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Giftpfeile zwischen Athen und Berlin Mehr Zurückhaltung, bitte!

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Gesprächsbedarf: die Finanzminister Wolfgang Schäuble und Yanis Varoufakis.

(Foto: REUTERS)

Sie können es nicht lassen: Kaum fordert die griechische oder die deutsche Regierung verbale Abrüstung, wird weiter munter gegen die andere Seite gewettert. Es ist höchste Zeit, dieses unwürdige Schauspiel zu beenden.

Beim Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Das stellen die griechische und die deutsche Seite in dem Gezerre um Hilfen für das Krisenland gerade eindrucksvoll unter Beweis. Es vergeht kaum ein Tag, an dem es zwischen Berlin und Athen nicht zu Sticheleien kommt. Gemach, möchte man den Beteiligten zurufen. Lasst das bitte sein!

Denn es geht hier nicht um irgendetwas Nebensächliches, es geht um die Zukunft der Eurozone. Das Thema ist so wichtig, dass persönliche Befindlichkeiten überhaupt keine Rolle spielen dürfen. Ärgerlicherweise ist aber genau das der Fall.

Das Muster ist immer gleich: Erst wird in Richtung Berlin oder Athen geschossen, dann wird verbale Abrüstung gefordert, werden die gemeinsamen Interessen beschworen. Und dann legt irgendjemand nach. Für das Verhandlungsklima ist das – gelinde gesagt – fürchterlich schädlich. Es wird damit noch schwerer, eine Lösung zu finden.

Zugegeben, die Griechen machen es der deutschen Seite wirklich nicht leicht. Die neue Regierung fordert im Prinzip Geld, ohne sich auf Gegenleistungen festlegen zu wollen. In Athen wird laut über Reparationsforderungen gegenüber Deutschland nachgedacht und der Verteidigungsminister droht damit, Flüchtlingsströme nach Berlin zu schicken. Der Außenminister beklagt sich über kulturellen Rassismus.

Das ist starker Tobak. Während sich auf griechischer Seite die Breitseiten in Richtung Deutschland auf mehrere Kabinettsmitglieder verteilen, ist hierzulande Finanzminister Wolfgang Schäuble ganz vorne dabei. Seine Sticheleien gegen die griechische Regierung haben bei Weitem nicht die Qualität wie die Äußerungen der Griechen. Doch seine unverblümte Kritik in Richtung Athen, der beißende Spott über seinen Amtskollegen Yanis Varoufakis, seine Ironie sind unnötig. Außerdem hilft Schäuble so der griechischen Regierung, den Konflikt mit der Eurozone als eine bilaterale Auseinandersetzung mit Deutschland darzustellen. Ein Feindbild in Gestalt des deutschen Finanzministers ist für Athen überaus nützlich.

Na klar, die starken Worte beider Seiten sind auch an die eigene Bevölkerung gerichtet. Schäuble will zeigen, dass er Krediten nur widerwillig und nur unter harten Bedingungen zustimmt. Und Griechenlands Regierung hat die Wahlen mit vollmundigen Versprechungen gewonnen – und muss nun liefern. Wenn sie schon einknickt, will sie wenigstens zeigen, dass sie gekämpft hat. Doch mittlerweile gehen die Wortgefechte über das akzeptale Maß hinaus.

Ende Februar hatten bei einer Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister verschiedene Teilnehmer die Griechen zu verbaler Zurückhaltung aufgerufen. Diesen Rat sollte die Athener Ministerriege dringend beherzigen. Und auch der deutschen Seite würde mehr Besonnenheit gut zu Gesicht stehen.

Quelle: n-tv.de

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