wäre, weniger Gas aus Russland und mehr aus anderen Ländern zu kaufen.

Sollte Deutschland mehr US-Gas beziehen, wird ein Streit beigelegt, der die Beziehungen zwischen beiden Ländern und auch die EU belastet. Außerdem dürfte sich das Verhältnis zwischen Trump und Putin merklich abkühlen. Aus sicherheitspolitischer und geostrategischer Sicht ist das für Deutschland und die EU wünschenswert.

Wirtschaftlich ist es verkraftbar, auf Nord Stream 2 zu verzichten. Politisch ist ein Stopp des Projekts dringend geboten. Auch wenn Trump nicht nur in dieser Sache völlig unglaubwürdig ist: Trotz ist das Gegenteil von wirklicher Unabhängigkeit.

Quelle: ntv.de